Nightlife-Guru: DSDS-Casting auf dem Kartoffelmarkt

Nightlife-Guru

Plötzlich war Dieter Bohlen dann doch da! Allerdings nur in 2-D: mit verzerrter Visage auf dem DSDS-Truck. Das tat dem Andrang der Möchtegern-Superstars von Morgen aber keinen Abbruch. Klar, dass unser Nightlife-Guru sich unter das Casting-Volk gemischt hat. [Mit Foto-Galerie!]



Vor dem Truck

An einem Absperrband laufen zwei Security-Männer wie in einem zweidimensionalen Jump'n'Run-Spiel Machart Game Boy auf und ab. Allerdings sehen sie aber eher harmlos aus. Den Überblick haben die Frauen, die mit Klemmbrett und Kuli bewaffnet die Kandidaten von Pontius zu Pilatus schicken.



Inneneinrichtung & Deko

Deko spielt hier kaum eine Rolle. Sie beschränkt sich auf die malerische Kulisse des Freiburger Kartoffelmarkts und den Truck selbst, auf dessen Windschutzscheibe überdimensional und verzerrt Dieter Bohlens Fresse prangt: „Ich will dich!“ verkündet der Solarstudio-Aficionado. Zwei Zelte, ein Sonnenschirm - das war's. Und wenn die Tür dann doch mal aufgeht, sieht man auch nichts. Gähn! Ob die zwei abgestellten schwarzen Vans mit verdunkelten Scheiben für Nervenkitzel sorgen sollen? Klappt nicht, wissen wir doch, dass Dieter heut' nicht da ist ...  

Wer war am Start?

Wie gesagt: Dieter Bohlen schon mal nicht. Dabei haben sich doch alle sooo schick gemacht: Die Jungs mit üppig begelten Haaren, Silberkettchen und Handy am Ohr; die Mädchen mit Handtaschen und einer mutigen Portion Schminke. Gut, dass noch Schulferien sind: Die meisten sind unverkennbar U18.  

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Par-ty-atmo-sphä-re?? Naaa jaaa ... Eher ein endloses Warten und Rumstehen. Einer tut so, als ob er Tina Turers All-Time-Classic „What's Love Got To Do With It?“ singt; abgesehen  davon hört man aber fast niemanden Last-Minute-Proben. Stattdessen überall Gesprächsfetzen in den verschiedensten Sprachen. Das DSDS-Casting als Multikulti-Treff: „Wo kommst du her?“ - „Aus Deutschland.“ - „Und wo noch?“ - „Aus Portugal.“ - “Ah, cool.“ Unmöglich abzuschätzen, ob jemand eine lange Anreise hatte oder nicht.

Plötzlich: tosender Applaus, Gejohle und Gepfeife. Giovanni hat's geschafft!

 

Catering & Getränke

 
Zu essen und zu trinken gibt es nichts. Die Kandidaten haben schließlich auch Besseres zu tun, als sich mit solch prophanen Dingen aufzuhalten. Freunde und Fans haben sich Vesper mitgebracht oder verkürzen sich die Wartezeit - wenn sie schon dürfen - mit einer Zigarette. Passanten bleiben mit dem Snack vom Bäcker auf ihrem Weg von A nach B mampfend stehen. Manche schauen belustigt, die meisten aber eher skeptisch bis grimmig. Gegen 15 Uhr erfasst die Organisatoren ein Fast-Food-Tsunami: Yufka, Pizza und To-Go-Salat werden eifrig hinter dem Absperrband verzehrt.

Aufregerle

Die Aufregung bleibt den Kandidaten überlassen. Allerhöchstens lästig sind vielleicht noch die beiden Security-Männle, deren Aufgabe darin besteht, Leute daran zu hindern, das Absperrband zu berühren oder Fotos- und Filmaufnahmen zu machen. Da fast jeder ein multifunktionales Handy mit Kamera besitzt, haben sie jede Menge zu tun - und wirken dabei eher lächerlich. Denn es ist und bleibt nur ein zartes Absperrungsband, das sie bewachen! (Jedenfalls für den Außenstehenden.) Und jenseits dieses Bandes befindet sich immer noch der Kartoffelmarkt, der 9. September und - immer noch - kein Dieter Bohlen!  

Aufheiterle

Kurzes Schmunzeln, als ein Kandidat nach seinem erfolgreichen Auftritt im Truck nochmal vor versammelter Mannschaft eine Gesangprobe gibt und ein Mädchen darauf zickig erwidert: „Warum kommt DER weiter?“

Auf dem Brunnenrand treffen wir Jonathan und Carlo, die heute für das Casting aus Frankreich nach Freiburg gefahren sind. Sie wollen ihren Freund unterstützen. Der treibt sich aber ganz woanders herum. Jonathan und Carlo hingegen genießen die Sonne, die nur sie selbst zu sehen scheinen.  

Fazit

Der Truck kam, ist da und wird wieder fahren. Aber viel mehr als ein paar aufgeregte Kandidaten und ein paar neugierige Passanten hat dies nicht berührt. Die Welt wird sich auch nach diesem Casting weiterdrehen. Und vielleicht werden wir Giovanni, Simon oder einer der anderen Helden des Tages im Fernseher wiedersehen.

Jenny, 18,
zukünftige Bäckereichfachverkäuferin aus Freiburg:



„Ich habe 'You Know I'm Not Good' von Amy Winehouse gesungen, bin aber leider nicht weitergekommen. Ich weiß nicht, ob ich so etwas nochmal machen würde. Erst mal mache ich jetzt meine Ausbildung fertig.“

Patrick, 23,
Sachbearbeiter in einem Supermarkt aus Freiburg:



„Ich bin nicht nervös. Noch nicht. Ich war auch schon bei den Castings von Popstars, X-Factor und The Voice. Ich werde es solange weiterprobieren, bis die richtige Jury dabei ist. Ich singe heute 'Dance With My Father' von Luther Vandross. Bis heute Morgen wusste ich noch nicht mal, wie man den schreibt. Egal. Hauptsache der Text sitzt. Wenn ich heute weiterkomme, wird gefeiert. Dann stoßen wir auf jeden Fall an. Aber nicht zu lange. Morgen muss ich arbeiten.“

Axel, 16, aus Breisach und Melody, 21, aus Karlsruhe



Axel
: „Ich singe heute 'Stand By Me' und George Michael - und vielleicht noch Michael Jackson.“

Melody
: „Ich bin spontan hierher gekommen. Eigentlich machen wir heute einen Ausflug. Ich weiß auch noch nicht, ob ich vorsinge, ich steh jetzt einfach mal an. Keine Ahnung, was ich singe. Ich war schon mal bei DSDS beim Casting und bei Popstars - da war ich sogar im Recall (verdreht die Augen). Aber die haben mich zu oft umgepolt. Erst war ich Tänzerin, dann Sängerin, dann wieder Tänzerin und dann bin ich rausgeflogen, weil ich falsch getanzt habe. Ich will auch nicht immer nur Balladen oder Soul oder so singen. Ich möchte was Eigenes machen, da soll mal etwas Außergewöhnliches kommen. Und außerdem will ich zeigen, dass nicht alle aus Karlsruhe verpeilt sind.“

Giovanni, 17, 100% Napoletano aus Freiburg:



„Ich habe 'California King Bed' von Rihanna, 'Spiderman' von Michael Bublé und 'Listen' von Beyoncé gesungen. Mit 'California King Bed' waren sie zufrieden, aber Michael Bublé soll ich eher nicht singen. Ich bin voll glücklich, dass ich weitergekommen bin, weiß aber noch gar nicht, was jetzt kommt. In Stuttgart singe ich vor Dieter Bohlen. Ich hoffe, ich kann ihn überraschen.“

Simon, 17, aus Göppingen



„Ich war innerhalb einer Woche jetzt dreimal beim DSDS-Casting: in Stuttgart - da hab ich's verkackt -, in Nürnberg - da hab ich's auch verkackt - und jetzt in Freiburg. Hier bin ich jetzt weitergekommen. Aber hier war auch eine andere Jury. Ich glaube, daran lag das. Meinen Eltern hab ich gar nichts davon gesagt, denen habe ich erzählt, ich würde an den Bodensee fahren. Ich habe 'Run' von Leona Lewis gesungen und musste dann noch tanzen. Ich habe denen erzählt, ich kann tanzen, obwohl ich das gar nicht kann. Aber die Jury hat gesagt, ich bin witzig, interessant und laut.“

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