Saftlose City: 40 Minuten ohne Strom

Rolltreppe steht, Bankautomat tot, Kasse außer Betrieb, Licht aus, Fahrstuhl hängt, Ampel schwarz: zwischen 10.50 Uhr und 11.30 Uhr ging in Freiburg so gut wie gar nichts mehr. Für kurze Zeit wurden wir stromlos. Die Auswirkungen haben wir im folgenden dokumentiert (mit kleinem Video und Fotogalerie).



Die Kasse funktioniert nicht, heute wird das alles manuell gemacht", sagt die Verkäuferin im Nici-Laden an der Bertoldstraße. Um 10.50 Uhr gingen hier die Lichter aus, ebenso in der gesamten City.

11 Uhr: Viele Einkäufer in der Kaiser-Joseph-Straße haben das Ausmaß des Stromausfalls noch nicht ganz verstanden. Als zwei Seniorinnen an der Drogerie Müller freundlich abgewiesen werden, wenden sie sich hinüber zum Kaufhof und sagen: "Na, da werde mir vielleicht wenigschtens do neikumme." Aber das einzige, was hier gerade funktioniert, ist die Darbietung des Didgeridoo-Bläsers unter den Einkaufsarkaden. Immerhin: Bei Breuninger liefern Notstromaggregate noch Licht.

Die Straßenbahnen der Linie 2 stehen still, die Bankautomaten spucken kein Geld aus, das Geschäftsleben erlahmt. Ein Mitarbeiter eines Telefonladens an der Kajo sagt: "Wir können den Kunden vieles in Prospekten zeigen, aber sobald es zum Vertragsabschluss kommen soll, brauchen wir den Computer. Wenn da der Bildschirm schwarz ist, haben wir schlechte Karten."



Die Menschen auf der Straße kommen ins Gespräch. "Alles ohne Strom. Wahnsinn!" Die Verkäuferinnen am K&U-Bäckereistand an der Kajo demonstrieren in dieser Ausnahmesituation ihre Belastbarkeit. Sie machen einfach weiter und schreiben die verkauften Posten auf. Später, als der Strom wieder läuft, tippen sie alles nachträglich in die Kasse ein. Das ist eine Ausnahme: die meisten Ladenbesitzer schließen ihre Geschäfte vorübergehend, weil sie die Kasse nicht nutzen können.



"Im Karma Restaurant regt sich das Personal darüber auf, dass es nicht kochen kann und gleich das Mittagsgeschäft beginnt. Am Rotteckring vor dem Theater herrscht Verkehrschaos: da die Ampeln nicht funktionieren, haben die Fußgänger Mühe, sich zwischen den Autos hindurchzuschlängeln. Die Polizisten vom Revier Nord sitzen in ihrem geparkten Auto und schauen sich das in Ruhe an.

Im Haarcafé Francek müssen die Friseure ihre Kundschaft mit nassen Haaren nach Hause schicken, da der Fön stumm bleibt.

Gerüchte allenthalben: "Ha ja, da hat e Bagger auf dem Bakolagelände e Leitung uffgrisse. Hat mir grad einer verzällt, vum Amt." Oder: "Da ist ein Notfall in der Innenstadt, da ist ne Familie mit zwei Kleinkindern im Aufzug steckengeblieben in einem Kaufhaus!"

Im First Reisebüro an der Bertoldstraße lässt sich die elektrische Schiebetür nicht mehr öffnen, so dass die Kunden den Hinterausgang benutzen müssen. In der Niemensstraße klingelt eine Frau verzweifelt an einer Haustüre. Leider öffnet keiner, da die Klingel nicht funktioniert.

Steinzeit auch in der Sparkasse an der Kajo: das Personal wird an die Türen geschickt. Es seien nur noch Beratungsgespräche möglich. Fotos im Inneren seien nur mit Erlaubnis von „oben“ möglich, aber „oben“ kann man mit dem defekten Telefon niemanden erreichen.



Tote Hose an der Schlossbergbahn: Station dichtgemacht, die Fahrkabine steht still. Dafür laufen Schranken und Kartenleser im Parkhaus am Siegesdenkmal einwandfrei. Auch auf der Baustelle am Karlsplatz wird dank Aggregat fleißig weitergeschafft.

Nach der Rumrennerei wollen wir uns einen Döner auf der Zinnen holen. Aber, der Leser ahnt es schon, Fehlanzeige: Der Fleischspieß steht still, nix Kebap. Wird Zeit, dass sich was dreht.

(Dank für das Teaserbild an Macsorzist)



Foto-Galerie: fudder