Fußball

Im Bundestag fiebert ein Fanclub mit dem SC Freiburg mit

Clara Müller

An diesem Freitag trifft der SC Freiburg im Europa-Park-Stadion auf Dortmund. Nicht nur im Stadion fiebern Fußballfans mit, sondern nun auch im Bundestag – im Fanclub "Bundestags-Füchse".

"Fohlen des Bundestags", "bundesAdler" und nun die "Bundestags-Füchse". Was ein bisschen klingt wie ein Zoo mitten im politischen Berlin, sind in Wahrheit die Fußball-Fanclubs der Bundestagsabgeordneten. Nachdem Fans des Eintracht Frankfurt 2012 den ersten Fanclub eines Fußballvereines im Bundestag gründeten, folgten mit den Jahren mehr als zehn Unterstützerclubs: Unter anderem für den FC Bayern, VfB Stuttgart, Borussia Mönchengladbach und Mainz 05. Dass es solche Gruppierungen im Bundestag gibt, war Yannick Bury, CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Emmendingen-Lahr zum Antritt der Wahlperiode im vergangenen Jahr nicht bewusst. "Zu Beginn der Wahlperiode kamen Rundmails von allen möglichen Fanclubs, die es im Bundestag schon gibt. Ich habe gewartet, bis die Rundmail vom SC-Freiburg-Fanclub kommt", erzählt Bury. Aber die kam nicht.

Seit Mai gibt es den SC Fanclub

Im Gespräch mit älteren Abgeordneten habe Bury herausgefunden, dass es diesen gar nicht gebe. "Da dachte ich mir, das muss man ändern", sagt der Abgeordnete. Und so wurden im Mai die "Bundestags-Füchse", der offizielle SC-Freiburg-Fanclub des Bundestags gegründet. Bury wurde zum Vorstandsvorsitzenden der "Bundestags-Füchse" gewählt. Abgeordnete der SPD, Union, FDP und Grünen, sowie Mitarbeitende des Bundestags sind Mitglieder, insgesamt sind es fast 30 Fans aus der ganzen Republik. Die Anhänger kommen nicht nur aus Süddeutschland, sondern auch aus Berlin, Nordrhein-Westfalen und anderen Landesteilen. Stellvertretende Vorsitzende ist die Freiburger Grünen-Abgeordnete Chantal Kopf, Stellvertreter der Emmendinger SPD-Abgeordnete Johannes Fechner sowie Christoph Hoffmann, FDP-Abgeordneter aus dem Wahlkreis Lörrach-Müllheim. So viele Parteien wie möglich sollten beim Vorstand vertreten sein.

Die erste Aktivität des Fanclubs sei der Besuch des DFB-Pokalfinales im Mai im Berliner Olympiastadion zwischen dem SC Freiburg und RB Leipzig gewesen, so Bury. Für die kommende Saison hat der Fanclub laut Bury weiteres geplant: In den Sitzungswochen des Bundestages würde man die Spiele gemeinsam anschauen, außerdem sei ein Stadionbesuch in Freiburg geplant, der Verein habe bereits eingeladen. Die Kosten für solche Aktivitäten würden die Mitglieder des Vereins selbst finanzieren.

"Das ist ein nicht-politisches Treffen, wo man sich auf persönlicher Ebene ein bisschen kennenlernen kann und in einer deutlich ungezwungeneren Atmosphäre zusammenkommt." Yannick Bury
Parteilichkeit soll dabei über Bord geworfen werden. "In der Unterstützung für den SC sind wir uns einig", so Bury. "Solche Formate sind auch für den politischen Betrieb gar nicht so schlecht. Das ist ein nicht-politisches Treffen, wo man sich auf persönlicher Ebene kennenlernen kann und in einer ungezwungenen Atmosphäre zusammenkommt", sagt er. Doch es gehe nicht nur um den Kontakt untereinander. Ein besonderes Anliegen des Fanclubs sei es, sich mit anderen Fans zu vernetzen. In Berlin gibt es seit mehr als 20 Jahren die "Spree-Bobbele", der Fanclub von in Berlin-lebenden Sportclub-Fans. Mit diesen wolle man Kontakt aufnehmen und sie einladen. "Wir wollen uns als Bundestagfanclub nicht abkoppeln", stellt Bury klar.

Politische Richtigkeit – auch bei informellen Gruppierungen

Auch wenn es um Fußball geht, muss es dennoch politisch korrekt im Bundestag ablaufen. So musste die Gründung des Fanclubs der Bundestagspräsidentin gemeldet werden. Und auch eine Satzung wurde in der Gründungsversammlung festgelegt. Alle zwei Jahre wird es eine Mitgliederversammlung und eine Vorstandswahl geben. "Es gab noch kurz die Überlegung, ob man in die Satzung aufnimmt, dass man drei Strophen des Badnerliedes auswendig können muss, um Mitglied zu werden", erzählt Bury. Doch nach kurzer Diskussion entschied man sich erstmal dagegen. "Es gibt ja auch Kollegen aus Norddeutschland, die SC-Fans sind", erklärt er.

Für die erste Saison des Fanclubs hofft der Verein auf das bekannte Ziel des Sportclubs: Den Klassenerhalt schaffen. "Und eine ähnliche Saison wie die letzte wäre natürlich ein Traum für jeden SC-Fan", ergänzt Bury.