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In der Computerspielschule Freiburg kann man freitags zusammen zocken

Alexander Schneider

Wer gemeinsam zocken will, ist in der Computerspielschule Freiburg genau richtig. Jeden Freitag kann dort jeder zum Spielen kommen. Dort können auch Eltern Rat suchen und die Spiele zusammen mit ihren Kindern kritisch hinterfragen.

Die Jugendlichen begrüßen sich, als würden sie sich schon ewig kennen. Auch solche, die schon etwas länger nicht mehr in der Computerspielschule Freiburg waren, empfangen die Stammbesucher herzlich. Man fragt sich, wie es einem in der Zwischenzeit erging. Der 35-jährige Marco Marsovszky würde mittendrin gar nicht auffallen, hätte er nicht so einen markanten Bart. Dabei ist der Sozialpädagoge des Jugendhilfswerk Freiburg der Betreuer dieses offenen Angebots, der Computerspielschule Freiburg. Jeden Freitag von 15.30 Uhr bis 18 Uhr dürfen Kinder ab 12 Jahren in der Konradstraße 14 zum gemeinsamen Zocken kommen.


Die Computerspielschule Freiburg ist ein sozialpädagogisches Angebot des Jugendhilfswerk Freiburg. Damit wollte man Gamern und Gamerinnen einen Ort bieten, um ihr Hobby zu teilen, erzählt Marco Marsovszky, der für die Computerspielschule mitverantwortlich ist. Außerdem möchte man Eltern eine Anlaufstelle bieten, um sich über das Thema Gaming informieren zu können. Die Computerspielschule Freiburg wurde 2016 in Kooperation mit der Landesanstalt für Kommunikation gegründet. Gleichzeitig wurden auch andere Schulen in Karlsruhe und Stuttgart eröffnet.

Aufklärung und kein Verbot

"Wenn ein Kind Fußball spielt, wird es meist gelobt, doch wenn es Videospiele spielt, wird das oft in ein schlechtes Licht gerückt. Videospiele sind ein noch junges Medium, zu welchem oft vielen Eltern der direkte Bezug fehlt", sagt Marco. Ein Verbot sei nicht der richtige Weg, um mit dem Thema umzugehen, sondern Eltern müssten sich darüber informieren, was ihr Kind konsumiert und sich gemeinsam kritisch damit auseinandersetzen. Deshalb bietet die Computerspielschule jeden Freitag gemeinsame Gamingnachmittage an, bei welchen auch die Eltern oder Großeltern mitmachen können. "Die meisten Eltern kommen nur zu speziellen Angeboten wie unsere individuelle Beratung oder unsere Info-Lans, aber dort haben auch schon Omas und Opas gemeinsam mit ihren Enkeln gespielt. Unser regelmäßiges Freitagsangebot wird meist nur von den Jugendlichen wahrgenommen", sagt Marco. Das sei auch in Ordnung so, da der Fokus der Computerspielschule darauf liege, dass die Jugendlichen gemeinsam spielen und Spaß haben.

"Wir suchen gezielt Spiele aus, die die Jugendlichen gerne spielen", erklärt Marco, "wir haben aber auch Themen-Input-Tage, an welchen wir Spiele spielen, die gesellschaftliche Themen ansprechen oder den Spieler oder die Spielerin vor moralische Entscheidungen stellen". Wie das Spiel "Frost Punk", bei dem man versuchen muss, seine Bevölkerung in einer kargen Eiswüste am Leben zu halten, während die Ressourcen knapp sind. Man könne sich zum Beispiel entscheiden, ob man Kinder zur Arbeit schickt, da alle Erwachsenen schon arbeiten und somit mehr Rohstoffe erbeutet oder ob man andere Wege findet, wie man seine Bevölkerung nicht hungern lässt. "Uns ist auch wichtig, dass wir das was wir gemeinsam konsumieren, kritisch hinterfragen", sagt Marco. Sie sind auch im ständigen Austausch mit Experten oder Spieleentwicklern darüber, welche Spiele in das Konzept der Computerspielschule passen könnten, sagt Marco.

Die Spiele sind nicht über USK 12, da man ab 12 Jahren zu dem offenen Freitagsangebot kommen dürfe und so niemand benachteiligt werde. "Die meisten Jugendlichen sind 13 bis 14 Jahre alt. Unsere ältesten sind zwischen 17 und 18 Jahre alt und viele davon sind seit Beginn dabei und helfen uns auch bei der Organisation der ganzen Events", sagt Marco. Im Schnitt kämen jeden Freitag 15 bis 20 Spieler und Spielerinnen.

Virtual-Reality-Station ist ein Highlight

Marco Marsovszky selbst ist leidenschaftlicher Spieler. Er schreckt auch nicht davor zurück, sein jahrelanges Gamingwissen einzusetzen und die Jugendlichen in einem kinderfreundlichen Shooter abzuziehen. Das Highlight ist die Virtual-Reality-Station, bei welcher die Gamer mit vollem Körpereinsatz dabei sein müssen und wo sie auch mal ins Schwitzen geraten. Manche Jugendliche sind dabei schon Vollprofis und verbringen die meiste Zeit an der Virtual-Reality-Station.

Neben den ganzen Gamingevents veranstaltet das Jugendhilfswerk auch Ausflüge, oder man zeichnet oder kocht zusammen, sagt Marco. "Die Computerspielschule ist eine Art Einstieg für manche Jugendliche, die vielleicht tatsächlich zu lange vor dem Rechner sitzen, um dann andere Lebensbereiche zu fördern", sagt Marco. Das Feedback der Eltern und Kinder sei durchweg positiv. "Ich gehe gerne zur Computerspielschule, weil mir Spielen Spaß macht und meine Freunde hier sind", sagt die 13-jährige Helen. "Gaming ist eine meiner Leidenschaften und dadurch habe ich viele Leute kennen gelernt, wir sind hier wie eine kleine Familie. Außerdem haben Videospiele meinen Zeichenstil sehr geprägt", erzählt die 18-jährige Aileen. "Man merkt, wie die Mitarbeiter des Jugendhilfswerk selbst leidenschaftliche Spieler und Spielerinnen und mit Herzblut dabei sind. Sie zeichnen die Computerspielschule für mich aus," sagt der 18-jährige Yannik.
  • Computerspielschule: Web

  • Was: Offenes Gamingangebot der Computerspielschule
  • Wann: jeden Freitag 15.30 Uhr bis 18 Uhr
  • Wo: Jugendhilfswerk Freiburg, Konradstraße 14

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