fudder-Interview

Organisator der Schwulen Filmwoche: "Wir wollen kein Nischenprogramm sein"

Hannah Köster

Die Schwule Filmwoche läuft bis Sonntag im Schwarzen Kloster. fudder-Autorin Hannah sprach mit Hartmut Stiller, einem der ehrenamtlichen Organisatoren, über schwule Filme, die Freiburger Schwulenszene und seinen Lieblingsfilm des Festivals.

Hartmut, wie lief der erste Eröffnungstag der schwulen Filmwoche?

Es lief überraschend gut. Wir hatten ein bisschen Sorge wegen des Wetters, weil wir ja dieses Jahr Open-Air im Schwarzen Kloster sind, aber es hat nur ein bisschen genieselt und es waren letztendlich sogar um die 70 Besucher da. Also insgesamt ein gelungener Einstieg.

Was ist denn ein schwuler Film?

Das sind Filme, die einen schwulen Handlungsstrang haben oder eine eigene Schwulengeschichte. Was nicht heißt, dass sich der komplette Film nur darum dreht, häufig gibt es auch noch ganz andere Themen, die behandelt werden. Meistens haben wir auch Dokumentationen im Programm. Das sind häufig Berichte aus anderen Ländern, die zum Beispiel von Amnesty International begleitet werden. Leider konnten wir dieses Jahr aufgrund der Kurzfristigkeit keine Doku zeigen.
"Für viele Schwule ist die Filmwoche auch ein guter Einstieg in die Schwulenszene."

Warum laufen bei euch so viele Filme in Originalsprache?

Viele ausländische Filme werden in Deutschland gar nicht gezeigt, dann ist es natürlich schön, diesen Filmen eine Leinwand zu bieten. Zudem sprechen ausländische Filme häufig ein größeres Publikum an. Uns ist es wichtig, international mit Filmen vertreten zu sein und so ein Schaufenster in die Welt zu sein.
Zur Person

Hartmut Stiller, ist Germanist und Historiker und gründete 1998 Historix-Tours, die Stadtführungen mit Schauspielern und Gruselfaktor anbieten. Er arbeitet ebenfalls ehrenamtlich bei der Schwulen Welle bei Radio Dreyeckland und engagiert sich seit 2011 bei der schwulen Filmwoche.

Was ist denn das Ziel der schwulen Filmwoche?

Entstanden ist das alles in den 80ern, als es wenig schwule Filme gab und das Ziel war es, diese Filme mehr in den Vordergrund zu rücken. Inzwischen hat sich der Fokus eher auch auf internationale Filme erweitert, um den Blick auf andere Länder zu lenken, die noch große Probleme mit Homophobie haben. Zudem ist das schwule Filmfest auch eines der großen Ereignisse in der Schwulenszene in Freiburg. Für viele Schwule ist die Filmwoche auch ein guter Einstieg in die Schwulenszene.

Woher bekommt ihr die Filme?

Normalerweise beginnen wir nach Ende der Filmwoche schon direkt mit der Organisation für das nächste Jahr. Wir sind dann das ganze Jahr auf Filmfestivals in Deutschland vertreten und fahren auch jährlich auf die Berlinale, was immer ein Highlight ist. Wir versuchen mit vielen Filmverleihen zu sprechen, um die Filme möglichst schon vor den Deutschlandpremieren zu sichten und meistens haben wir dann um die 150 Filme, aus denen wir unser Programm auswählen.

Wer soll mit der Filmwoche angesprochen werden?

Jeder, der Lust hat. Natürlich sprechen wir eher ein queeres Publikum an, aber tatsächlich haben wir mehr weibliche Besucher. Häufig sind auch einfach Filmliebhaber da, die sich den Film von ihrem Lieblingsregisseur anschauen wollen. Wir wollen auch kein Nischenprogramm sein.



Wie sind die Reaktionen auf die schwule Filmwoche?

Sehr gut, inzwischen gibt einen festen Teil des Publikums, der eigentlich jedes Jahr kommt. Natürlich sind neue Besucher auch immer gerne gesehen und gerade Filme, die entweder von populären Regisseuren kommen oder sonst schon für Aufregung gesorgt haben, ziehen immer ein neues, größeres Publikum mit sich. Zum Teil reisen sogar Menschen extra für die Schwule Filmwoche an, das ist natürlich immer sehr beeindruckend und macht einen stolz.

Wie empfindest du die Schwulenszene in Freiburg?

Wir haben hier natürlich nicht so viele Schwulenclubs- oder Kneipen, wie zum Beispiel Berlin oder Köln. Die schwule Kulturszene in Freiburg ist aber trotzdem nicht schlecht aufgestellt, es gibt viele Schwule Vereine und Partys und die Freiburger Drag Queens, wie zum Beispiel Betty BBQ oder Dita Whip sind sehr beliebt.

Wie habt ihr die Organisation der Filmwoche zu Corona-Zeiten empfunden?

Das war jetzt der dritte Anlauf, die Filmwoche zu planen, letztes Jahr mussten wir es leider absagen und für diese Woche sind wir seit März am Organisieren. Wegen den ganzen Vorschriften und Maßnahmen war es natürlich schwer, in die Zukunft zu planen, weswegen wir dieses Jahr ein deutlich dünneres Programm haben. Normalerweise haben wir so um die 22/23 Filme, dieses Jahr sind es nur 7 Filme und unser Kurzfilmprogramm geworden. In den Vorjahren haben wir auch gerne noch Schauspieler und Regisseure für Diskussionsrunden oder Lesungen eingeladen, aber auch das konnten wir dieses Jahr leider nicht umsetzen.

Hast du einen Lieblingsfilm bei der Schwulen Filmwoche?

Mir hat der Film "Charlatan", der am Dienstag läuft, sehr gut gefallen. Das ist ein tschechischer Film, den ich bereits auf der Berlinale gesehen habe. Er ist für mich als Historiker sehr spannend, da er auf einer wahren Begebenheit beruht. Auch Cicada, der Film, der am Donnerstag gezeigt wird, hört sich sehr spannend an und wurde mir auch schon von vielen empfohlen."

Mehr dazu:

Web
Wikipedia

Sommernachts-Kino
Was: Schwule Filmwoche Freiburg

Wann: 7. Juni – 13. Juni 2021

Wo: Im Schwarzen Kloster Freiburg