Einbürgerungsfeier

"Omas gegen Rechts" erhalten den Freiburger Integrationspreis

Fabian Vögtle

Wie offen und bunt Freiburg ist, zeigt sich bei der Einbürgerungsfeier im Historischen Kaufhaus: Da wurden 544 Neue aus 74 Ländern begrüßt – und es wurde der Integrationspreis verliehen.

"Ich bin unglaublich stolz, jetzt Deutsche zu sein", sagt Elza König. Die in Georgien geborene Russin kam 2003 als Au-pair-Mädchen in eine Freiburger Familie. Sie habe damals richtig Glück gehabt und fühle sich schon lange als Teil der Gesellschaft. Die 36-Jährige studierte Deutsch als Fremdsprache, heute unterricht sie Kinder mit Migrationsgeschichte und ist im Dolmetscherpool der Stadt tätig.


Um den deutschen Pass zu bekommen, müsse man schon sehr geduldig sein, erinnert sie sich an die vergangenen Jahre. Dieses Jahr hat es geklappt, und das feiert sie heute mit ihrem Mann – einem Bobbele – und der kleinen Tochter Christina. Die drei sind nicht alleine im Historischen Kaufhaus. Von den insgesamt 544 Menschen, die 2019 in Freiburg die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben, sind viele mit ihren Familien und Freunden zur Feierstunde, die seit 2007 stattfindet, in den Kaisersaal gekommen.

Darunter ist auch Soma Amin. Sie lebt seit 1997 in Deutschland. Mit ihrer Familie flüchtete sie damals aus dem Irak. Amin hat hier ihr Abitur gemacht, studiert und arbeitet jetzt beim Regierungspräsidium. Einen deutschen Pass bekam die junge Frau bis dieses Jahr nicht, denn sie hat keine Geburtsurkunde. Doch Amin gab nicht auf, hakte nach, beauftragte Anwälte und erhielt nun, nachdem ihr Antrag mehrfach abgelehnt wurde, die deutsche Staatsangehörigkeit – als erste in ihrer Familie. "Das gibt mir auf jeden Fall ein sichereres Gefühl", sagt sie. Nächstes Jahr will sie heiraten; ihr künftiger Mann steht daneben und nickt.

Der Kolumbianer Miguel Ulloa wohnt auch schon ein paar Jahre in Freiburg und fühlte sich von Anfang an wie zu Hause. Jetzt ist er noch einen Schritt weiter gegangen, der sein Alltagsleben zwar nicht von heute auf morgen radikal verändert hat, aber ihm noch mehr das Gefühl gibt, in der Heimat willkommen zu sein. Dafür musste er seinen kolumbianischen Pass im Konsulat in Frankfurt abgeben; kein einfacher Moment. Aber Ulloa hat es bisher nicht bereut. "Jetzt kann ich endlich wählen", sagt er voller Vorfreude.

Der zweite Platz beim Preis ist doppelt besetzt

Um das Wahlrecht und demokratische Werte geht es auch den "Omas gegen Rechts". Vor gut einem Jahr gründeten rund 60 Frauen die Initiative, die mittlerweile 140 Mitstreiterinnen hat. Ihr Auftrag: Gemeinsam in Schulen gehen, um über Demokratie aufzuklären und dort aufzustehen und die Stimme zu erheben, wo rechtes Gedankengut und Rassismus auftauchen. Für dieses "junge, vitale und vorbildliche" Engagement, so Bürgermeister Ulrich von Kirchbach, gab es am Samstag den Freiburger Integrationspreis 2019. "Denn Engagement kennt keine Altersgrenze", sagte von Kirchbach. Die Demokratie sei nicht mehr so sicher, wie man das jahrelang dachte, sagte Gerda Liebner, Gründerin von "Omas gegen Rechts" in der Dankesrede und betonte: "Wir müssen etwas tun."

20 Initiativen, Gruppen und Vereine hatten sich für den achten Integrationspreis beworben. Die Jury, aus Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinderats und des Migrantenbeirats, vergab den zweiten Platz gleich doppelt. So würdigte sie das Engagement von "Refudocs Freiburg", die seit 2015 unbürokratisch medizinische Hilfe für Geflüchtete leisten, sowie des Vereins "Uni für alle". Dort beraten und begleiten Studierende, auch über ein Buddy-Programm, Geflüchtete und helfen ihnen beim Zugang zum Studium. "Wir wollen uns anstrengen, die Mauern weiter abzubauen und für alle zu öffnen, die studieren wollen", sagte Hannah Findenegg vom Verein.

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