Der gute Ton

Oliver Kern hat als "ea Collective" ein Instrumental-Album über die Corona-Krise aufgenommen

Stefan Mertlik

Musik sagt manchmal mehr als tausend Worte. Der Freiburger Oliver Kern hat als "ea Collective" ein Abum ohne Gesang über die Corona-Pandemie veröffentlicht.

Lieder über Corona wurden schon viele geschrieben. Oliver Kerns Ansatz klingt trotzdem anders. Unter dem Namen "ea Collective" hat der Freiburger Architekturfotograf das Album "Cytokine Storm" aufgenommen. Darauf verarbeitet der 44-Jährige die Pandemie mit einer Mischung aus instrumentalem Kraut-, Post- und Psychedelic-Rock.

"Bei instrumentaler Musik gibt dir niemand vor, was du zu denken und zu fühlen hast." Oliver Kern
"Angefangen hat es mit dem wortgewaltigen Begriff Zytokinsturm", erzählt Kern. Zytokine steuern im Körper die Abwehr von Krankheitserregern. Setzt das Immunsystem diese unkontrolliert frei, kommt es zu einem Zytokinsturm. Das kann beispielsweise bei einer Covid-19-Erkrankung geschehen und schwere entzündliche Reaktionen in der Lunge zur Folge haben. Bei Kern habe dieses Wort sofort gezündet, weshalb die musikalische Interpretation nicht lange auf sich warten ließ.
"Cytokine Storm" bei Bandcamp: Cytokine Storm

Mit einer Länge von über zwölf Minuten ist "Cytokine Storm" der Titelsong und das Herzstück der Platte. Weitere Lieder mit Namen wie "Incubation", "Isolation" und "Vaccine" gesellten sich schnell hinzu. Obwohl das Album bereits auf Bandcamp erschienen ist, hat Oliver Kern die Arbeiten daran noch nicht abgeschlossen. Wie Kanye West bei "The Life Of Pablo" tauscht er noch immer Elemente aus und fügt weitere Lieder hinzu: "Wochen später höre ich bereits veröffentlichte Songs und stelle fest, dass eine Snare ein bisschen lauter sein könnte."

Dissonant, hässlich und schräg

Die Stücke auf "Cytokine Storm" funktionieren nicht nach bekannten Pop-Mustern. Stellenweise sei die Musik "chaotisch", gibt Kern zu. Wenn er keinen finalen Refrain hat, woher weiß er dann, dass ein Lied fertig ist? "Wenn ich keine Lust mehr habe, daran weiterzumachen", scherzt er. Seine Alben bezeichnet der Freiburger als "Soundtrack zum Kopfkino". Deshalb könne es schon einmal dissonant, hässlich und schräg klingen. Das sei aber alles notwendig, um das Ziel zu erreichen.



"Bei instrumentaler Musik gibt dir niemand vor, was du zu denken und zu fühlen hast", sagt Kern. Ohne von einem Text beeinflusst zu werden, können die Hörerinnen und Hörer die Stücke selbst interpretieren. Was besser oder anspruchsvoller ist, möchte Kern nicht beurteilen. Jeder Mensch hört die Musik, die ihm gefällt. Früher habe auch er Stücke mit Gesang aufgenommen. "Ich war damit aber nie zufrieden", blickt Kern zurück und fügt hinzu: "Instrumentalmusik fühlte sich deshalb sehr befreiend an."

Rund ein Dutzend Alben veröffentlicht

2017 gründete Kern das "ea Collective" als Ein-Mann-Projekt. Nach und nach beteiligten sich aber auch wechselnde Gastmusiker an den Liedern. Auf Bandcamp hat er bereits ein gutes Dutzend Alben veröffentlicht. Unter seinem bürgerlichen Namen nimmt Oliver Kern zudem rein elektronische Instrumentalmusik auf. In einem Stück wie "Vaccine" bringt er diese Elemente aber auch bei "ea Collective" unter. Die erste Version seines aktuellen Projekts "Cytokine Storm" erschien am 11. Mai mit nur einem Song. Mittlerweile besteht die Veröffentlichung aus sieben Stücken.

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