So stark gedenkt das Kepler-Gymnasium der gestorbenen Flüchtlinge im Mittelmeer

Marius Buhl

1750 Kreuze - eins für jeden Flüchtlingstoten im Mittelmeer seit Januar: Niklas Wagner und seine Kollegen von der SMV des Kepler-Gymnasiums gedenken den Mittelmeertoten mit einer starken Aktion in ihrer Schule. Uns hat er erzählt, wie es dazu kam:



Niklas, Du und ein paar wenige Mitschüler haben auf den Boden des Kepler-Gymnasiums 1750 Kreuze gemalt. Warum?

Die Kreuze stehen für die Flüchtlinge, die im Mittelmeer gestorben sind. 1750 - diese Zahl wurde im Spiegel veröffentlicht - so viele Menschen seien seit Januar im Mittelmeer gestorben. Ich hatte aber das Gefühl, dass diese Zahl in Deutschland gar niemandem etwas sagt. 10, 20, 100 - Zahlen sind Zahlen und schwer vorstellbar. Als Kreuze auf dem Boden sind sie aber greifbarer. Wir haben die Kreuze mit Wasserfarben gemalt. Zusätzlich haben wir eine Traueranzeige veröffentlicht - und ich habe einen Text geschrieben, der das Thema etwas einordnen soll.

Wie haben Mitschüler, Lehrer und Direktion reagiert?

Die Aktion war natürlich abgesprochen, so was muss man an einer Schule absprechen. Von der Lehrerschaft wurde die Aktion sehr positiv bewertet. Die Schüler haben sie erst gar nicht wahr genommen. Viele dachten, die Kreuze gehören zu einer Theateraufführung, die auch grade am Kepler stattfindet. Dann haben wir eine Durchsage gemacht. Manchen Schülern war es danach immer noch ein bisschen egal, aber einige fanden es ganz toll.

Wie müsste Europa seine Grenzpolitik ändern?

Ich finde, dass Europa seiner Grundrechtecharta nicht gerecht wird, wenn an der Außengrenze tausende Flüchtlinge sterben. Natürlich können wir nicht ganz Afrika bei uns aufnehmen, alle wollen aber auch gar nicht kommen. Ich denke, die Anstrengung, Flüchtlingen das Leben zu retten,  müsste deutlich größer sein und nicht auf Placebomaßnahmen beschränkt werden - wie zum Beispiel die, dass man nun die Schleuser zu bekämpfen versucht.

Warum interessierst du dich so sehr für das Thema?

Ich würde mich generell als politikinteressiert beschreiben, hatte auch Gemeinschaftskunde im Abitur. Aber speziell dieses Thema trifft mich sehr emotional. Ich finde die Vorstellung so schrecklich, dass Flüchtlinge über mehrere Jahre durch Afrika fliehen und dann im Mittelmeer ertrinken. Das ergreift mich extrem.

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