Reisetipps für Lima (21)

Verena Bruer

Chaos, Hektik und ungeschminkte Straßenarmut. Auf den ersten Blick ist Perus Hauptstadt der Alptraum jedes Westeuropäers. Doch da ist noch die andere Seite. Leben, eine beeindruckende Kulturszene und sogar klimatische Unterschiede in den einzelnen Vierteln. Verena hat mehrere Monate in Lima gelebt und erzählt von den schönen, spannenden und romantischen Ecken dieser faszinierenden Stadt.

"Lima ist die Stadt der wunderbaren Ecken. Wenn du eine findest, sei es das Haus eines Freundes, ein bestimmter Platz, ein Viertel, ein Restaurant, ein Blick aufs Meer...findest du Lima." - Abelardo Sánchez León


Dieser Spruch, in morgendlicher Hektik im Vorbeigehen auf einem Plakat am Straßenrand entdeckt, ließ mich innehalten und lächeln. Es ist wahr. Lima offenbart sich einem nicht auf den ersten Blick. Jedenfalls nicht in der Weise, wie andere Städte dies zuweilen tun. Die Hauptstadt Perus, die gleichzeitig den ökonomischen und politischen Knotenpunkt des Landes bildet, kann einen häufig im ersten Moment schon einmal eher uncharmant vom Stuhl fegen. Chaos, Hektik und ungeschminkte Straßenarmut sind im Zentrum Limas an der Tagesordnung und zwingen einen, sich dem Rhythmus der Stadt anzupassen, wenn man nicht von ihm umgeworfen werden will. Hat man dies aber einmal verinnerlicht, so entdeckt man auch ein ganz anderes Lima.

Der Palacio Nacional und die Kathedrale an der pompösen Plaza de Armas und die Gebäude an der Plaza San Martín sind etwa bei weitem nicht die einzigen architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt – hält man die Augen offen, so sieht man auf allen Wegen immer wieder zum Teil etwas heruntergekommene, aber wunderschöne alte Bauten mit kunstvollen Ornamenten.

Einen Kontrast zur Hektik des Zentrums stellen unter anderem die beiden nebeneinander an den Klippen über dem Meer gelegenen Viertel Miraflores und Barranco dar. Während ersteres mit seinen Parks, Hostels und zahlreichen Ausgehmöglichkeiten ein lebendiger Magnet für junges und internationales Publikum ist, wird Barranco wegen seiner ausgeprägten und eher alternativen Kunst-, Theater und Barszene als das "Bohème-Viertel" Limas bezeichnet.



Insgesamt unterscheiden sich die verschiedenen Viertel der 8-Millionen-Stadt wie Tag und Nacht, was Landschaft, Publikum und (durch die Höhenunterschiede) sogar Klima betrifft. Dies ist ein Faktor, der dazu führt, dass man auch nach monatelangem Aufenthalt noch nicht wirklich von sich behaupten kann, Lima zu "kennen", und der es gleichzeitig wert macht, die Stadt auch außerhalb seiner gängigen Trampelpfade immer weiter zu erkunden.

Springt man dann am Ende eines Tages in einen der der unzähligen "Micros"-Kleinbusse, die auf Handzeichen und kaum länger als 20 Sekunden halten – und fegt zu gutgelaunter lauter Cumbia-Musik quer durch diese graubunte, extrem konstrastreiche Stadt, muss man meistens wieder lächeln... und versteht immer besser das Zitat von Sánchez León.

Die übersehene Sehenswürdigkeit

Von der Plaza de Armas fahren regelmäßig Busse auf den ca. 20 Minuten entfernten Berg Cerro San Cristobal. Von dort oben zeigt sich einem die Stadt in ihrer ganzen Dimension und man kommt unter dem Anblick zum Innehalten – unter anderem angesichts der bis zum Horizont reichenden Armutsviertel. Ein Ausflug, der garantiert einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Beste Bar der Stadt



Am Ende der Calle La Esperanza gegenüber dem Hotel Esperanza in Miraflores liegt ganz versteckt eine wunderschöne Bar: Eca. Es gibt kein Schild an der Tür und man erkennt sie eigentlich nur am Türsteher. Drinnen findet man eine warme Atmosphäre mit lässig-alternativem Publikum, guter Musik und kreativer Einrichtung. Im Keller wird (zu Soul, 80er-Rock, elektronischer Musik und anderem) getanzt.

Für Romantiker



Lima liegt am Meer, wobei zwei Höhenlagen zu unterscheiden sind: Die Strand- und Hafenzonen "unten", sowie der Rest der Stadt, der "oben" auf den Felsen 60 m über dem Meer gelegen ist. Die Viertel Barranco und Miraflores (sowie in Teilen auch San Isidro) werden von einem Weg verbunden, dem sog. Malecón, von dem aus man einen phantastischen Blick über das Meer und die Lichter der weiter entfernten Stadtviertel hat. Man kann hier wunderschön und stundenlang spazieren gehen, picknicken und verweilen. Ebenfalls am Malecón liegt der Parque del Amor, der mit seinen Mosaikbänken an den von Antonio Gaudí entworfenen Parque Güell in Barcelona erinnert und durch seine riesigen innig ineinander verschlungenen Statuen amüsiert und auffällt.

Kaffeepause



Entspannt und kosmopolitisch ist die Atmosphäre im Café Zeta in Miraflores, am Rande des Parque Kennedy. Man sitzt draußen und drinnen an Glastischen oder auf Sandsäcken in buntem surrealistisch-stylischen Ambiente und hat eine große Auswahl an leckeren Cafés, Säften, Salaten, Crèpes und vielem anderen.

Wenn man für zwischendurch nur einmal ein warmes Getränk auf die Hand möchte, kann man sich ruhig an die auf den ersten Blick eher dubios wirkenden "Caliente"-Verkäufer wenden. Diese stehen oft an Straßenecken und köcheln auf kleinen Radwagen aus verschiedenen bunten Naturessenzen eine Art Heilkräutertee, der das Immunsystem stärken soll. Ich habe es ausprobiert, fand's lecker und habe es gut vertragen.

Magengrummeln



Rund um die "Puente de Suspiros" in Barranco finden sich viele kleine Restaurants, die zwar ziemlich touristisch ausgerichtet sind, aber eine breite Auswahl typisch peruanischer Gerichte und teilweise auch Meerblick bieten. Abgelegen davon und mein persönlicher Favorit ist "Pipo" an der Plaza Municipal in Barranco – eine Mischung zwischen Restaurant und Innenhof, spartanisch aber ansprechend mit Holz eingerichtet. Die Preise sind günstig und man bekommt jede Menge unheimlich leckere peruanische (und sonstige) Gerichte. Bei "Rafo", in einer Nebenstraße der Avenida Grau, ebenfalls in Barranco, gibt es gute und sehr günstige Mittagsmenüs in Wohnzimmeratmosphäre. Man sitzt in kleinen Räumchen zwischen Büchern, Antiquitäten und allerlei sonstigem, was man auch direkt käuflich erwerben kann.

Nachtschwärmer



Eine sehr schöne schummerige Bar mit Sofas und kleinen Singer-Songwriter Liveacts ist die "Posada de Angel" in Barranco. Es gibt zwei davon, einmal in der Prolongación San Martin # 1, kurz vor der Plaza Municipal, und eine hinter der Plaza Municipal (letztere ist kleiner und noch etwas gemütlicher).

In der Calle Berlin in Miraflores reihen sich viele Cafés und Pubs aneinander, wo man bei einem Bierchen den Abend verbringen oder beginnen kann. In der direkten Umgebung sind auch diverse Diskotheken (z.B. "Leyendaris" – ein Gay-Schuppen mit hohem Unterhaltungswert, wo man auch als Nicht-Gay hervorragend die Nächte durchrocken kann). Schicker (und teurer) geht es in den Diskotheken des am Malecón gelegenen Einkaufs- und Unterhaltungszentrums Larcomar zu. Konzerte, Theaterstücke, Lesungen, cuenta cuentos (Märchenerzählungen) und allerlei anderes gibt es regelmäßig im Kulturzentrum "La Noche" in Barranco (Av. Bolognesi 307), wo sich ein Blick auf den Veranstaltungskalender immer lohnt.

Theater & Kino

Im Teatro Mocha Graña (Calle Saenz Peña 107, Barranco) werden für geringe Eintrittspreise von jungen Künstlern kreative Theater-, Impro-, Musik- und Tanzdarbietungen inszeniert. In der Parallelstraße gibt es ein kleines alternatives Kino ("El Cinematografo"), das ein buntes, wechselndes Non-Mainstream-Programm an Filmen aus aller Welt bietet.

Unbedingt sehenswert sind außerdem die privaten Darbietungen im Hause von Edgar Guillen. Der heute 70-jährige Schauspieler und Regisseur gibt jedes Wochenende in seinem Wohnzimmer hoch expressive und beeindruckende Vorstellungen von Goethes Faust oder Shakespeares Ricardo III – Guillen spielt dabei alle beteiligten Charaktere selbst. Man klingelt einfach zur gegebenen Zeit an seiner Haustür (jeden Sa und So, 20:00h, Paso de los Andes 1147, Pueblo Libre) und nimmt auf dem Sofa Platz. Der Eintritt ist frei, es wird aber eine Spende erwartet.

Nachtquartier



Ein sehr schönes und gemütliches Hostel ist das "Domeyer" in Barranco. Das Wohnen dort erinnert einen eher an eine große WG als an ein Hotel. Viele Peruaner wohnen hier auch über Monate hinweg, was für eine angenehm vertraute Atmosphäre sorgt, die im Kontrast zu vielen der umliegenden, hauptsächlich auf Backpacker ausgerichteten Hostels steht. Die Zimmer sind bunt gestrichen und haben alle ein eigenes Bad. Die Preise sind ca. 15–20 $ die Nacht, wer länger bleibt, kriegt Rabatt. (Jr. Domeyer 296, Barranco; www.domeyerhostel.net)

Shop till you drop



Jede Menge peruanische Kunst, Kleidung, Schmuck und Mitbringsel findet man in den Mercados Indios in der Calle Petit Thouars, die man am besten vom Óvalo de Miraflores aus in Richtung San Isidro (mit viel Zeit und Muße zum Schauen und Handeln) herunterspaziert.

Zwei kleine Galerien mit handgemachter Kunst und sehr außergewöhnlichen Kleidungsstücken und Accessoires gibt es außerdem in Barranco ("Dedalo" in der Calle Saenz Peña, sowie „Neo Mutatis“ in der Prolongación San Martin 1). Die Preise sind meist hoch, aber manchmal hat man Glück, und es lohnt sich auch alleine schon das Anschauen. Zudem werden in den Galerien gelegentlich auch kleine künstlerische Darbietungen (z.B. Violinkonzerte) gegeben.



Weniger exklusiv und massenhafter geht es wiederum auf den Märkten von Gamarra in La Victoria zu. In dem immens großen und sehr chaotischen Marktviertel werden in an Legebatterien erinnernder Manier teilweise in 14-Stunden-Schichten Textilien verarbeitet. Die Schneidereien liegen meist direkt über den Geschäften und man bekommt Kleider, Stoffe und Accessoires aller Art und viel gefälschte Marken zu Dumping-Preisen.

Eine ähnliche an der Grenze der Legalität entlang balancierende Dumping-Wirtschaft (gelegentlich bezeichnet als Limas "offizieller Schwarzmarkt") findet man im Einkaufszentrum Polvos Azules (Paseo de la Republica, zwei Blocks von der Plaza Grau entfernt). Hier reihen sich unzählige Verkaufsstände aneinander, die teilweise echte, teilweise gefälschte Markenware und haufenweise gebrannte CDs und Filme verkaufen.

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Foto-Galerie

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