Theater

In "Lieblingsmenschen" geht es um Eifersucht, Affären und Leistungsdruck

Anna Castro Kösel

Was will ich von meinem Leben und wie schaffe ich es? Am kommenden Wochenende führen Studierende der Freiburger Schauspielschule das Stück "Lieblingsmenschen" von Laura de Weck auf, in dem junge Menschen sich selbst suchen.

Das Theaterstück

Nachdem sie zusammen zur Schule gegangen sind, treffen vier junge Menschen im Studium wieder aufeinander. Zunächst begegnen sich Jule und Anna. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Jule hat mit ihrem Schulfreund Darius schon lange Schluss gemacht, Anna ist mit Philip noch zusammen. Darius fällt durch seine Prüfungen und schläft mit Jules bester Freundin Lilli. Dann ist da noch Sven, der oft sehr verwirrt ist. Durch die Irrungen und Wirrungen ihres eigenen Lebens verbindet alle die Herausforderung: Was will ich von meinem Leben? Und wie schaffe ich es da durch?

Es geht um Eifersucht, unerwiderte oder nicht ausgesprochene Gefühle. Sex, Affären, Leistungsdruck und das Leben in Zeiten von Smartphone und Co. Durch die Konfrontation mit ihren alten Schulkameraden und neuen Bekanntschaften werden die Protagonisten immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen. Sie treffen Entscheidungen, probieren sich aus, scheitern und kommen an ihre Grenzen. "Lieblingsmenschen" spiegelt die Schnelllebigkeit der Generation Z – die Herausforderungen und Chancen, aber auch den Schmerz, den dieser Lebensabschnitt im 21. Jahrhundert mit sich bringt.

Gestaltung und Schauspiel

Die Szenerie besteht allein aus einer kleinen Empore – auch die Requisiten sind rar. Schnelle Szenenwechsel mit elektronischer Musik bringen Lebendigkeit in die kleine Experimentalbühne vom E-Werk. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind Studierende oder Absolventen der Freiburger Schauspielschule und im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Eindrücklich, manchmal auch ein wenig überspitzt, karikieren sie ihre Generation. Am Ende kann man dennoch mithilfe dieser überspitzten Schablone, die die Schauspielenden erschaffen, sich selbst, Freunde oder Bekannte in einer der Protagonisten wiederfinden. Man spürt: Das Ensemble hat sich viele Gedanken gemacht, wie die eigene Rolle interpretiert werden soll und welche Gefühle und Gedanken beim Publikum ankommen.

Das Making-Off

"Ursprünglich war das Stück eine Prüfung des fünften und sechsten Semesters der Freiburger Schauspielschule", sagt Markus Schlüter, Regisseur von "Lieblingsmenschen". Durch die Hitze im Juni und einen Krankheitsausfall mussten die Aufführungen teilweise abgesagt werden, so habe man entschieden, es nach den Sommerferien wiederaufzunehmen. Lange habe die Gruppe nach einem jungen Stück gesucht. Als sie es endlich gefunden hatten, haben sie viel nachgedacht wie der Text von der Autorin des Stücks, Laura de Weck, gemeint sein könnte. de Weck ist 1981 in Zürich geboren. "Lieblingsmenschen" ist ihr erstes Theaterstück und erschien 2007. Sie inszeniert eigene Performances in Zürich, Basel und Hamburg.

"Sehr interessant war bei diesem Stück, dass es gar keine Regieanweisungen gab. Man musste sich alles aus dem Text ziehen", sagt Stefan Kosakiewicz-Dorer, der den Darius spielt. "Denn das, was ein Charakter sagt, ist das eine, aber was steckt noch in ihm? Mit diesen wenigen Sachen zu versuchen, viel Tiefe zu erreichen, war sehr spannend. Und das macht dieses Stück auch für mich aus". Durch das einfache Bühnenbild konnte das Ensemble das Stück an vielen unterschiedlichen Orten aufführen, in Kroatien auf einem Festival oder auf einer Realschule oder im Schwarzwald in Furtwangen.

Fazit

Die überzeugende und einfühlsame Darstellung des Ensembles der Freiburger Schauspielschule führt einen 80 Minuten durch ein Gefühlsleben, das jeder kennen dürfte. "Lieblingsmenschen" zeigt auf, dass irgendwie alle "strugglen", wenn sie jung sind und es zum Leben dazugehört.
Was: "Lieblingsmenschen" von Laura de Weck
Wann: Freitag, 23.9., Samstag, 24.9., 30. September sowie 1. Oktober um 20 Uhr, Sonntag, 25.9. 18 Uhr
Wo: Experimentalbühne im E-Werk
Infos: Website