Rasenmäherkunst im Stühlingerpark

Philip Hehn

Ungewöhnlicher Anblick am Freitagmittag im Stühlingerpark: Eine Gruppe Männer in Anzügen steckt Messpflöcke in den Rasen. An der Aussichtsplattform am Ende der Blauen Brücke liegt Mähwerkzeug bereit. Nein, hier werden keine Pleitebanker resozialisiert, hier wird Kunst gemacht.

Der Kölner Ralf Witthaus macht schon seit 14 Jahren Landschaftskunst, „Rasenmäherzeichnungen“ nennt er sie. Mit den Linien und Mustern, die er mäht, will er vorhandene Sichtlinien und Landschaftsformen akzentuieren und das „gewisse Etwas des Ortes“ unterstreichen. Hier in Freiburg wird er tatkräftig unterstützt von Mitgliedern der Projekträume plan b (Freiburg) und V8 (Karlsruhe). Im Stühlingerpark mähen Witthaus und seine Helfer Sichtlinienfächer, die von der erhöhten Aussichtsplattform an der Ostseite des Parks und der Kirche ausgehen.

Dafür wird der Bewuchs „bis zum Boden“ entfernt, er regeneriert sich aber innerhalb von wenigen Wochen wieder komplett – ein vergängliches Kunstwerk. „Kunst im öffentlichen Raum soll temporär sein, sonst wird sie leicht zur Zumutung.“

Hermann Heudorfer, beim Garten- und Tiefbauamt der Stadt zuständig für Grünflächen, sieht kein Problem für den Rasen, im Gegenteil. „Es freut mich, dass auch mal was mit der Grünfläche selbst gemacht wird, die oft als selbstverständlich gesehen wird.“



Interaktion mit Anwohnern gehört dazu

Auch auf Anwohnerschutz legt Witthaus Wert, mit Hermann Heudorfer diskutiert er Lärmschutzzeiten, und auch die Nutzung des Parks als Erholungsort wird nicht beeinträchtigt. Die Interaktion mit Passanten und Parknutzern gehört dazu. „Die Leute sind natürlich neugierig, was ich da mache. Deshalb tragen wir auch die Anzüge, vorher wurde ich mal für einen studentischen Aushilfsgärtner gehalten. Mit Anzug wird das ganz anders wahrgenommen. Ich weiß nicht, ob die eigentliche Zeichnung oder mehr der Akt des Zeichnens das eigentliche Kunstwerk ist.“

Trotzdem gibt es gelegentlich Probleme. Manchen Passanten gehen seine Aktivitäten gegen den Strich. „Die meisten Leute sind sehr interessiert, aber ich hatte auch schon jemanden, der den ganzen Tag auf meiner Linie ausgeharrt hat, ohne auch nur aufs Klo zu gehen. Um den musste ich dann herummähen. Eine Frau hat mich mal angeschrieen, sie hätte mit ‚der Politik’ telefoniert, morgen sei ich hier nicht mehr. Das finde ich aber gut, ein Park ist ein öffentlicher Raum, der für alle gleichermaßen da ist, darum soll man auch kämpfen.“

Für Witthaus ist der Stühlingerpark ein vergleichsweise kleines Projekt. In Köln mähte er eine zwölf Kilometer lange Schneise in den Kölner Grüngürtel. Gefördert wird das Projekt - unter anderem – vom Kunstbüro Baden-Württemberg sowie standesgemäß von der Firma Stihl. Die Arbeiten sollen, wenn das Wetter es zulässt, am Samstag abgeschlossen werden.

Mehr dazu:


Was:
Feierliche Eröffnung des temporär neu gestalteten Parks
Wann: Mittwoch, 18. Mai 2011, 18 Uhr
Wo: Stühlingerpark  

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