Debüt

"Otto Normal"-Bassist Emanuel Teschke hat ein Soloalbum veröffentlicht

Stefan Mertlik

Eigentlich spielt Emanuel Teschke den Bass bei der Freiburger Hip-Hop-Band "Otto Normal". Anfang Juni erschien unter dem Künstlernamen "EEEE" sein Solodebüt. Im Interview verrät der Musiker, was es damit auf sich hat.

Viele Musikerinnen und Musiker, die Teil einer Band sind, möchten sich irgendwann im Alleingang beweisen. So auch Emanuel Teschke, der als Bassist von "Otto Normal" zu einer der umtriebigsten Gruppen aus Freiburg gehört. Am 8. Juni hat der 33-Jährige unter dem Künstlernamen "EEEE" das Soloalbum "Comfort Is Yours" veröffentlicht.

Alternative, 80s Pop und Elektro – auf den zwölf Stücken mischt der Multiinstrumentalist die Stile und greift dabei selbst zum Mikrofon. Herausgekommen ist eine so anspruchsvolle wie eingängige Platte. Im Interview mit fudder spricht Emanuel Teschke über die Vor- und Nachteile eines Soloprojekts, das Freiburger Nachtleben und seine Liebe zur elektronischen Musik.

Als Bassist bei "Otto Normal" musst du dich dem Gruppengefüge unterordnen. Hand aufs Herz: Wie gut hat es sich angefühlt, ein Soloalbum aufzunehmen?

Tatsächlich sehr gut. In Bands wird jede Meinung respektiert und dadurch entsteht ein Mischmasch aus Stilen. Ich wollte wissen, was passiert, wenn wirklich nur ich Musik schreibe. Wenn ich in den letzten Jahre Ideen hatte, waren das Skizzen, Melodien, Basslinien oder Textfetzen. Nun musste ich das alleine weiterdenken und ausproduzieren. Mir die ganze Technik beizubringen, war das Anstrengende. Ich musste viel auf YouTube nachschauen und Leute fragen. Das hat mich zu Beginn zwar ausgebremst, war aber auch sehr lehrreich.

Du spielst Klavier, Kontrabass, Schlagzeug, Geige, Gitarre und Bass. Wie leicht fiel dir dagegen das Texten und Singen?

Seit meinem 14. Lebensjahr spiele ich in Bands. Von Anfang an musste ich die Backings mitsingen. Mit der Zeit wurde ich dabei immer sicherer. Was mir zusätzlich Mut gegeben hat, waren Demo-Aufnahmen, die ich für andere Sänger gemacht habe, um ihnen zu zeigen, was ich will. Ich bin zwar nicht Freddie Mercury, aber das Feedback darauf war immer positiv. Beim Songwriting ging es mir um die Melodien. Oft habe ich nachts in Zimmerlautstärke irgendetwas ins Mikrofon gerotzt. Davon haben teilweise Sätze und Wörter überlebt, aus denen die Texte entstanden sind. Viele von den Songs sind offen. Wenn von "you" die Rede ist, denkt man oft, es gehe um eine geliebte Person. Aber vielleicht ist "you" auch das Wetter oder eine Drogensucht. Ich stehe darauf, wenn es so wandelbar ist.



"Comfort Is Yours" klingt sehr elektronisch. Wie kommt das?

Vor zehn Jahren war ich jedes Wochenende in Freiburg tanzen. Die vielen Drum'n'Bass- und Dubstep-Partys waren ein wichtiger Einfluss auf mich, der sich auch auf das Jammen ausgewirkt hat. Im "White Rabbit" haben wir mit der Stammband "Pozilei" häufig mit elektronischen Sounds improvisiert. Diese Liebe zum Elektro hat sich wohl auch auf meine Soloplatte geschlichen.

Auf deiner Website gibt es eine lange Liste mit deinem Equipment. Hast du dir für das Soloprojekt neue Technik gekauft?

Ich musste mir einen neuen Rechner zulegen, weil mein MacBook die Sessions nicht mehr gepackt hat. Außerdem habe ich meinem alten Mitbewohner einen E-Bow abgekauft. Das ist ein elektronischer Bogen für Gitarren. Der bringt die Saiten unendlich lang zum Schwingen. Der Klang erinnert an eine Mischung aus Streicher und Gitarre. Am Anfang von "When You Crushed" hört man das sehr gut.



Die "Pozilei" hast du bereits angesprochen. Du warst auch ein Dauergast bei den "Someday Sessions" im Great Räng Teng Teng. Wie schätzt du die Entwicklung des Freiburger Nachtlebens in den letzten Jahren ein?

Es sind wahnsinnig viele Clubs weggebrochen. Das Ende des "White Rabbit" hat mich besonders geschmerzt. In vielen Gesprächen habe ich versucht, die Gründe dafür herauszufinden. Vielleicht liegt es an Tinder, weil sich die Leute lieber über die App kennenlernen wollen. Einige sagen auch, dass es an den veränderten Studiengängen mit Bachelor und Master liegen könnte, da weniger Zeit zum Weggehen ist. Auch die hohen Eintritts- und Getränkepreise werden häufig genannt. Das ist aber nicht nur ein Freiburg-Problem. Von anderen Städten habe ich ähnliches aufgeschnappt.

Aufstrebende Künstlerinnen und Künstler wie Zweatlana oder die Deadnotes kehren Freiburg den Rücken. Wie schwierig ist es, von hier aus eine Musikkarriere zu starten?

Wahrscheinlich kommt es auf die Musik an. Hier funktioniert Handgemachtes sehr gut. Die Freiburger stehen auf Bands wie "Die Haiducken", "Äl Jawala","Fatcat" und "El Flecha Negra". Ich weiß nicht, ob du hier mit einer krassen Elektro-Band punkten würdest. Natürlich kannst du Freiburg nicht mit Berlin, Hamburg, Köln oder München vergleichen. Mit der Grenznähe zu Frankreich und der Schweiz ist die Lage aber gar nicht so schlecht.
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