Coronavirus

In Freiburgs neuem Abstrichzentrum herrscht Hochbetrieb

Simone Lutz

Seit Donnerstag hat Freiburg eine zentrale Abstrichstelle für Tests auf das neuartige Coronavirus. Der Andrang ist groß – und an den ersten Tagen kamen sich Wartende und Autos in die Quere.

Die zentrale Abstrichstelle befindet sich im Westen der Stadt. Wo genau, möchte die Kassenärztliche Vereinigung, die es betreibt, nicht verraten: Es werden ausschließlich Patienten getestet, die von ihrem Arzt wegen Infektionsverdachts dorthin verwiesen wurden. Auf "Laufkundschaft" ist es nicht eingerichtet. Die beiden ersten Tage waren turbulent: Vor dem Zentrum bildeten sich lange Schlangen, der Verkehr musste zeitweilig von der Polizei geregelt werden.


Stephan Sigrist ist niedergelassener Arzt und Leiter der Freiburger Notfallmedizin. Am Freitag steht er in voller Montur – weißer Overall, Mundschutz, Handschuhe – im Hof eines Laborgebäudes und nimmt Mundabstriche von wartenden Personen. Eigentlich sollte die mobile Abstrichstelle, die in einem Transporter auf dem Hof steht, nur von 12 bis 15 Uhr geöffnet sein, "aber Sie sehen ja, was los ist": Über den Hof auf die Straße hinaus stehen Familien, Paare und Einzelne in einer langen Schlange und warten darauf, dass sie drankommen.

Hier warten diejenigen, die von ihrem Arzt mit einem Attest geschickt wurden. "Nur auf eigenen Verdacht kann man nicht hierherkommen", das ist Sigrist wichtig, denn auch so ist genug zu tun: Zuerst werden die Personalien der Wartenden aufgenommen, dann macht Sigrist den Abstrich – das geht ganz schnell mit einem Wattestäbchen –, dann wird die Probe beschriftet und ins benachbarte Laborgebäude gebracht. "Am Montag sollte das Ergebnis da sein", so Sigrist.

Betrieben wird die Abstrichstelle von der Kassenärztlichen Vereinigung. Mit ihr werden die Arztpraxen der Stadt entlastet und die Ansteckungsgefahr in Wartezimmern ist kleiner. Im Augenblick ist geplant, die Stelle bis Ende April vor Ort zu lassen.
Wann wird ein Arzt einen Abstrich machen lassen? Laut Robert-Koch-Institut bei folgenden Symptomen: 1) bei unspezifischen Symptomen oder Atemproblemen plus Kontakt zu einem Corona-Fall in den letzten 14 Tagen, 2) bei Atemproblemen plus Aufenthalt in einem Risikogebiet in den letzten 14 Tagen, 3) bei Atemproblemen plus Aufenthalt in Regionen mit Corona-Fällen in den letzten 14 Tagen, 4) Hinweise auf eine Lungenentzündung ohne erfassbares Expositionsrisiko.

Am Donnerstag funktionierte das Ganze als "Drive through": Autos mit Patienten fuhren in den Hof, der Abstrich wurde am Autofenster gemacht, das Auto fuhr hinter dem Haus wieder fort. Am Freitag stieß diese Lösung jedoch an ihre Grenzen, als sich Autos und zu Fuß Kommende in die Quere kamen.

Ein Patient aus einer Tuniberggemeinde schildert, wie er, mit Fieber im Auto sitzend, auf den Hof fahren wollte, dann mit anderen Autos in einen großen Pulk von Wartenden geriet und die Situation unübersichtlich wurde. Nach einer halben Stunde versuchte er rückwärts auszuparken, ein Auto mit Startschwierigkeiten wurde von Wartenden angeschoben, die Stimmung war schlecht – kurz: "Ich finde, das hätte man besser trennen sollen für Autos und zu Fuß Kommende", so der Mann.

Das findet auch Karlheinz Tacke, der gegenüber der neuen Abstrichstelle wohnt. Den Tag über habe er chaotische Zustände beobachtet, sagt er, mit Autos, die im absoluten Halteverbot parken und Zufahrten blockieren. Erst als die Polizei gekommen und den Verkehr geregelt habe, sei es besser geworden.

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