Fahrradbranche

Sensor auf Erfolgskurs: Freiburger Start-up Tocsen kooperiert mit Uvex

Gina Kutkat

Mit dem Mountainbike stürzen ist lebensgefährlich. Das Freiburger Start-Up Tocsen hat einen Sensor entwickelt, der einen Notruf absetzt. Damit haben die Gründer nun große Helm-Hersteller überzeugt.

Viel Fußarbeit lohnt sich. Einerseits beim Fahrradfahren, andererseits im Business. Die kleine Weisheit fasst auf jeden Fall die Geschichte des jungen Freiburger Unternehmens Tocsen gut zusammen. Seit 2018 arbeiten Andreas Botsch, Alexander Schumacher und Malte Buttjer an der Idee, ein Frühwarnsystem für Helme zu entwickeln. Mit ihrem Start-Up-Unternehmen geht’s bergauf – und ihren Sensor gibt’s mittlerweile in Helmen von Alpina und Uvex.


"Wir haben viel Überzeugungsarbeit geleistet", sagt Andreas Botsch. "Kontakte rausgekramt, Emails geschrieben, Feedback eingeholt, Werbung für unseren Sensor gemacht." Besagter Sensor ist ein kleiner Knopf am Helm, der einen Notruf absetzt, wenn Träger oder Trägerin stürzt. So geschehen bei Tom, einem Freund der drei Gründer, der sich das Genick brach. Tom geht’s wieder gut, weil Wanderer ihn zufällig fanden – so ist es auch auf der Homepage zu lesen. Tocsen setzt da an, wo kein Wanderer mehr hinkommt: In Kombination mit einer Smartphone-App funktioniert der Sensor wie ein Freund, der in der Not Hilfe ruft – aber eben nicht immer dabei ist. Tocsen schickt im Falle eines Sturzes einen Notruf inklusive GPS-Ortung an persönliche Notfallkontakte und die Tocsen-Community.

Auch vom Boom profitiert

Tocsen also. Das Wort setzt sich aus dem englischen Wort "tocsin" für Alarmglocke und dem Wort "Sensor" zusammen. Ein Marketing-Begriff, der gut in die Fahrradbranche passt. Dass diese in der Corona-Krise einen Boom erlebte, spürte auch das Team von Tocsen. In den vergangenen Monaten ist das Unternehmen auf 15 Mitarbeiter gewachsen, in größere Büroräume gezogen und von der Seed- in die Wachstumsphase übergegangen. Das bedeutet in der Start-Up-Szene, dass ein Geschäftsmodell funktioniert und bereits eine gewisse Bekanntheit im Markt existiert. "Jetzt starten wir unsere Expansionsstrategie und führen das Start-Up in die Gewinnzone", sagt Andreas Botsch.
Im September 2019 bekam Tosen im Zuge des Förderprogramms "Start-Up Pre-Seed BW" des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums eine Finanzierung von 200.000 Euro. Betreut wurde das Team dabei vom Smart Green Accelerator des Grünhof Freiburgs.

Um ihre erste Produktionswelle zu finanzieren, hatte Tocsen im Dezember 2019 zusätzlich eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Funding-Ziel waren damals 13.500 Euro – das war innerhalb kurzer Zeit erreicht. "Das hat uns stark nach vorne gebracht", sagt Botsch.
Ende des Jahres wollen die drei Gründer 10.000 Crash-Sensoren verkauft haben. Das sei eine Verzehnfachung im Vergleich zum Vorjahr, so Botsch. Es gibt den Sensor in 160 Fahrrad- und Sportläden in Deutschland, online und seit Kurzem auch im Helm integriert. Er kostet einzeln 77,90 Euro, im Uvex-Helm "Finale 2.0" 179.95 Euro. "Die Kooperation mit Uvex und Alpina war ein Meilenstein für uns."

Und wie geht es jetzt weiter? Was die Expansion auf den europäischen Markt angeht, sei noch Luft nach oben. Die App soll es bald in fünf Sprachen geben; die Produktentwickler seien auch sonst ständig am Tüfteln. Auch sollen noch weitere Sportarten erschlossen werden: Im Wintersport- und Reitsport ist Tocsen bereits angekommen. Und das alles trotz Corona. "Wir sind es gewohnt, remote zu arbeiten", sagt Andreas Botsch. Sein Team sei von Anfang an digital aufgestellt gewesen – Start-Up halt.

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