Fußballliebe

Seit 25 Jahren gibt es einen SC-Freiburg-Fanclub in Hamburg

Florian Schmider

Rustikale Weinfässer, Vesperplatten und plötzliche Badnerlied-Ausbrüche. Was nach Weinfest im Kaiserstuhl-Dorf klingt, ist die Jubiläumsfeier der Alsterfüchse: des einzigen SC-Fanclub in Hamburg.

Auf 25 Jahre können die anwesenden Mitglieder des selbst betitelten nördlichsten Fanklubs des Sportclub Freiburg im Badischen Weinhaus in Hamburg zurückblicken. Am 6. Oktober 1996 von acht Exil-Freiburgern – zwei Tage nach einer 4:2-Niederlage in Stuttgart und somit dem letzten Tabellenplatz – gegründet, vertreten in der Zwischenzeit mehr als 30 Mitglieder die Farben des Sportclubs in der Hafenstadt. Die überwiegende Mehrheit sind nach Alsterfüchse-Vorstand Kristian Zwerger Exil-Badenerinnen- und Badner, die nun in Hamburg oder direkter Umgebung wohnen. Aber auch ein Saarländer, ein Flensburger und gar sieben in Freiburg wohnende Mitglieder sind dabei. Hierzu gesellt sich auch noch ein erweiterter Kreis aus Fans und Sympathisantinnen und Sympathisanten des SC in Hamburg.

Die Alsterfüchse sehen sich also nicht als klassischer Fanclub mit strengen Verpflichtungen wie dem Besuch aller Spiele, sondern als Anlaufpunkt für Freiburger Fans in der Hansestadt. Hierfür ist zum einen das angesprochene Badische Weinhaus eine wichtige Säule, zum anderen aber vor allem die Kneipe "Schramme", in der sie sich regelmäßig zum gemeinsamen Schauen der SC-Spiele treffen. Dort kann es dann auch mal passieren, dass andere Fans des Sportclubs kurzerhand an den Tisch der Alsterfüchse geholt werden. Diese offene und undogmatische Begeisterung für den SC steht für den Fanclub an erster Stelle.

Die Alsterfüchse fahren zu Auswärtsspielen im Norden

Gelebt wird dies neben der TV-Übertragung der meisten Spiele in der "Schramme" in den Fahrten zu den Auswärtsspielen im Norden, "von denen es ja mittlerweile durch einige Abstiege nicht mehr viele gibt", wie Zwerger zwinkernd anmerkt. Gemeint sind Gegner wie Hamburg, Bremen oder Hannover, dafür fahren die Alsterfüchse aber auch nach Berlin oder zu den Spielen im Ruhrpott. Nach Freiburg schaffen sie es meist nur vereinzelt, selten als Gruppe. Allerdings konnten sie seit ihrem Bestehen zu allen Freiburger Spielen in internationalen Wettbewerben einige Vertreter:innen schicken. Obwohl die Sehnsucht nach Spielen des geliebten Vereins in der Ferne doch groß ist, gibt es keinen Alsterfuchs, der sein Herz auf einen weiteren, nordischen Verein aufgeteilt hat. Einige besuchen zwar Spiele von St. Pauli oder Altona 93, aber die einzige Liebe bleibt dann doch der Sportclub.

Die Alsterfüchse schauen allerdings nicht nur anderen beim Sportmachen zu, sie schnüren auch gerne selbst die Fußballschuhe. Gerade in den 2000er-Jahren haben sie an einigen Turnieren gegen andere Fanclubs teilgenommen. Seit 2015 sind sie gar amtierender "Hamburger Fanclub Hallenmaster" – vielleicht auch, weil der Wettbewerb seither nicht mehr stattgefunden hat, aber so kleinlich will man jetzt nicht sein.

"Bier und Schnaps" per Zoom

Natürlich sind die letzten anderthalb Jahre auch an ihnen nicht spurlos vorbeigegangen, der Stadionbesuch der meisten liegt weit zurück. Die Zeit ohne gemeinsame Aktivitäten vor Ort konnten die Alsterfüchse aber etwa bei "Bier und Schnaps" per Zoom überbrücken, hierzu haben sie sich für vier Abende Gäste eingeladen, mit denen sie über den Sportclub plaudern konnten. Neben dem Torwarttrainer Andreas Kronenberg und der Fanbeauftragten Sabrina Tröller waren auch die beiden Ehrenmitglieder der Alsterfüchse und SC-Legenden Richard Golz und Karim Guédé zugeschaltet. Auch die Freundschaft vieler Mitglieder über den Fußball hinaus habe nach Zwerger geholfen, dass der Kontakt in den letzten Monaten immer erhalten blieb.

Gab es in all den Jahren nie den Punkt, an dem man am Bestehen des Fanclubs gezweifelt hat, so ist Zwerger im Gegenzug ein Moment in besonderer Erinnerung geblieben. Nachdem man fast 15 Jahre lang beim Hamburger SV nicht gewinnen konnte, sorgte SC-Legende Papiss Demba Cissé 2011 für den ersten Freiburger Auswärtssieg gegen den HSV seit der Gründung der Alsterfüchse. "Mal aus dem Hamburger Stadion zu gehen und dann am Montag im Büro zu fragen "Wie hat eigentlich der HSV gespielt?" war schon eine Genugtuung." Generell kommen die Alsterfüchse aber gut aus mit den Hamburger Fußballfans, sind auch mit dem dortigen KSC-Fanclub befreundet und haben generell ein großes Interesse an einem freundschaftlichen Austausch mit den Fans anderer Vereine. 1997 ist man etwa im Sonderzug vom FC St. Pauli mit nach Freiburg gefahren und durfte nach einem 4:0-Heimsieg freundlicherweise auch wieder mit nach Hause.

Freiburger Beschaulichkeit in der Hansestadt

Während den 25 Jahren des Bestehens hat sich das Image des Sportclubs an der Alster merklich verändert. Anfangs noch als der Studentenclub verschrien, der sowieso bald wieder absteigt, gibt es in Hamburg mittlerweile kein Bundesliga-Team mehr. Dafür wird die souveräne Arbeit des südbadischen Vereins im hohen Norden nun überschwänglich gelobt, wenn ein Mitglied der Alsterfüchse einmal im SC-Shirt beim Bäcker in der Schlange steht. Die Bekanntheit des Sportclubs kann dann auch so weit führen, dass Alsterfüchse-Vorstand Zwerger an der Ampel vom Cousin des SC-Spielers Demirovic angesprochen wird. Nach einer kleinen Fußballfachsimpelei bekommt "Demi" dann kurzerhand ein Selfie der beiden geschickt. Freiburger Beschaulichkeit in der Hafenmetropole.