Kühles Nass

Selbstexperiment: Was passiert, wenn ich fünf Tage kalt dusche?

Maike Sommer

Wie duscht man eigentlich richtig? Kalt, warm, wechselseitig, morgens abends? Und wie oft? fudder-Autorin Maike Sommer hat recherchiert und in einem Selbstexperiment ausprobiert, was passiert, wenn sie fünf Tage lang kalt duscht.

Über kaltes Duschen findet man unglaublich viele Selbstversuche, Fakten und Behauptungen im Internet. Besonders gelobt werden sie seit einiger Zeit in der Welt der Influencer: auf Gesundheitsblogs, YouTube, in Lifestyle-Podcasts und in Büchern.


Eisbaden ist in Skandinavien schon lange beliebt und gilt als Wundermittel für ein gesundes Immunsystem und gegen Depressionen im dunklen Winter. Das kalte Wasser soll außerdem zu einer straffen und elastischen Haut führen, die Durchblutung fördern und für einer besseren Verteilung von Sauerstoff sowie Nährstoffen im Körper sorgen.

Kalte Duschen sollen Krampfadern vorbeugen, gegen Stress und Müdigkeit helfen, schnelleres Wachwerdenfördern und für einen guten Start in den Tag sorgen. Sie helfen außerdem, so di Annahme, beim Abnehmen, da das kalte Wasser den Körper entwässert und damit Fettansammlungen vorbeugt. Wissenschaftlich belegt wurde dieser Volksglaube aber erst jüngst. Um die Venen herum verlaufen kleine Muskeln, die sich bei Kälte zusammen ziehen.

Diese Muskeln werden mit der Zeit stärker und stärker, wodurch die Venen gesünder werden und sich die körperliche Anstrengung reduziert, um das Blut hindurch zu pumpen. Im Gegensatz zu warmem Wasser, das den Haaren Feuchtigkeit entzieht, führt kaltes Wasser außerdem zu glänzenderem Haar und weniger Schuppen. Was ist dran an dem Wundermittel kalte Dusche? Ich mache den Test.

Tag 1

Ich habe mich entschieden, das Experiment nach einem Homeworkout zu starten, als mein Körper richtig aufgewärmt war. In der Dusche war ich trotzdem ziemlich angespannt und bin von dem kalten Wasserstrahl erst mal zurückgezuckt. Als ich mich dann ganz unter die Brause gestellt habe, habe ich automatisch die Luft angehalten und musste mich zwingen, meine Muskeln zu entspannen. Dann fand ich es eigentlich sogar angenehm. Trotzdem Schnappatmung. Die konnte ich einfach nicht unterdrücken. Als ich nass war, habe ich das Wasser sofort wieder ausgemacht, das Duschgel dann lauwarm abgespült und mich nur nochmal kalt abgeduscht. Leute, das kalte Abduschen am Ende war schon hart. Kalt Kalt Kalt Kalt Kalt. Aber das Gefühl danach war gut. Ich war wach und voller Energie. Und auch voller Stolz auf mich selbst, es durchgezogen zu haben.

Tag 2

Am zweiten Tag wollte ich versuchen, direkt nach dem Aufstehen kalt zu duschen. Tausche warme Decke gegen Eis. Ich habe versucht, nicht zu viel darüber nachzudenken und einfach zu akzeptieren, dass die Dusche kalt ist. Ich war selten so schnell mit dem Duschen fertig, aber dafür auch hellwach und hatte Energie für den Tag. Während ich sonst in der Ausgangssperre oft den halben Vormittag vertrödele hat mir die kalte Dusche geholfen, produktiv zu werden.

Tag 3

Haarwaschtag. Am dritten Tag habe ich morgens wieder ein Workout gemacht und direkt danach geduscht. Für die Haarwäsche habe ich die Brause abgenommen und nur über meinen Kopf gehalten, dass mein Körper nicht die ganze Zeit das kalte Wasser abbekommt. Den habe ich nur vor und nach dem Einseifen abgebraust und ich war sehr schnell fertig, aber es hat funktioniert und ich habe mich wach und fit gefühlt.

Tag 4

Ich wollte es genauso machen wie am Vortag. Aber es gibt einfach so Tage, an denen gar nichts funktioniert. Ich hatte Muskelkater vom Training und den Sport ausfallen lassen, habe mich im Bett noch gefühlte zehn Mal umgedreht, bevor ich am späten Vormittag aufgestanden bin und konnte mich dann auch nicht zum kalten Duschen motivieren. Müde, bereits am Frieren, noch nicht richtig wach….ich konnte mich einfach nicht überwinden. Cheatday. Aber das ist auch okay. Also eine sehr entspannte warme Genussdusche.

Tag 5

Letzter Tag des Experiments. Am späten Vormittag habe ich das Workout vom Vortag nachgeholt und beschlossen, lauwarm zu Duschen und mich danach eiskalt abzubrausen. Wir Menschen sind darauf konditioniert, das warm Gemütlichkeit und Entspannung bedeutet, kalt aber unbequem ist. Unser Kopf sagt uns: Kalt ist schlecht. Da hilft es auch nichts, das wir rational wissen, wie gut eine kalte Dusche für den Körper ist. Deswegen ist es auch so schwierig, sich unter den kalten Strahl zu stellen.

Aber sich vor dem Duschen so viele Gedanken zu machen, um sich überhaupt motivieren zu können, ist eigentlich Energie- und Zeitverschwendung. Verzögerungen bringen nichts, es hilft einfach zu akzeptieren, dass die Dusche kalt ist. Stellt euch einfach drunter. Kopf aus, Wasser an. Und ein weiterer Tipp: Versucht Schnappatmung zu unterdrücken und konzentriert euch darauf, ganz normal weiter zu atmen. Dann wird’s einfacher.

Fazit

Der Anfang war hart. Eine ziemlich große Überwindung. Aber das Gefühl nach dem Duschen ist es wert. Um sagen zu können, ob das kalte Duschen Haut und Haare schöner macht und die Gesundheit fördert, muss ich das Experiment länger durchführen, das habe ich mir aber bereits vorgenommen. Für mich klappt wechselseitiges Duschen am besten, besonders an Haarwaschtagen. Es geht aber auch mal mit kaltem Wasser. Ich fühle mich nach dem kalten Duschen auf jeden Fall wacher und fitter als nach einer warmen Dusche, da die Durchblutung angeregt wird.

Vor allem nach dem Sport ist es sehr angenehm. Sich zu etwas zu überwinden, das im ersten Moment unangenehm scheint, setzt Endorphine frei und fördert das persönliche Wachstum. Also raus aus der Komfortzone. Das kalte Duschen hat bei mir ebenfalls den Stressabbau gefördert und ich habe mich während des Experiments entspannter und ausgeglichener gefühlt. Cheatdays und Genussduschen zwischendurch sind aber auch absolut in Ordnung. Ein Weiterer Funfact: Mein Wasserbrauch hat sich um ein vielfaches reduziert.

Mehr zum Thema: