Erfahrungsbericht Teil 3

Krankenpfleger berichtet: "Ich mache mir Sorgen wie alle anderen auch"

Gina Kutkat

Auch vor der Coronakrise kamen Menschen in Pflegeberufen mental und physisch an ihre Grenzen. Was sich jetzt für einen Krankenpfleger aus Freiburg ändert: "Natürlich habe ich auch Angst um meine Gesundheit."

Unsere Quelle arbeitet als Krankenpfleger in einer Klinik in Freiburg. Zum Schutz des Arbeitsverhältnisses und der Privatsphäre nennen wir weder seinen Namen noch den des Krankenhauses. Der Krankenpfleger erzählt in seinen eigenen Worten, das Protokoll erstellte Redakteurin Gina Kutkat.

Psychische und mentale Gesundheit

"Die Arbeitsbelastung bei mir auf der Station war generell schon vor Corona-Zeiten sehr hoch. Ich arbeite 38,5 Stunden die Woche und es fallen immer Überstunden an, früher und jetzt auch. Was meine mentale Gesundheit angeht, hat sich nicht viel verändert: Ich kam auch vor Covid-19 in manchen Situationen physisch und mental an meine Grenzen.

Die Stimmung bei uns ist schon angespannt und viele sind nervös, auch ich mache mir Sorgen, wie es mit dem Virus weitergeht. Mir geht es jetzt nicht anders als jedem anderen auch. Ich weiß nicht, nicht was da uns auf uns zukommt. Der Unterschied zur allgemeinen Bevölkerung ist aber, dass ich in meiner Arbeit schon oft mit dem Tod konfrontiert wurde und diese Situation bereits kenne.
"Ich weiß nicht, nicht was da uns auf uns zukommt."

Ein positiver Nebeneffekt der ganzen Krise ist, dass die Arbeit unter diesen Bedingungen zusammenschweißt. Ich habe dadurch schon einige Freundschaften gewonnen. Gerade in dieser Krise entsteht unter den Kolleginnen und Kollegen eine besondere Solidarität. Das bewegt mich sehr.
Unsere Quelle arbeitet seit vielen Jahren an einer Freiburger Klinik und hat Normalstation- als auch Intensiverfahrung. Seit ein paar Jahren arbeitet die Person in leitender Pflegefunktion.

Zum Schutz der eigenen Person

Ich fühle mich im Stande, mich gut zu schützen. Ich habe bereits beatmete Covid-Patienten betreut. Die liegen in extra abgegrenzten Bereichen und sind von den restlichen Patienten isoliert. Mit Maske und Schutzbrille fühle ich mich sicher. Natürlich habe ich auch Angst um meine Gesundheit, wie jeder andere auch. Deswegen halte ich mich an den Mindestabstand von 1,5 Metern und trage eine Schutzausrüstung. Die besteht aus einer FFP2 Maske, Schutzbrille, OP-Haube, Schutzkittel und immer wichtig: Händedesinfektion.

Dass genügend Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt wird, ist wirklich oberste Priorität! Es kann nicht sein, dass die Gesundheit aller Krankenhausmitarbeiter für die Versorgung der Patienten gefährdet wird.
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Das Know-How der Pflege wird unterschätzt

Seit ein paar Jahren arbeite ich in leitender Pflegefunktion und ich habe gerade viele außerordentliche Termine und Sitzungen. Das meiste davon sind Hygiene-Schulungen und Schulungen zu therapeutischen Lagerungen von beatmeter Patienten.

In meiner Funktion bekommt ich recht zügig mit, welche neuen Entscheidungen von der Klinikleitung getroffen werden. Was ich kritisiere ist, dass sowohl in meiner Klinik als auch in der Öffentlichkeit und in der Beratung der Politik die ärztlichen Kollegen in der Organisation ganz klar führend sind, obwohl die Pflege die größte Berufsgruppe in jedem Klinikum darstellt. Das Organisatorische Know-How ist bei uns in der Pflege mindestens genauso hoch."