Jungle Street Groove Basel: Parade mit Unterführungs-Party

Mc Fava

Am vergangenen Wochenende zogen beim Jungle Street Groove geschätzte 10.000 Musikfans zu fetten Beats und Grooves diverser Stilrichtungen durch Basel. MC Fava vom Freiburger Breakbeat Movement war auf dem Wagen der Physicalz dabei und berichtet hautnah von der Demoparty für mehr kulturelle Vielfalt.



Samstagnachmittag in Basel. Der Ort: Die lange Unterführung direkt an der Rheinpromenade. Hier ist die beste Stelle, um Basels Musikparade Jungle Street Groove zu erleben. Hier bekommt man die volle Dröhnung.

Jeder Groovetruck hat dort die Zeit, um mitten unter der Brücke eine Runde zu Parken und richtig Gas zu geben. Die Crews präparieren ihren Wagen im Hinblick auf diesen Moment mit Lichteffekten und Nebelmaschinen, denn in der Tunnel ähnlichen Unterführung wird der Tag zur Nacht und die Strassenparade nimmt den Flair einer Clubveranstaltung an.

Dort unten ist Zeit für diverse Rewinds, messerscharfe MC Lyrics und euphorische Tanzstimmung. Der Klang der Musik verwandelt sich unter der Brücke zu einem ohrenbetäubenden, verhallten fetten Brett und viele Begleiter der Demonstration bleiben genau an diesem Fleck stehen um jeden einzelnen Kleinlastwagen dort unten zu erleben. Ich stehe auf dem Wagen der Physicalz, die traditionell für diesen Moment einmal mehr den Klassiker „Out of Space“ von The Prodigy mit im Gepäck gehabt. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Hunderte Menschen singen den Refrain mit. Wow.

Seit 1995 wird der Jungle Street Groove vom gleichnamigen Verein durchgeführt, seit einigen Jahren im jährlichen Wechsel mit der "Beat the Street"-Parade. Der Groove – eins aus einer Demonstration gegen französische Atomtests auf dem Mururoa-Atoll entstanden - versteht sich als Demonstration, die mit und durch unterschiedlicher Musikgenres für kulturelle Vielfalt und deren Akzeptanz plädiert. Der Jungle Street Groove ist auch eine Manifestation für Klein- und Kleinstschaffende, deren Wichtigkeit der Kulturstadt Basel näher gebracht werden soll und darüber hinaus eine musikalische Forderung nach mehr Freiraum.

Der Name „Jungle Street Groove“ hat dabei mit den Jahren immer mehr an der ursprünglichen Bedeutung verloren, schließlich wird der Fokus dabei längst nicht mehr nur auf Jungle / Drum'n Bass gelegt, sondern auf unterschiedlichste Musikgenres zurückgegriffen.

Die Diskussion um Alternativkultur ist, laut Alain Szerdahelyi, Mitglied des Organisationskomitees, zurzeit ein äusserst brisantes Thema: Basel nennt sich zwar Kulturstadt, fördert aber vor allem die etablierte Kultur. Die multikulturelle Mischung der Musikstile auf den Wägen des Groove, aus Afro-Sound, Reggae, HipHop und elektronischer Musik, zeigt auf, dass ein friedliches Zusammenkommen verschiedenster Kulturen möglich ist und so neues kreatives Potential entfaltet werden kann. Der Jungle Street Groove soll Jung und Alt animieren, mit den Groovetrucks durch die Stadt zu tanzen und dem kreativen Zusammenleben neue Impulse zu geben.

Das Motto der 14. Ausgabe der Basler Straßenparade lautete „The street is yours". Bereits um 17:30 Uhr versammelten zum Beginn der Parade hunderte Tanzwütige und Neugierige am Münsterplatz, wo die Demonstration jedes Jahr traditionell beginnt. Die Route erstreckt sich vom Startplatz ab über die Wettsteinbrücke und entlang am Rhein – unter anderem auch durch die bereits erwähnte Party-Unterführung.

Nach Einschätzungen von Besuchern und Mitwirkender waren wohl noch nie so viele Menschen auf den Straßen Basels, die sich an der impulsiven Wanderschaft beteiligten. Grund für das rege Treiben war mitunter sicher auch das gute Wetter – leider hatte es in der Vergangenheit an den Tagen der Parade schon oft geregnet. Einschätzungen zufolge waren rund 8000 bis 10 000 Menschen beim Groove unterwegs.

13 Groovetrucks, mit Soundsystem, Dekorationen, Nebel und Licht ausgestattete Kleinlastwägen, waren in diesem Jahr von den Behörden zugelassen worden, um durch Basel zu rocken und zu rollen. Mit dabei waren Acoustic-Connection, Tracks, Schoolyard, Kernspalter, Scoulou Productions, Physicalz, French Connection, Nordstern, Tronix, Ragaz Inc., The Architects, Beastside Crew und Nizzbeats Production.

Auf dem Wagen der  Physicalz, die zu den führenden Vertretern in Sachen Drum'n Bass in Basel zählen, gab es, neben altbekannten Hits aus dem Genre und brandneuen Tunes auf Platte und CD, unter Anderem eine Live-Session mit Sängerin Anna, Percussions von DfabJ und selbstproduzierter Musik aus der Konserve von DJ Inspektra.

Deutlich spürbar war die Ausweitung der Gerätschaften: Die Wagen werden in Basel immer größer und die Beschallungsanlagen immer abartiger. Es ist ein Wunder, dass die Stadt dieses Treiben so genügsam hinnimmt, denn schließlich ist die Veranstaltung nicht mit anderen Paraden wie zum Beispiel die Streetparade in Zürich zu vergleichen, zu der bis zu 1 Million Menschen pilgern und somit der Stadt einen wirtschaftlichen Glanztag bescheren.

Kurz nach der Party-Unterführung am Rhein endet die Parade dann leider auch schon direkt an der idyllischen Rheinpromenade des Unteren Rheinwegs, wo es den einzelnen Trucks überlassen bleibt, die Anlage weiter auf Anschlag laufen zu lassen und einen fetten Endspurt vor den Toren der Kaserne hinzulegen. Einige der tanzwütigen Demonstranten bleiben weiter um die Groovetrucks versammelt um mit ihnen zusammen das „Finale“ der Parade zu zelebrieren während Andere sich am Ufer des Rheins ausruhen und den letzten Klängen lauschen. Insgesamt rollten die Bässe für drei Stunden durch die Straßen Basels bis um 20.30 Uhr die Musik abgestellt werden musste.

Am Abend gab es selbstverständlich noch zahlreiche Afterpartys in Basel. Die offizielle Ausgabe fand auf dem "Schiff“ statt. Dort trat unter anderem DJ Bailey, einer der Vorzeigekünstler des renomierten Londoner Drum´n Bass-Labels „Metalheadz“ auf, und noch einmal 800 Leute brachten den Kahn ordentlich ins wanken.

Hoffentlich schaffen es die Jungs und Mädels von Radio X und dem Jungle Street Groove Verein im Jahr 2010 wieder die Behörden davon zu überzeugen, dass diese Veranstaltung eine kulturelle Bereicherung für die Stadt Basel ist und man weiterhin an ihr festhalten sollte.

Jungle Street Groove Basel: Parade mit Unterführungs-Part



Quelle: YouTube

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