Sanierungsbedürftig

In der Max-Weber-Schule in Freiburg wächst lausiges Efeu durchs Fenster

Simone Höhl

"Der Klassenraum ähnelte einem Biotop": Ein Schüler der Max-Weber-Schule kritisiert den Zustand eines Raumes. Das Kultusministerium hakte nach. Die Sanierung könnte sich derweil verzögern.

Fotos zeigen verlausten Efeu, der durch ein kaputtes Fenster ins Zimmer wächst, und ein notdürftig geflicktes Loch in der Decke: Sie stammen von einem Schüler, der den baulichen Zustand seiner Schule kritisiert: "Der Unterricht im heutigen Raum hat bis jetzt alles getoppt. Der Klassenraum ähnelte einem Biotop." Schimmlig habe es ebenfalls gerochen, auch andere Schüler waren irritiert.


Aufgenommen wurden die Fotos in einem Computerraum der Max-Weber-Schule an der Fehrenbachallee im Stadtteil Stühlinger, der größten kaufmännischen Schule Südbadens. "Der Raum ist eine Zumutung, stimmt", sagt Schulleiter Frank Kühn: "Aber er wird nicht als regulärer Unterrichtsraum genutzt." Als in der Prüfungszeit sonst nichts frei war, sei Raum 08 mit einer Klasse genutzt worden. Das machte die Runde – bis nach Stuttgart: Das Kultusministerium hakte nach.

"Das war mal ein sehr moderner Raum."Schulleiter Frank Kühn
Die Nutzung sei eine Ausnahme gewesen, das Kellerzimmer daher muffig, aber nicht gesundheitsschädlich, sagt Kühn: "Das war mal ein sehr moderner Raum." Anfang der 2000er Jahre wurde er für PC-Arbeit eingerichtet. Der Hausmeister hat den Efeu inzwischen entfernt.

Die Max-Weber-Schule muss saniert werden. Schon seit Jahren ist davon die Rede, Kühn erinnert sich, dass das schon 1999 Thema war. 2005 gab es einen Anbau und immer wurde das Nötigste gemacht, aber keine Rundumsanierung. Wie teuer sie wäre, ist unklar. 2014 nannte die Stadtverwaltung 20 Millionen Euro als grobe Größenordnung.

Rückt die millionenschwere Sanierung in weite Ferne?

Am dringendsten wäre die energetische Sanierung, meint Schulleiter Kühn. Im Sommer heize die Sonne die Klassenzimmer über 40 Grad auf, manche Fenster ließen sich nicht mehr öffnen und naturwissenschaftliche Räume hätten den Charme der 70er Jahre. Das Haus wurde 1966 bezogen und Kühn schätzt, dass der Rektoratsboden, der grade ersetzt wurde, noch aus dieser Zeit stammt.

Zuletzt hat der Gemeinderat erneut einen Anbau beschlossen, für den ein einstöckiges Gebäude auf der Seite zum Rathaus im Stühlinger weichen soll. In den Anbau sollen zunächst Klassen für die Sanierung ausgelagert werden, und er dann von Max-Weber- und anderen Berufsschulen genutzt werden. "Wir brauchen das dringend", sagt Kühn. Der Direktor fürchtet, dass die Pläne aktuell wegen der Finanzlage der Stadt gefährdet sind.

"Der Erweiterungsbau steht aktuell nicht auf der Kippe", sagt Rathaussprecherin Eva Amann auf Nachfrage. Er könnte sich nur noch etwas verschieben. Die Sanierung soll sich anschließen. "Sie hängt aber noch von den kommenden Doppelhaushalten ab", sagt Amann. Fest steht: 2021 und 22 wird sie nicht begonnen, sondern erst einmal der Anbau errichtet. Die Kosten für die Sanierung würden erst geschätzt, wenn ein Zeitpunkt feststehe. "Solche Analysen verjähren recht schnell."