Erfahrungsbericht

Krankenpfleger berichtet: "Auf uns kommt eine große Herausforderung zu"

Gina Kutkat

Die Meldungen zur Corona-Krise überschlagen sich, die Fallzahlen im Raum Freiburg steigen. Doch wie sieht es auf den Stationen in den Kliniken aus? Ein Krankenpfleger erzählt im Protokoll von der "Ruhe vor dem Sturm".

Unsere Quelle arbeitet als Krankenpfleger in einer Klinik in Freiburg. Zum Schutz des Arbeitsverhältnisses und der Privatsphäre nennen wir weder seinen Namen noch den des Krankenhauses. Der Krankenpfleger erzählt in seinen eigenen Worten, das Protokoll erstellte Redakteurin Gina Kutkat.

Zum neuen und alten Alltag in der Klinik

"Ich bin Krankenpfleger, arbeite seit vielen Jahren an dieser Klinik und habe Normalstation- als auch Intensiverfahrung. Seit ein paar Jahren arbeite ich in leitender Pflegefunktion. Ich habe wie vorher eine 38,5- Stunden-Woche, es fallen wie sonst auch die üblichen Überstunden an. Ich gehe davon aus, dass es sich in den nächsten Wochen ändern wird, wenn die Klinik voll mit Covid-19-Patienten ist.

Gerade herrscht die Ruhe vor dem Sturm, wobei ich in die Umstrukturierungen der Stationen integriert war. Somit gab es Einiges, was organisatorisch zu bewältigen war. In den nächsten Wochen rechne ich mit einer Arbeitsbelastung in bisher ungekannter Dimension. Als ich die ersten Bilder aus italienischen Krankenhäusern und die Berichterstattung aus dem Elsass gelesen habe, wusste ich, dass es ernst wird.

"Es herrscht natürlich auch Angst und Anspannung."

Als Leitender eines Pflegeteams haben sich für mich die außerordentlichen Termine und Sitzungen verdoppelt. Es werden vermehrt Schulungen angeboten, vor allem Hygiene-Schulungen, Schulungen zu therapeutischen Lagerungen – zum Beispiel Bauchlagerungen beatmeter Patienten – und vierstündige "Beatmungscrashkurse" für Pflegerinnen, Pfleger und Assistenzärzte ohne Beatmungserfahrung. Ich muss die Mitarbeiter öfter informieren und auch teilweise beruhigen, da manche Stationen sich strukturell verändert haben – und jetzt Covid-19-Stationen sind.

Wir sind alle dazu angehalten, einen Mindestabstand von 1,5 Metern wenn möglich einzuhalten. Es herrscht natürlich auch Angst und Anspannung. Und es gibt ein Besuchsverbot für Angehörige, was für manche sehr hart sein wird, da sie sich nicht von ihren Liebsten verabschieden können.

Engere psychische Betreuung

Auf der Normalstation hat sich durch Covid-19 einiges verändert. Jedes Zimmer ist isoliert, ich muss häufig Schutzkleidung an- und ausziehen. Zudem ist die psychische Belastung für den Patienten als auch für uns Pfleger eine höhere. Die Patienten benötigen eine engere psychische Betreuung von mir. Der Pflegeschlüssel, also das Verhältnis von Pflegepersonal zu Patient, ist ein anderer, aufgrund des erhöhten Zeitaufwands. Außerhalb der Corona-Zeit liegt der Schlüssel bei 1 zu 12. Aktuell etwa bei 1 zu 7.

"Für uns erfahrene Pflegekräfte ist es keine extrem neue Situation."

Auf der Intensivstation gibt es extra abgegrenzte Bereiche, in denen Covid-19-Patienten in Kohorten zusammengelegt und von den restlichen Patienten isoliert werden. Um Ressourcen zu sparen, tragen wir unsere Atemschutzmasken die ganze Schicht ohne sie abzuziehen, weil sie ansonsten verworfen werden müsste.
Am Mittwoch erscheint auf fudder der zweite Teil des Protokolls: Wie gut sind die Kliniken Deutschlands und Freiburgs auf die Situation vorbereitet?

Noch bringt uns die Versorgung der Covid-Patienten auf den speziell dafür ausgerichteten Stationen nicht in Bedrängnis. Außerdem ist es für uns erfahrene Pflegekräfte keine extrem neue Situation. Schon vor der Corona-Epidemie hatten wir im Krankenhaus isolierte Patienten. Da gibt es die unterschiedlichsten Isolierungsmaßnamen, je nach Keim – zum Beispiel multiresistente Erreger oder Tuberkulose. In der Vergangenheit und auch in der Gegenwart habe ich sehr kranke Influenza-Patienten betreut.

Der Unterschied ist da jetzt nicht so groß. Allerdings merke auch ich gerade, wie sehr die ganze Welt davon betroffen ist und auch ich weiß, dass in den nächsten Wochen eine sehr große Herausforderung auf uns zukommt. Danach werden wir tatsächlich sehen, wie gut wir vorbereitet waren."

Mehr zum Thema: