Dating-Show

Meine Meinung: Ein kleines bisschen Emanzipation beim Bachelor

Anika Maldacker

Beide Bachelor-Kandidatinnen aus Freiburg haben Sebastian einen Korb gegeben. Damit haben sie in einer sexistischen TV-Show, in die sie sich selbst hineinmanövriert haben, ein kleines feministisches Zeichen gesetzt.

Der Begriff "Feminismus" ist wahrscheinlich der letzte, den man mit der Dating-Show "Der Bachelor" verbinden würde. Ein Mann, 22 Frauen, die er sich nach Gusto zum Daten bestellen kann – das erinnert mehr an einen Pizza-Lieferdienst als an Dating auf Augenhöhe. Aber selbst im engen RTL-Drehplan-Korsett und in der Nähe des Macho-Sensibelchens Sebastian Preuss, kann ein feministischer Funken aufblitzen – so wie bei Folge 6 der Reality-Show, die am Mittwochabend gezeigt wurde.


Denn nachdem die Freiburger Kandidatin Jenny Schneider schon in Folge 2 aus der Villa abhaute, weil der Bachelor Sebastian zwar schön sei, "aber das gewisse Etwas" nicht habe, wie sie sagte, hat nun auch Vanessa Guida aus Weingarten den Abgang gemacht. In Folge 6 erklärte sie "Basti" in einer persönlichen Videobotschaft, dass ihr die kurze Zeit nicht reiche, um sich in ihn zu verlieben.

Die zwei Freiburger Bachelor-Kandidatinnen, Jenny Schneider und Vanessa Guida, haben in der mexikanischen Villa damit ihren Standpunkt vertreten. Beide haben aus eigenen Stücken ihre Taschen gepackt – anstatt darauf zu warten, bis Bachelor Sebastian sie mit einer Rose bedenkt.

Selbstentziehungen sind kleine Rebellionen

Diese beiden selbstgewählten Abgänge sind ein kleiner Lichtblick in der sexistischen Dating-Show. Eine Show, in der ein Kerl Frauen sofort abstraft, wenn sie sich seinem Willen widersetzen, nicht oft genug lächeln oder zu nah am Wasser gebaut sind. Mit einem Mann, der drei verschiedene Frauen wie Fließband-Ware innerhalb weniger Stunden am selben Ort datet. In einer Show, wo volljährige Frauen meistens nur "Mädels" oder "Ladies" heißen. Mit einem Kerl, der Frauen erst dann richtig kennenlernen kann und will, wenn er mit ihnen rumgeknutscht hat. In einem Format, wo Frauen (auch Vanessa hat mitgemacht) eine Hexenjagd auf eine andere Frau beginnen wollten, weil sie ein paar wahre Prophezeiungen angestellt hat.

In diesem Umfeld sind Selbstentziehungen wie die von Vanessa und Jenny kleine Rebellionen. Sie bedeuten: "Ich bleibe nicht in dieser Villa sitzen und warte, bis du mich zum Date herkutschieren lässt, sondern entscheide selbst, wann es reicht." Sie sind gewissermaßen die einzige und konsequenteste Absage an das Macho-System dieser Show.

Ob es den Frauen selbst auch um so ein feministisches Zeichen geht? Schwer zu sagen, denn wie die vergangenen Staffeln des Bachelors gezeigt haben, steht die Liebe bei der Kuppel-Show selten im Vordergrund. In 9 Staffeln gab es nur ein Paar, das bis jetzt zusammen ist – das Paar aus dem vergangenen Jahr. Den Teilnehmern, sowohl dem Bachelor als auch den Kandidatinnen, geht es oft auch um eigennützige Kriterien wie mehr Reichweite in den Sozialen Medien und ein höherer Bekanntheitsgrad, der für die Teilnahme an ähnlichen Shows qualifiziert. In einer Show, in der ein Mann aus 22 in eine Luxusvilla gesperrten Frauen auswählen darf, ist es schwer, sich als emanzipierte Frau zu zeigen, zumal die Frauen schon wegen ihrer Teilnahme abgestempelt werden. Aber ein selbstgewähltes Ausscheiden ist eine der einzigen feministischen Handlungen, die man in diesem Umfeld machen kann.

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