Trunkenheit im Bahnverkehr

Lokführer mit drei Promille am Freiburger Hauptbahnhof gestoppt

Max Schuler

Er soll eine Breisgau-S-Bahn von Denzlingen nach Freiburg gefahren haben: Weil ein Fahrgast am Bahnsteig bemerkte, dass ein Lokführer nach Alkohol roch, rief er die Bundespolizei.

Die Bundespolizei hat am vergangenen Samstagabend am Freiburger Hauptbahnhof einen betrunkenen Lokführer aufgegriffen. Drei Promille stellten die Beamten bei dem Mann in einem anschließenden Alkoholtest fest. Der Lokführer soll zuvor einen Zug von Denzlingen nach Freiburg gefahren haben, wie ein Augenzeuge der BZ berichtete. Die Betreiberfirma Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG) bestätigte den Vorfall, wollte sich zu den genauen Umständen aber nicht äußern.


Ein Fahrgast bemerkte am Gleis den Atem des Zugführers

Der Denzlinger Dominik Häringer wartete an dem Abend an Gleis fünf auf seinen Zug. Er wollte nach einem Besuch in einem Freiburger Fitnessstudio zurück nach Hause fahren. Nachdem die SWEG-Bahn gegen 19.30 Uhr am Bahnsteig zum Stillstand kam, sei der Lokführer ausgestiegen und auf ihn zugelaufen. "Er hat sehr stark nach Alkohol gerochen, das ist mir sofort aufgefallen", so Häringer. Der Lokführer habe den Denzlinger gefragt, ob er ein Messer dabei habe. "Offenbar ist ihm die Tür zu seiner Fahrerkabine zugefallen und er ist nicht mehr an die Schlüssel gekommen", vermutet Häringer. Danach sei der Lokführer die Treppen nach unten Richtung Bahnhofsgebäude gelaufen.

Einsteigen wollte Häringer nach diesem Vorfall nicht mehr – er war in Sorge und verständigte nach eigenen Angaben die Polizei. Diese griff den Lokführer bei seiner Rückkehr zum Bahnsteig auf und überprüfte den Alkoholgehalt in seinem Atem. Ergebnis: drei Promille. Der Mann wurde abgeführt zu einer Blutentnahme auf die Wache. Der Denzlinger Häringer schätzt, dass in dem Zug, den der betrunkene Lokführer gefahren hatte, zwischen 50 und 60 Fahrgäste saßen. "Ich wollte dem Mann nichts Böses", sagt Häringer abschließend. "Aber drei Promille sind halt schon heftig."

Die Bundespolizei bestätigt den Vorfall: "Ich arbeite seit 15 Jahren bei der Bundespolizei, aber mir ist kein Fall bekannt, bei dem ein Lokführer derart betrunken war", sagt die Pressesprecherin der zuständigen Bundespolizei in Weil am Rhein, Katharina Keßler. Die Polizei ermittelt wegen Trunkenheit im Verkehr und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Mittlerweile sei die Staatsanwaltschaft Freiburg eingeschaltet.

Die SWEG will sich zum Vorfall nicht äußern

Der dortige Pressesprecher Michael Mächtel konnte sich zum konkreten Fall noch nicht äußern – zu einem möglichen Strafmaß allerdings schon. Dabei sei entscheidend, ob der Lokführer nur betrunken war oder darüber hinaus noch gefährlich in den Bahnverkehr eingegriffen habe, indem er zum Beispiel ein Signal missachtet habe. War er nur betrunken, kann er auch mit einer Geldstrafe davonkommen. Hat er seine Fahrgäste oder den Bahnverkehr darüber hinaus gefährdet, drohen ihm zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Freiheitsstrafe.

"Wir unterstützen die Behörden bei der Aufklärung des Falles und überprüfen unser internes Kontrollsystem, um einen solchen Vorfall künftig auszuschließen", sagt der Pressesprecher der SWEG, Christoph Meichsner. Wie genau dieses Kontrollsystem aussieht und welche dienstlichen Konsequenzen der Fahrer zu tragen hat, wollte das Unternehmen trotz Nachfrage nicht mitteilen. Für Lokführer des Unternehmens gebe es, was den Alkoholgehalt am Arbeitsplatz anbelange, aber eine klare Regel: null Promille.