Music-Star(t)-Contest 2008: Überraschungssieg für Libido Froid

Gina Kutkat

Acht Bands aus Südbaden, sechs Stunden Musik und drei Plätze auf dem Siegertreppchen: das Finale des Music-Star(t)-Contest 2008 im Stadthaus in Neuenburg entpuppte sich als wahrer Band-Marathon. Von Favoriten, Außenseitern und Überraschungen eines spannenden Abends erzählt fudder-Autorin Gina.



Music-Star(t)-Contest, das steht seit vier Jahren für eine tolle Atmosphäre, gute Organisation, spannende Bands und ein großartiges Publikum. Am Samstagabend wurde der Sieger des Music-Star(t)-Contest 2008 in der Stadthalle in Neuenburg ermittelt. Definitiv ein Highlight in der regionalen Musikszene, das sich die Wenigsten entgehen lassen. Schon um kurz vor sieben standen die Fans auf dem Rathausplatz und warteten auf den Beginn der Show.

Mit großen Entertainment-Qualitäten beginnt der Nachwuchs-Wettbewerb mit der Band Fuzz aus dem benachbarten Müllheim. Funk und Jazz haben die Jungs versprochen, Funk und Jazz schütteln das frühabendliche Publikum ganz schön durch. Was für ein Opener! Musikalisch top: ein slappender Bassist, ein Gitarrist, dem die Liebe zu seinem Instrument anzusehen ist und ein Sänger, der zwischen Keyboards und Mikro hin-und herspringt und mit Scatman-und Beatboxeinlagen glänzte.



Dann Irie aus Freiburg. In ihrer Bühnenpräsenz und ihren Ansagen zurückhaltender, wirken die Jungs anfangs noch ängstlich. Mit Indie-Riffs und den beiden Frontmännern Chrissi und Jossi springt auch hier der Funke zum Publikum schnell über. Gesanglich gehören die beiden eher zu den schwächeren Sängern des Abends. Dies reißen sie jedoch geschickt mit ihren Melodien und schrammelnden Gitarren raus.



Einen weiten Weg haben Honeybrawl aus Pforzheim zurückgelegt. Die Selbstverständlichkeit des neuenburgischen Publikums, auch diese unbekannte Band tatkräftig zu unterstützen spiegelt sich auf der Bühne wieder: drei rotzfreche Punk-Popper an Bass, Gitarre und Drums legen -  zwar nicht immer ganz sauber - ein Tempo vor, dem sie selbst zeitweise nicht hinterherkommen und danken für die positive Resonanz. Mit zweistimmigen Harmonien und dreckigen Riffs erinnert das Trio an Itchy Poopzkid.



Ein 30 minütiges Rock-Blues-Revival gibt es mit der Band Flashing Rones aus Tuttlingen. Hier sind nicht nur die Doors-Rolling Stones -T-Shirts und die Hendrix-Hommagen auf der Bühne Retro. Das Problem dieser Band ist eindeutig ihr nicht genutztes Potential. Die einzige Frau des Abends spielt zwar ein bißchen Geige, vorallem spielt sie aber die zweite Geige. Nur einmal zeigt sich, mit welcher Goldstimme sie gesegnet ist. Vermutlich ist man sich bandintern noch nicht einig, wer in der ersten Reihe stehen darf. Musikalisch ansonsten einwandfrei.



Nach der Halbzeit die er"froi"lichen Libido Froid aus Meersburg. Das ist mal etwas anderes! Nämlich funkiger Deutsch-Grunge-Pop auf hohem Niveau mit skurrilem Gesang, der teilweise in Geschrei ausrutscht. Sänger Matthias König schüttelt seine eher gewöhnliche prä-performende Erscheinung mit den ersten quietschenden und zottelnden Tönen ab und schlüpft in die Rolle des durchgedrehten Entertainers, der das Publikum ansteckt. Musikalische Kompetenz gekoppelt mit einer frischen Portion Show und mutigen Songs.



Danach erstürmen die Piraten die Bühne. Beim Auftritt der Jacuzzi Pirates ist alles kurz, zackig und überschnell: die Drums und Riffs, der explosive Gesang und selbst die Bühnenansagen. Ihre Post-Punk-Songs der Marke Billy Talent kommen beim Publikum gut an - leider jedoch nicht ohne kleine musikalische wie technische Pannen aus. Trotzdem gehören die Jacuzzi Pirates mit ihrer energischen Show und einem charismatischen Frontmann zu den Favoriten des Abends.



WIR sind gut, denn sie haben einen großen Schritt nach vorne gemacht. Von ihrer gerade beendeten Deutschlandtour kommen sie gereift und weiterentwickelt zurück. Die Band um Sänger und Songwriter Nico präsentiert sich als ernsthafter Mitstreiter im Rennen um den ersten Platz. Ihr Auftritt beim Rampe 08 Wettbewerb wurde noch als "Enttäuschung" abgetan, doch WIR sind ab diesem Abend alles andere als belanglos. Mit neuen Songs und einem neuen Drummer geht es gleich ein bißchen rockiger zur Sache. Auch gesanglich gehören WIR zu den Besten. Und das Frontmann Nico dafür geboren ist, um auf der Bühne zu stehen und zu rocken, ist eine Tatsache.



Das Härteste zum Schluss: Sleeping Rage erwecken die Metaler im Publikum. Ihre Horde von Fans aus Schluchsee hat sich schon früh mit "Sleeping Rage"-Gesang bemerkbar gemacht. Aggressiv, laut und Haare schüttelnd. Sie haben ihre Sache gut gemacht. Nach sieben Bands ist die Musik von Sleeping Rage dann etwas nervtötend. Nicht ohne sich noch  - ganz metal-like - bei ihren Sponsoren aus Titisee-Neustadt für den Fan-Bus zu bedanken beenden sie den Abend.



Die Siegerehrung sorgt für überraschte und verdutzte Gesichter im Publikum. Die Jacuzzi Pirates belegen nur den zweiten Platz, Fuzz gewinnen die Bronzemedaille und der Gewinner ist Libido Froid aus Meersburg.

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