Gleichberechtigung

Meine Meinung: Das Klischee der alles könnenden Mutter ist unfair

Anika Maldacker

Immer lächelnd, mit Wischmopp, Kleinkind und Laptop: Eine Muttertagsaktion im Freiburger Zentrum Oberwiehre empört einige Kundinnen. Denn dort wird ein unrealistisches Frauenbild vermittelt.

Ein Strauß Rosen? Ein hübsches Abendessen? Ein Gutschein zum Spülmaschine-Ausräumen? Oder was darf es sonst Kreatives zum Muttertag am nächsten Sonntag sein? Das Zentrum Oberwiehre (ZO) hat eine eigene Aktion zum Muttertag ausgetüftelt, die nicht bei jeder Mutter der Stadt gut ankommt: "Powerfrauen" können sich am Samstag im ZO als Super-Mama fotografieren lassen. Die Aktion wird mit einer Grafik angekündigt, die eine topgestylte Frau mit sieben Armen zeigt. Damit hält sie Pfanne, Baby, Wischmopp, Smartphone am Ohr, Einkaufstüte, Putzmittel und sogar einen Laptop. Sie lächelt glücklich und auf ihrem T-Shirt steht "Super-Mama".

Eine Leserin ist empört: "Das suggeriert, wenn du als Frau nicht alles gleichzeitig hinbekommst und dabei auch noch gut gelaunt und sexy aussiehst, bist du nicht gut genug." Tatsächlich wirkt die Darstellung im 21. Jahrhundert, in dem Männer reihenweise in Elternzeit gehen, bizarr. Aber vielleicht auch nicht, wenn man bedenkt, was das höchste US-Gericht in Sachen Abtreibungsrecht beschließen will.

Die Center-Managerin des ZO sieht die Sache anders: "Man kann es nicht jedem recht machen." Das stimmt. Die Gesellschaft sollte daher auch Frauen und Müttern zugestehen, es nicht allen recht machen zu müssen. Das Klischee von der Baby, Wischmop und Laptop jonglierenden Mutter, die super aussieht, mag charmant gemeint sein. In Wahrheit ist es gemein – und ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die mit diesen hohen Ansprüchen hadern.