Reisetipps für Stockholm

Jule Markwald

Im Hipsterviertel SoFo einen "Pastasallad" essen, in den U-Bahnhöfen die Lichtinstallationen bestaunen, im Outdoorclub Trädgården mit schwedischen Promis und Modebloggerinnen abfeiern: Was Stockholm (noch) alles zu bieten hat, verrät uns fudder-Autorin Jule Markwald in ihren Reisetipps:



Übersehene Sehenswürdigkeit

Unter Stockholmern ist Rosendals Trädgård (Rosendalsterrassen 12) schon lange kein Geheimtipp mehr. Die Kreuzung aus Café, Biobauernhof und Blumenzüchterei ist ein beliebtes Ausflugsziel für alle, die einfach mal eine kurze Pause vom Großstadttrubel brauchen. Hipster, Kleinfamilien, Rentner und Geschäftsmänner treffen hier mit Touristen aus aller Welt zusammen.

Gemeinsam sitzt man dann unter Apfelbäumen in den weitläufigen Gartenanlagen, bummelt durch den kleinen Hofladen oder isst eine der leckeren Suppen von der Tageskarte. Sehr Freiburgerfreundlich ist hier auch alles Bio und aus lokaler Produktion. Und selbstgebackenes Brot und fantastisch buttrige Zimtschnecken gibt es auch.

Kaffeepause

Mitten im wuseligen Hipsterviertel SoFo auf Södermalm liegt das kleine aber feine Louie Louie. Das Café in der Bondegatan ist immer gut besucht, besonders im Sommer, wenn man auf den Bänken vor dem Café Platz nehmen darf. Hier gibt es den besten „Pastasallad“ der Stadt – eine typisch schwedische Kreation, bei der ein normaler gemischter Salat einfach mit einer Portion Nudeln unterlegt wird.



Auch den hausgemachten Kladdkaka (ein Brownie-artiger Schokokuchen) sollte man unbedingt probieren. Besonders stolz sind die Schweden auf ihren guten Filterkaffee, den man hier überall gereicht bekommt, bei Louie Louie kommen aber auch Liebhaber von Latte Macchiato und Espresso nicht zu kurz.

Magengrummeln

Wer einmal in den USA war, weiß, wie gut ein Burger schmecken kann. Die Pappe, die man bei McDonald's gereicht bekommt, kann da nicht mal ansatzweise mithalten. Seit der Eröffnung von Flippin’ Burgers müssen Stockholmer sich nun nicht mehr auf die beschwerliche Reise über den Teich begeben, denn was die amerikanischen Burgerbrater von Flippin’ Burgers auf den Teller (beziehungsweise ins Plastikkörbchen) zaubern, ist so unverschämt lecker, dass selbst manche New Yorker Burger nicht mithalten können.



Der Chef des beliebten Etablissements hat das Burgerbrutzeln in den Staaten gelernt, und das schmeckt man nicht nur, sondern sieht es dem Laden im Diner-Dekor auch an. Zu den Stoßzeiten ist es absolut unmöglich, hier einen Tisch zu bekommen, zumal man nicht reservieren kann. Aber wer nachmittags ein Hüngerchen verspürt, sollte sich unbedingt auf den Weg zum Kungsholmens strand 157 machen, um einen Burger und einen der grandiosen Ben&Jerry’s-Milchshakes zu vertilgen.

Als kleiner Bonus sind die Damen und Herren hinter der Theke enorm gutaussehend. Und mit „enorm gutaussehend“ ist hier „enorm gutaussehend“ gemeint!

Fine Art

Fotografiska, das relativ neue Fotografiemuseum Stockholms, zeigt auf seinen enorm großen Ausstellungsflächen gleichermaßen hochkarätige Ausstellungen von bekannten Meistern des Genres und unbekannten Talenten. Direkt am Ufer in Laufweite der U-Bahn-Station Slussen gelegen, kann man bei einem Kaffee im Restaurant im Dachgeschoss des Museum den Blick auf den gegenüberliegenden Vergnügungspark Gröna Lund genießen.



Extratipp

Stockholms U-Bahn beherbergt die längste Kunstausstellung der Welt. In den verschiedenen Stationen gibt es mal Lichterinstallationen, mal Gemälde oder Bildhauerei zu sehen. Einfach einsteigen und Kultur an sich vorbeirauschen lassen.



Die beste Bar der Stadt

Auf der Skånegatan in SoFo gibt es mit Pet Sounds nicht nur den besten Plattenladen der Stadt, sondern auf der gegenüberliegenden Straßenseite auch eine Bar mit dem gleichen Namen. Wer sich also kurz vor Feierabend mit Platten eindeckt, kann sich direkt im Anschluss in der Pet Sounds Bar einen Drink gönnen. Im Erdgeschoss ist ein kleines aber feines Restaurant, in dem verschiedene Burgerkreationen sowie Fish’n’Chips und „Moules Frites“ zu angenehm niedrigen Preisen angeboten werden.

Cocktails mit musikinspirierten Namen gibt es an der Bar im Keller. Dazu legen ausgewählte DJs Northern Soul und Motown auf. Manchmal spielen auch noch unbekannte Bands auf einer Winzbühne des knapp 50 Quadratmeter großen Raumes. Bei solchen Gelegenheiten kann es hier schnell muckelig warm und schwitzig werden.

Der beste Club der Stadt

Trädgården bedeutet auf schwedisch Garten. Einen solchen findet man direkt unter der gigantischen S-Bahn-Brücke am Südzipfel von Södermalm zwar nicht, dafür findet der geneigte Partygänger hier ein Shangri-La der Weggehkultur. Der Outdoorclub ist riesengroß, enthält eine Boulebahn und Ping-Pong-Tische sowie ein eigenes Restaurant und ein Indoor-Areal für die kalten Wintermonate. Hier trifft man schwedische Promis, Studenten, deutsche Au-Pairs und Modebloggerinnen.



Die Musik ist sehr elektrolastig, im Innenbereich gibt es einen HipHop- und R’n’B-Floor, und das Bier ist vergleichsweise günstig. Erfahrene suchen sich direkt einen Platz auf den überdimensionalen Holzstufen im Außenbereich, von denen man den perfekten Aussichtspunkt über den gesamten Dancefloor und die Bar hat. Um hierher zu finden, nimmt man am besten die U-Bahn bis zur Station Skanstull und läuft dann in Richtung Eriksdalsbadet. Ab dort fragt man sich am besten durch, denn der Club-Eingang ist nicht ganz einfach zu finden.

Nachtlager

Ungeübte Schwedenbesucher gehen immer davon aus, dass „da alles so teuer“ sei. Völliger Quatsch, viele Dinge sind auf etwa dem gleichen Preisniveau wie in Deutschland. Hotelzimmer in Stockholm zählen leider nicht zu dieser Kategorie, preismäßig sollte man sich hier an Städten wie London oder Amsterdam orientieren. Wer es also billig braucht, sollte sich am Couchsurfen versuchen. Das Zinkensdamm Hotel und Hostel auf Södermalm ist allerdings ein guter Kompromiss für alle Zielgruppen. Der schöne Holzbau in Laufnähe zur U-Bahn-Station Zinkensdamm ist sowohl Hotel als auch Hostel.

Der günstigere Hostelbereich hat eine große Gemeinschaftsküche und saubere, freundliche Zimmer. Anspruchsvollere Gäste kommen im Hotelbereich unter. Direkt neben dem Hotel liegt der Park Tantolunden, in dem es sich fantastisch spazieren und joggen lässt, und im Innenhof des Hotels können die Gäste mit einem Buch zwischen Rosenbüschen auf Gartenstühlen Platz nehmen. Besonders Alleinreisende kommen hier schnell in Kontakt mit anderen. Hier findet sich immer ein Backpacker, mit dem man sich eine Dose Ravioli teilen kann.

Für Romantiker

Von der U-Bahn-Station Zinkensdamm sind es nur wenige Gehminuten zu Skinnarbacken, einem hoch gelegenen Park am nördlichen Inselrand von Södermalm. Die schroffen Felsen am Rande des Parks bieten einen fantastischen Ausblick über die Altstadtinsel „Gamla Stan“, das Stockholmer „Stadshus“ und den Riddarfjärden. Zwar bläst der Wind hier doch recht frisch, aber bei schönem Wetter lässt es sich hier gut picknicken.



Wer im Sommer nach Stockholm reist, sollte es sich hier in einer der hellen Sommernächte mit einer Flasche Wein und dem Liebsten gemütlich machen. Allerdings ist Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit verboten, also nicht zu offensichtlich mit der Pulle herumwedeln! Wer von der Polizei erwischt wird, muss zwar mit keiner Geldstrafe rechnen, aber die Beamten leeren den Alkohol knallhart aus.

Shop till you drop

Fans von Second-Hand und Vintage werden sich in Beyond Retro besonders gut aufgehoben fühlen. In den drei Stockholmer Filialen gibt es Unmengen an Second-Hand-Kleidung für alle Geschmäcker. Beyond Retro importiert seine Waren im großen Stil aus den USA und Kanada, und das sieht man den Kleidern auch an. Hier gibt es exzentrischen Wahnsinn und Basics, die sonst definitiv niemand trägt.



Die Preise sind größtenteils auf H&M-Niveau, und wer Glück hat, findet hier echte Schätze. Die größte Filiale ist im oberen Teil der Hauptshoppingstraße Drottninggatan auf Kungsholmen, die anderen beiden Filialen sind auf Södermalm auf der Åsögatan in SoFo und der Brännkyrkagatan bei Zinkensdamm.

Meet the locals

Im Sommer halten es die Schweden wie wir Deutschen: Sobald das Thermometer über 10 Grad Celsius anzeigt, hat man draußen zu sitzen. Da kann es sibirisch kalt winden wie es will. Auf Mosebacke bei Slussen kann man genau das zwischen März und September tun. Auch hier gibt es eine Aussicht, die einem die Tränen der Begeisterung in die Augen treibt, außerdem kaltes Bier in großen Plastikbechern und ab und zu eine Liveband. Mit dem schwedischen Starkbier sollte man allerdings vorsichtig umgehen: Nichts macht so ekelhaften und hartnäckigen Kater als die schwedische 5-Euro-Plörre!

Die Tippgeberin

Jule Markwald, 27, hat Skandinavistik und Englisch an der Uni Freiburg studiert und längere Zeit in Stockholm verbracht. Ihre Obsession mit der schwedischen Hauptstadt hat auch nach ihrer Rückkehr nach Freiburg nicht wirklich nachgelassen. Auch deshalb isst sie mindestens einmal pro Monat Köttbullar bei Ikea.

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Fotos: Jule Markwald

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