Adieu!

Sieben Gründe, Freiburg zu verlassen

Anne Herrmann

Sonnigste Stadt Deutschlands, Green City, von Lonely Planet zum Top-3-Reiseziel gewählt: Die allgemeine Gunst ist eindeutig auf Freiburgs Seite. Doch wo viel Sonnenschein, da auch Schattenseiten. Sieben Gründe, das Weite zu suchen.

1. Zu hohe Mietpreise

Der extrem teure und angespannte Wohnungsmarkt ist wohl einer der zentralen Gründe, der gegen Freiburg spricht. Erst kürzlich wurde belegt, dass die Wohnkosten für Studierende nirgends in Baden-Württemberg so sehr gestiegen sind wie in Freiburg. 490 Euro muss man im Schnitt für ein WG-Zimmer hinblättern. Das ist dann wohl der Mittelwert des berauschenden WG-gesucht-Angebots: Irgendetwas zwischen 1500-Euro-Luxus-Studiapartments und 200 Euro für 20 Quadratmeter in der Burschenschaft.

2. Zu hohe Essenspreise

Was von der Miete übrig bleibt, geht für den 7-Euro-Falafel drauf. Da kann man nur träumen von Städten wie Hamburg, wo es den Yufka noch für 3 Euro gibt – mit Grillgemüse. Auch der Stand der Mensa als Bastion des günstigen, guten Essens bröckelt mit jeder Preiserhöhung weiter vor sich hin.

3. Klimawandel

"Sonnigste Stadt Deutschlands" könnte bei Weiterführung der aktuell ungenügenden Klimapolitik schnell zu "Stadt ohne Fluss mit außerordentlichem Vorkommen tödlicher Hitzewellen, Dürren und Lebensmittelknappheit" werden. Ob der Lonely Planet Freiburg dann nochmal zum Top Reiseziel erklärt, bleibt abzuwarten.

4. Alle kennen alle

Jemand völlig neuen kennenlernen? Einfach mal anonym durch die Stadt schlendern? In Freiburg keine Option, alle kennen gefühlt, zumindest über Ecken, alle. Das soziale Leben konzentriert sich auf wenige Orte, bekannte Gesichter sind immer dabei. Das kann schön sein zum Ankommen, auf Dauer aber ein gewisses Gefühl von "Täglich grüßt das Murmeltier" verbreiten.

5. Big Brother is watching

Weil die soziale Kontrolle nicht ausreicht, packt Freiburg noch intensive polizeiliche Kontrolle obendrauf. Wer abends im Bermudadreieck etwas frische Luft schnappen möchte, darf sich dabei neuerdings video-überwachen lassen. Dort und an anderen Orten wie Stühlinger Kirchplatz und Colombipark darf die Polizei anlasslos Personenkontrollen vornehmen, bei politischen Veranstaltungen grüßen die Kollegen vom Segway oder vom Pferderücken. Freiraum sieht anders aus.

6. Clubsterben

White Rabbit, Passage 46, Schmitz Katze, QU, BalzBambii, Klangraum – die Liste der Verluste an der Nachtleben-Front ist lang. 38 Clubs mussten laut der Initiative Clubkultur Freiburg in den vergangenen Jahren schließen. Dass im Ausgleich der Interessen von Anwohnenden und Kulturschaffenden letztere meist den Kürzeren ziehen, geht auch auf Kosten aller, die gerne in den Genuss einer lebendigen und ansprechenden Kulturszene kommen möchten.

7. Spießigkeit

So jung, grün und hip sich Freiburg auch gibt, eine gewisse Spießigkeit bleibt doch bestehen. An dieser Stelle nur ein anekdotischer Beleg: Vergangenen August wurde auf dem Kanonenplatz eine pinke Freiheitsstatue aufgestellt, als Zeichen gegen oben beschriebenes Clubsterben und für die Stärkung der Subkultur. Und die Stadt? Ließ die Statue abbauen und erstattete Anzeige gegen unbekannt, weil schließlich eine "Gefährdung der Allgemeinheit" nicht auszuschließen gewesen sei.