fudder-Interview

Künstlerinnen zeigen Atemschutzmasken im E-Werk, die tragbare Kunstobjekte sind

Jennifer Fuchs

Aktuell läuft im E-Werk die Ausstellung "Edition künstlerischer Schutzmasken" von Hannah Kindler und Nika Timashova. Die Masken kann man anschauen und erwerben. Jennifer Fuchs hat mit Künstlerin Hannah Kindler gesprochen.

Welche Idee steckt hinter euren tragbaren Kunstobjekten?

Hannah: Vor der Corona-Krise hatten die wenigsten von uns mit Schutzmasken zutun. Aber plötzlich sind sie nun ein Alltagsgegenstand und aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken. Nika Timashkova und ich wollten für unsere Ausstellung tragbare Kunstobjekte gestalten, die nicht nur den Schutzanforderungen einer Atemmaske entsprechen, sondern dem Tragenden auch den Raum gibt, um mit der eigenen Identität zu experimentieren. Unsere Masken spielen mit körperlichen und kulturellen Identitäten, Geschlechter-Stereotypen und deren Rollen in der Gesellschaft.

Mit welchem Gedanken steht der Covid-19 Virus zur euren künstlerischen Masken?

Uns beschäftigte vor allem die Frage, wie die Masken unsere Kommunikation und unser soziales Miteinander verändern. Schließlich ist durch das Tragen der Maske die Mimik nicht mehr so gut zuerkennen. Unsere Objekte sollen aber eine andere Art der Kommunikation eröffnen und zwar nicht bezogen auf die Sprache oder Mimik. Sie dienen mehr als Statement; das Gesicht wird zur Spielfläche für Identitätsveränderung.
(un)masked - Edition künstlerischer Schutzmasken

Die Masken sind in einem Film bis zum 29. Juni zu den Öffnungszeiten der Galerie für Gegenwartskunst im E-Werk zu sehen. Sie können bei den Ausstellungsaufsichten jederzeit bestellt und zu einem vereinbarten Zeitpunkt gegen den genauen Kaufpreis im E-WERK abgeholt werden. Der Erlös von 45 Euro kommt den beiden Künstlerinnen zu 100 Prozent zu Gute und ist eine Unterstützungsaktion von Seiten des E-WERKs für Freiburger Künstler*innen während der Corona-Zeit.

Gab es noch weitere Aspekte, außer die Coronapandemie, die euch zu den Objekten inspiriert haben?

Ja, nämlich die Frage: Was sind die globalen Auswirkungen von unserem veränderten Kaufverhalten? Viele Länder haben einen enormen ökonomischen Einbruch erlitten, weil der Westen durch Corona keine Kleidung mehr gekauft hat. Dadurch werden die globale Wirtschaftssysteme und ihre Abhängigkeiten sichtbar. Uns interessiert die Geschichte der Stoff- und Kleidungsindustrie. Wie schon in unserem früheren Projekt "(un)masking" haben wir wieder verschiedene Druckstoffe für die Masken benutzt. Sie stammen aus verschiedenen Orten, sind hand- oder auch maschinenbedruckt. Damit wollten wir zeigen, dass Muster und Stoffe, die für uns fremd wirken, oftmals hier produziert werden, während Muster, die wir gut kennen und Teil unserer Kultur sind, woanders herkommen. Ein Beispiel wäre das Paisleymuster, das eigentlich aus Indien stammt und erst im Zuge des Kolonialismus nach Europa gebracht wurde.



Warum sind eure Kunstwerke auch sichere Schutzmasken?

Wir wollten einerseits wirklich tragbare Atemmasken herstellen, aber auch Kunstobjekte. Um die Schutzanforderungen zu erfüllen, konnten wir nur Baumwollstoffe verwenden, die bei 60 Grad gewaschen werden können. Auf Perlen oder synthetische Glitzerstoffe, wie wir sie in anderen Projekten gebraucht haben, mussten wir leider verzichten. Aber dadurch bieten unsere Masken auch einen wirklichen Schutz.
Wie ist die Kooperation mit dem E-Werk zustande gekommen?

Die Arbeiten sind auf Einladung von Heidi Brunschweiler von der Galerie für Gegenwartskunst im E-Werk Freiburg entstanden. Wir hatten zuvor schon während der letzten Regionale dort ausgestellt. Die Masken haben auch gut zu dem Research gepasst: Körper und Identität, Textil, Kleidung und Stoffdruck in der Schweiz und Südbaden.