Social Innovation Lab

Panel: Wie wird Künstliche Intelligenz unseren Alltag verändern?

fudder-Redaktion

Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch – und sie betrifft uns alle. Wie jedes große Thema wirft auch KI große Fragen und Kontroversen auf, denen sich ein Innovationspanel im Mai widmet. Es findet digital statt.

Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht von ihr umgeben sind: Künstliche Intelligenz, kurz KI. Sie begegnet uns bei der Arbeit, beim Reisen, beim Kommunizieren und beim Einkaufen. Welche Probleme kann Künstliche Intelligenz lösen und wo stößt sie an ihre Grenzen? Dieser Frage geht das Innovationspanel des Social Innovation Lab nach. Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis informieren über neueste Entwicklungen und beantworten Fragen, die das Publikum digital stellen kann. Und sie stellen den Pflegeassistenzroboter Lio vor, der bereits im Einsatz ist. Florian Boukal und Philipp Kellmeyer haben das Event mit organisiert.

Das Social Innovation Lab setzt sich mit gesellschaftlichen Herausforderungen auseinander. Beim Event am 12. Mai geht es Künstliche Intelligenz. Was macht das Thema so brisant und geeignet für ein Innovationspanel?

Florian Boukal: Wenn wir an Innovationen denken, denken wir zumeist an technische Innovationen wie etwa Computer oder Smartphones. Diese Innovationen bewirken aber quasi nebenbei sehr oft auch soziale und gesellschaftliche Veränderungen. Sie können die Art unseres Verhaltens und Zusammenlebens enorm verändern. Das Thema Künstliche Intelligenz als Trendthema ist deshalb so spannend, weil hier versucht wird etwas zu schaffen, was mehr oder weniger eigenständig agieren soll und nicht mehr bloß von Menschen bedient wird. Da fragt man sich natürlich: Welche sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen könnten dadurch entstehen und welche Potenziale und Risiken bringt das Thema mit sich? Das Innovationspanel am 12. Mai soll einen Raum schaffen, gemeinsam mit Expertinnen und Experten genau darüber zu diskutieren und positive wie negative Folgen zu reflektieren.
Florian Boukal leitet im Team den Grünhof e. V. und das Social Innovation Lab, das wiederum Teil des Grünhof e.V. ist.

Dr. Philipp Kellmeyer, Facharzt für Neurologie am Universitätsklinikum Freiburg. Dort leitet er das Neuroethics & AI Ethics Lab an der Klinik für Neurochirurgie und ist Research Follow in der Forschungsgruppe "Verantwortliche Künstliche Intelligenz".

Google Maps, Siri und Co – wo im Alltag begnet uns noch KI und was kommt noch alles auf uns zu?

Philipp Kellmeyer: Vielen ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, in wievielen digitalen Anwendungen, Webseiten, Apps und Geräten bereits Ansätze und Programme aus dem Bereich KI drinstecken. Typische Beispiele im Alltag wären Suchmaschinen, Navigationsprogramme, Sprachassistenzssysteme und Empehlungsalgorithmen beim e-Shopping oder Streaming. In anderen Sektoren wie der Industrie oder Finanzwirtschaft werden KI-Algorithmen und -Systeme aber auch bereits großflächig eingesetzt, zum Beispiel für Logistik oder in der Produktion. In Zukunft werden wir, neben der weiteren Ausbreitung im Bereich der Verbrauchertechnologien – dazu zählen Apps oder das Interne – der Industrie und Datenwirtschaft auch einen vermehrten Einsatz von KI im Gesundheitswesen und im Verkehr sehen, beispielsweise bei KI-gesteuerten Fahrzeugen.
"Durch den Datenreichtum der modernen Medizin lassen sich schon heute KI-Systeme entwickeln, die in der Diagnostik und Behandlung von Krankheiten eine wichtige Rolle spielen können." Philipp Kellmeyer

Welche KI-Anwendungen werden am 12. Mai auf dem Innovationspanel vorgestellt?

Florian Boukal: Um einen direkten Eindruck von den Einsatzmöglichkeiten von KI insbesondere im sozialen Bereich zu bekommen, wird es eine kleine Vorführung des Pflegeroboters LIO geben. Er wird aktuell in einer Pflegeeinrichtung der Caritas unter wissenschaftlicher Begleitung der Uni Konstanz getestet. Welche Erfahrungen dabei gemacht wurden, berichten die beteiligten Personen aus Pflege, Wissenschaft und des Roboterherstellers F&P Robotics. Außerdem ist neben Philipp Kellmeyer auch noch Rosmarie Steiniger eingeladen, die mit ihrem Unternehmen Chemistree algorithmenbasierte Matchinglösungen umsetzt und die Bundesregierung zu diskriminierungsfreien KI-Strategie berät.
Es wird also eine sehr spannende Mischung aus verschiedenen Perspektiven zum Thema Künstliche Intelligenz geben.
Was: Innovationspanel: Ethischer Umgang mit KI, Robotik und Co.
Wann: Mittwoch, 12. Mai, 19 Uhr bis 21. 30 Uhr
Wo: Digital (Link und Passwort gibt’s mit der Anmeldung)
Eintritt: 10 Euro je Ticket, 15 Euro je Supporter Ticket für For-Profit-Organisationen und alle, die die gemeinnützige Arbeit des Social Innovation Labs unterstützen wollen
Anmeldung: Eventbrite

Welche potenziellen Anwendungsgebiete für KI-Technologien finden Sie persönlich am aufregendsten?

Philipp Kellmeyer: Als Mediziner finde ich die Anwendungen von KI und damit verbundender Technologien im Gesundheitswesen besonderes spannend. Durch den Datenreichtum der modernen Medizin lassen sich schon heute KI-Systeme entwickeln, die in der Diagnostik und Behandlung von Krankheiten eine wichtige Rolle spielen können. Im Bereich der Kranken- und Altenpflege finde ich auch spannend, inwiefern soziale Roboter für die Versorgung von Menschen in einer ethisch vertretbaren und für die Menschen unterstützenden Art und Weise verwendet werden können.

In der Corona-Krise ist deutlich geworden, wie wichtig digitale Lösungen für die Vernetzung sind. Hat das der KI-Szene einen Aufschwung gebracht? Wo steht die KI-Technologie derzeit?

Philipp Kellmeyer: Die Corona-Krise hat in vielen Bereichen einen deutlichen, oft leider unkoordinierten, Digitalisierungsschub gebracht, in den Schulen aber auch in der Medizin – zum Beispiel bei telemedizinischen Anwendungen. KI spielt dabei bisher eher noch eine untergeordnete Rolle. Allerdings haben sich im Bereich der biomedizinischen Forschung und der Medizin rund um Corona einige sehr spannende Initiativen gebildet, die mithilfe von KI-basierten Methoden helfen möchten, die Pandemie zu bewältigen, sei es auf der Ebene der Forschung zu neuen Therapieansätzen oder auf der Ebene der datenbasierten Modellierung, zum Beispiel über die Ausbreitung des Virus.
Unabhängig von Corona haben auch die letzten ein zwei Jahre wieder spannende Entwicklungen im KI-Bereich gebracht: Algorithmen, die natürlichsprachliche Texte erstellen können, die schwer unterscheidbar von menschlichen Autorinnen und Autoren sind....das sollte unter anderem auch für den Journalismus von großem Interesse sein.

Der Einsatz von KI, Robotern und Technologie polarisiert unsere Gesellschaft. Was sind die größten Ängste im Zusammenhang mit KI und sind sie berechtigt?

Philipp Kellmeyer: Eine weit verbreitete Sorge ist die Automatisierung der Arbeitswelt und damit einhergehende Jobverluste. Ich denke diese Transformation der Arbeitswelt durch digitale Technologien ist nicht neu - denken Sie beispielsweise an die Bedeutung des PCs für moderne Büroarbeit. Allerdings sind KI-Systeme für die Menschen momentan noch sehr abstrakt und nicht so unmittelbar erfahrbar wie die ersten Heimcomputer. KI-Systeme sind oft Softwareprogramme, die im Hintergrund laufen und auf der Ebene der Benutzeroberfläche gar nicht als solche erkennbar sind, zum Beispiel bei der Suchmaschine oder der Navigationsapp.

Beim Einsatz von Robotern in sozialen Situationen, wie der Pflege oder in Bildungseinrichtungen, besteht auch die Sorge, dass es zu einem Verlust menschlicher Interaktionen, Beziehungen und Kontakte führen könnte, die durch die Roboter so nicht zu ersetzen ist. Daher ist es meiner Meinung nach wichtig, dass wir uns im breiten gesellschaftlichen Diskurs über die Rolle unterhalten, die wir solchen Systemen in Zukunft zuerkennen möchten: sollen KI-Systeme und Roboter in erster Linie Werkzeuge sein, die uns bei Entscheidungen und körperlichen Tätigkeiten unterstützen oder möchten wir sie auch als soziales Gegenüber in unsere Gesellschaft integrieren und anerkennen.

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