Porträt

Manuel Maier ist seit November täglich als Seifenblasenkünstler in Freiburg aktiv

Anika Maldacker

Ob Minusgrade oder Sonnenschein: Der Freiburger Manuel Maier erfreut Kinder seit Novomber in der Innenstadt mit Riesen-Seifenblasen. Damit will er Kleinen helfen – und sich selbst.

Kaum breitet er sein Seifenblasengeschirr auf dem Platz der Alten Synagoge aus, stehen die Kinder im Umkreis schon bereit. Wenn Manuel Maier die Schnüre dann in den kleinen roten Eimer tunkt und die Blasen über den Platz tanzen, ist das Geschrei groß. In kurzer Zeit rennt ein halbes Dutzend Kinder den riesigen Blasen hinterher und quietscht vergnügt und zerklatscht die Blasen.

Seit November, erzählt der 37-jährige Manuel Maier, blubbert er mindestens einmal am Tag auf dem Platz der Alten Synagoge, im Seepark oder im Stühlinger Seifenblasen. Bei Minusgraden oder Sonnenschein. Manchmal geht er sogar drei Mal am Tag der selbst auferlegten Pflicht nach. Seine Gründe sind einerseits spiritueller Natur, andererseits seiner Leidenschaft, Kindern eine Freude zu machen, geschuldet. "Bei mir schwingt schon immer der Clown mit", sagt Manuel Maier. Das merkt man, wenn er an einem Sonntagnachmittag am Seepark steht und mit einer schrägen Grimasse "Abstand" vor einem guten Dutzend Kinder kreischt. Den Ausruf parodiert und überspitzt er zwar, aber natürlich spielt auch für ihn Infektionsschutz eine Rolle.

Leidenschaft soll eines Tages zum Beruf werden

Die meisten seiner Begegnungen auf der Straße sind erfreulich, aber nicht alle. Neben Applaus, Kinderlachen und einem Klirren im Hut, hat er auch schon einen Faustschlag ins Gesicht abbekommen oder einen unberechtigten Griff in den Hut erlebt. Und auch der Gemeindevollzugsdienst wollte ihm das Blubbern im öffentlichen Raum schon verbieten. Bis Mitte 2020 war Seifenblasenkunst tatsächlich im "Merkblatt für Straßenmusik und Straßenkunst" untersagt. Erst im Sommer änderte der Gemeinderat die Bestimmungen.

Seine Ausrüstung hat Manuel Maier nach und nach angefertigt. Er wechselt zwischen drei verschiedenen Seifenblasen-Werkzeugen, jeweils mit unterschiedlicher Anzahl an Maschen. Das Seifenwasser mischt er selbst, die Schnüre sind in Eigenregie zusammengeknotet und für die Stöcke nutzt er teils alte Angelruten. Inzwischen stellt Maier auch einen Hut auf, zu Beginn dachte er nicht daran. "Hin und wieder steckten mir die Eltern etwas Geld zu", sagt er. Damit deckt er die Ausgaben für seine Leidenschaft, die inzwischen zu seinem einzigen Job geworden ist. Seit kurzem ist er als Selbstständiger mit geringem Einkommen gemeldet. "Soll ja alles geordnet zugehen", sagt er.

Er bekommt schon Anfragen für Kindergeburtstage

So gut gelaunt und freundlich wie jetzt war er nicht immer, gibt er zu. "Vor rund einem Jahr stand ich kurz vor dem Burnout", sagt er. Damals arbeitete er als Altenpfleger. Der Umgang mit Demenzkranken erfüllte ihn, das Arbeitsumfeld nicht. Er ließ seinen Vertrag auslaufen – und ein lange gehegter, aber verdrängter Wunsch stieg in ihm auf: Der Clown, ein Geschichtenerzähler, der Kinder zum Lachen bringt. Ein Erlebnis lässt ihn den Wunsch in die Wirklichkeit umsetzen: Im vergangenen September ist er zu Gast bei einem Kindergeburtstag. Dort nahm er eine Seifenblasenmaschine mit, die zum Highlight der Feier wurde. Danach entschied er sich, auch andere Kinder mit Seifenblasen zu entzücken.

Ihm half eine frühere Ausbildung im Galli Theater als Kommunikationstrainer. Daran will er anknüpfen: Sein Traum ist, einige Jahre am Galli Theater in Wiesbaden mitzuwirken und bei seinem Vorbild Johannes Galli zu lernen. Den Kindern eine Freude zu machen, heilt auch ihn selbst. "Kinderlachen gibt mir viel", sagt er. Das sieht man, wenn er in seinem Element ist. "Ich habe gemerkt, dass die Kinder während der Pandemie stiller und passiv geworden sind", sagt er. Wenn Kindergeburtstage und Veranstaltungen wieder möglich sind, will er als Clown, Märchenerzähler und Seifenblasenkünstler durchstarten. Auf der Straße wird er schon als Seifenblasen-Mann erkannt. Anfragen für Veranstaltungen gibt es schon – sein Terminkalender für die Zeit nach der Pandemie füllt sich.

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