Corona-Pandemie

Meine Oma und ich

Marie Schweizer

Marie Schweizer ist 16 Jahre alt und wohnt zusammen mit ihren Eltern und ihrer Großmutter in einem Haus in der Nähe von Freiburg. Sie berichtet für fudder, wie sie nun mit ihrer 84- jährigen Oma umgeht.

Viele Familien müssen sich seit gut einem Jahr auf immer neue und herausfordernde Situationen einstellen. Neben den eigenen Problemen im Alltag kommt häufig die Frage auf, was tun mit den Großeltern? So ist es auch bei uns: Ich lebe mit meinen Eltern und meiner Großmutter in einem Haus. Meine beiden erwachsenen Schwestern leben in Hamburg und Valencia.

Angefangen hat alles vor knapp einem Jahr. Meine Eltern und ich haben meiner Oma erstmal erklärt, was Corona überhaupt ist und was wir nun beachten müssen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir die verwirrende und neue Situation jedoch selber noch nicht ganz erklären.

Bachelor gucken mit Oma

Sofort hat meine Mutter begonnen, für sie einzukaufen, damit nicht mehr die Gefahr für sie besteht, im Geschäft angesteckt zu werden. Es ist mühsamer aber natürlich das Vernünftigste.
Meine Oma gehört schon immer zu denen, denen es Freude bereitet, den neuesten Dorfklatsch zu erfahren, in die Kirche zu gehen und einfach selber einzukaufen. Als diese ganzen Aktivitäten nach und nach gestrichen wurden, war das für sie sehr schade. Jedoch ist meine Oma auch als leidenschaftliche Serienguckerin bekannt und kann sich gut selbst beschäftigen. Beispielsweise kann man einen Abend entspannt mit Bachelor verbringen und danach darüber diskutieren.

Zwischen mir und meiner Oma, die mich sonst immer herzlich umarmt, war nun trotzdem eine durchsichtige Mauer, die uns nicht gefiel, die wir jedoch akzeptieren mussten. Die normalen Mittage mit Kaffee und Kuchen und einer Spielerunde wurden eingestellt.

Meine Familie und ich versuchten uns jedoch trotzdem draußen in unserem Garten mit Abstand zu treffen und etwas Abwechslung in den eintönigen Alltag von uns allen zu bringen.

Das große Weihnachtstreffen fiel aus

Vor Weihnachten kamen neue Veränderungen dazu. Normalerweise ist für die Weihnachtstage eine Verabredung bei den Verwandten geplant und meine Oma freut sich immer sehr, alle Enkel wiederzusehen. Dieses Mal ließen wir das Treffen ausfallen.
Bevor wir, als kleine Familie, sie zu unserem Weihnachtsessen einluden, machten wir alle einen Corona-Test in einer Praxis. Auch meine Schwestern, die zu Weihnachten extra anreisten, mussten sich darum kümmern. Wir freuten uns nun, sie endlich sorgen- und angstfrei, wenn auch nur für eine kurze Zeit, bei uns zu haben.

Mittlerweile haben wir uns zwar alle an die Situation gewöhnt, aber es macht uns immer noch traurig, unsere Großmutter so isoliert zu sehen und nicht wirklich etwas dagegen tun zu können. Zum Glück telefoniert sie schon immer sehr gerne und stundenlang und wir staunen, wie sie aktuell teils dreimal am Tag mit ihren Freundinnen über alles Mögliche spricht. Auch alte Familienfotos wurden wieder entdeckt und lachend mit uns gemeinsam angeschaut.

Mehrere Versuche, bis der Impftermin stand

Anfang des Jahres kam durch die nun möglichen Impfungen ein Lichtblick. Sofort versuchten wir, einen Termin für unsere Oma zu organisieren, wobei dies mehrere Versuche und Tage benötigte. Endlich war es geschafft und am Samstag bekam sie ihre erste Impfung, nach der hoffentlich wieder alles etwas entspannter wird. Sie hat sich sehr darauf gefreut – zur Feier des Tages hat sie eines ihrer schicksten Outfits angezogen. Obwohl sie das auch schon tut, wenn sie sich vor den Fernseher setzt und Gottesdienste schaut.