Extremsport

In Freiburg gibt es jetzt einen Slackline-Verein

Lisa Discher

Von steinharten Profis zu absoluten Amateuren ist alles dabei und vor allem willkommen, in diesem aller ersten Slackline-Verein Freiburgs. fudder-Autorin Lisa Discher hat sich mit zwei der Gründungsmitglieder Jana Baur und Heli Hofmann getroffen.

80 Meter über dem Boden

Jana Baur ist 28 Jahre alt, arbeitet im Agrar- und Lebensmittelbereich und hat sich vor drei Jahren ihre erste eigene Slackline gekauft. Für sie begann alles im Auslandssemester in Frankreich. Dort stellt sie fest, dass Deutschland dem Nachbarland in diesem Thema stark hinterherhinkt. "Slacklinen ist dort auf jeden Fall verbreiteter als in Deutschland, gerade in Lyon gibt’s eine ziemlich große Szene, mit echt vielen Leuten", sagt Jana.

Seit sie wieder in Deutschland ist, spannt sie jedoch auch in Freiburg ihre Line. Das Beste an diesem Extremsport sei neben der körperlichen Fitness vor allem das Netzwerken: Man träfe neue Freunde, denen das gleiche Spaß mache wie einem selbst auch. "Das ist das Tolle am Slackline-Sport. Man stößt auf so eine offene Community, das ist echt schön und einfach auch eine lockere Art neue Leute kennenzulernen", fügt sie hinzu.
"Ein bisschen wie Meditation." Heli Hofmann
Heli Hofmann ist 23 Jahre alt und studiert Kulturanthropologie an der Uni Freiburg. Seit sechs Jahren slack- und highlined er nun schon. Beim Highlinen wird die Slackline in schwindelerregender Höhe gespannt. Helis höchste Slackline, die er bisher überquert hat, befand sich in 80 Metern Höhe. Dabei ist eine professionelle Sicherung natürlich von absoluter Wichtigkeit. Wie sich das anfühle, so da oben? "Die Höhe ist bei mir gar nicht das Ausschlaggebende", sagt der Sportler. "Bei mir ist es vielmehr die Weite. Wenn man sieht, wie weit man da tatsächlich gleicht geht, dann schießt einem dann schon das Adrenalin kurz durch den Körper", meint er lachend.

"Es ist auch nochmal echt ein Unterschied, ob man jetzt im Wald highlined, wo überall Baumgipfel um einen rum sind, weil man sich da ein bisschen geschützter fühlt. In den Bergen, über einer Schlucht zu balancieren ist einfach nochmal was ganz anderes: Da fehlt das Gefühl, da sieht man die 50-Kilometer-Aussicht. Dann heißt es Adrenalin unterdrücken, runterkommen und laufen." Es sei ein bisschen wie Meditation, nur eben anders - eben 80 Meter über dem Boden. "Dein Gehirn sagt dir eigentlich nur 'Nein, mach das nicht' und dein Körper will halt irgendwie doch da drüber laufen", ergänzt Jana.

Die Vereinsgründung

"Wir haben uns überlegt, wie man am besten zusammenkommen kann, um die Spots in der Region zu finden, damit man da gemeinsam trainieren kann", antwortet Jana auf die Frage nach dem Warum der Vereinsgründung. Zudem wollen sie als Verein auch öffentliche Plätze für den Sport zugänglich machen, auf denen dann Kurse angeboten werden können. "Dadurch, dass das so ein super junger Sport ist, gibt es noch keine wirklichen Regelungen, nichts ist offiziell - nicht wie in Frankreich oder in der Schweiz, da sind die einfach viel weiter schon. Und das Ziel des Vereins ist in diesem Kontext, den Sport präsenter zu machen."

Beispielsweise sei Mountainbiken früher in den Wäldern noch viel umstrittener gewesen, heute gibt es offizielle Mountainbike-Strecken, die sicher sind. Das will der Slackline-Verein in Freiburg auch erreichen: Offizielle Orte, an denen geslacklined, aber auch gehighlined werden kann. Es gäbe in Freiburg zwar offizielle Slackline-Spots, beim Highlinen gäbe es jedoch keine offiziellen Plätze, die man buchen kann. "Oft sind die Leute, bei denen man das Slacklinen dann anmelden möchte doch noch verwirrt. Gerade, weil der Sport einfach so neu ist. Als offizieller, eingetragener und gemeinnütziger Verein, trifft man da auf mehr Verständnis und Akzeptanz", ergänzen die Beiden.

Baumschutz

Wichtiges Stichwort beim Sport mit der Slackline ist der Schutz der Bäume. Im Seepark träfe man immer wieder auf besorgte Passanten, die fragten, ob das Slacklinen den Bäumen denn nicht schade. "Die haben Angst um ihre Bäume im Seepark," sagt Heli. "Was ja auch verständlich ist, irgendwo" ergänzt Jana. Doch das Thema Baumschutz nehme der Verein sehr ernst. Die Angst sei zwar verständlich, gleichzeitig jedoch auch unberechtigt. Befestige man eine Slackline ohne Baumschutz, könne es sein, dass die Rinde abgerieben würde und es zu einer Abschnürung seiner Leitsysteme kommen kann. An dieser Stelle sei es wichtig, dass die Sportlerinnen und Sportler auf die Dicke des Stamms achteten, an welchen die Slacklines gespannt würden und dass ein funktionaler Baumschoner am Baum selbst angebracht wird. "Wenn man da alles richtig macht, dann kann dem Baum auch nichts passieren", sagt Heli.

Die Mitgliedschaft und der Traum vom eigenen Urban Slackline-Festival

Der Mitgliedsbeitrag beruft sich auf 25 Euro im Jahr. Damit wird ein Gerätepool finanziert, auf den jedes Mitglied der Vereins freien und unbeschränkten Zugriff hat. Angepeilt werden wöchentliche Treffen in den Freiburger Parks, zu welchen Interessierte unverbindlich zu Schnupperstunden dazu stoßen können und Vereinsausflüge, bei denen man dann auch mal übers Wochenende verreist.

"Richtig cool wäre natürlich ein Slackline-Festival, wie es sie schon in anderen Ländern gibt", sagt Jana "Dafür bräuchte man dann eben noch eine Location und vor allem eine Genehmigung. Wir planen gerade viel, aber stehen ja auch gleichzeitig noch ganz zu Beginn der Vereinsgründung." Gerade besteht der Verein aus den Gründungsmitgliedern. Ab sofort können sich Interessierte nun auch über das Mitglieder-Formular auf der Website des Vereins anmelden.
  • Slackline-Verein Freiburg: Web
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