Ich steh' dazu: Ich wohn' im Vauban

Hannah Oschwald

Tofu-Fresserin, Öko-Spießerin, Birkenstocksandalenträgerin - solche Schmähungen muss unsere Autorin Hannah Oschwald immer wieder erleiden, wenn's um ihren Stadtteil geht. Die 15-jährige Gymnasiastin wohnt seit sieben Jahren mit ihren Eltern im Vauban - und steht dazu.



Vorneweg: Noch nie haben in Freiburg so viele Jugendliche für die Grünen gestimmt wie bei der letzten U18-Wahl vor zwei Jahren - nämlich über 50 Prozent. Bei der U18-Bundestagswahl dieses Jahr kamen die Grünen in Freiburg immerhin auf 26 Prozent. In Anbetracht dessen müsste es für Jugendliche doch toll sein, sich schön grün "Vaubanler" nennen zu dürfen, oder nicht? Fast ein Drittel der Vaubanler sind unter 18 Jahre alt - das ist fast doppelt so viel wie in Freiburg insgesamt. Die meisten davon sind allerdings jüngere Kinder unter 15 Jahren. So viel zur Statistik.

Aber wie ergeht es mir damit, als 15-Jährige, die zwar seit sieben Jahren im Vauban lebt, aber in der Innenstadt zur Schule geht? Um es kurz zu machen: Ich muss so einiges einstecken, weil sich eigentlich immer irgendjemand über uns Vauban-Bewohner lustig macht. "Diese Tofu-Fresser!", "Das sind doch alles Öko-Spießer!", "Die tragen doch immer Birkenstocksandalen und Filzumhänge!" - solche Kommentare bekommt man oft zu hören. Aber als Vaubanler sollte man sich nicht zu sehr darüber aufregen, weil die meisten Sprüche halt doch nur spaßig gemeint sind - und weil die meisten Spötter einfach keine Ahnung haben, dass Menschen aus dem Vauban keine andere Spezies sind.

Denn: Das stimmt natürlich alles nicht. Wir Vauban-Jugendliche essen genau Dasselbe wie unsere Mit-Jugendlichen aus Haslach, der Wiehre oder Zähringen. Wir empfinden uns nicht als übermäßig "öko", und wir tragen auch keine Birkenstocksandalen und Filzumhänge - jedenfalls nicht öfter, als das andere Freiburger auch tun.

Abgesehen von derlei Sticheleien leben aber - laut einer Umfrage der Badischen Zeitung - die meisten Jugendlichen gerne im Vauban. Das gilt auch für mich.

Wenn ich an meinen Heimatstadtteil denke, fällt mir als erstes ein, dass ich sehr leicht und schnell in der Innenstadt und/oder am Bahnhof bin - mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln - und trotzdem einigermaßen abgeschottet und ruhig lebe. Um mich herum habe ich viel Natur, schöne Häuser, keinen Verkehrslärm. Nun gut, man hört viele Kinder, aber das stört mich nicht. Ich mag Kinder.

Außerdem sind die Vaubanler sehr nett! In den Kommentaren auf fudder.de und badische-zeitung.de werden sie oft als "spießig" oder "Freaks" bezeichnet. Und auch wenn ich nicht behaupten möchte, dass es diese Leute dort gar nicht gibt, will ich hier eine Lanze für die Vaubanler: Der Großteil von ihnen ist offen und freundlich. Und ihnen ist es halt einfach nur wichtig, die Natur zu schützen und sich gesund zu erähren.

Meine Freundin Lea, die auch im Vauban wohnt, meint:

Es ist bestimmt korrekt, dass man im Vauban auf engem Raum lebt (wobei es da sicher andere Stadtteile gibt, in denen es auch nicht anders zugeht), aber als nervend empfinde ich das als Jugendlicher überhaupt nicht! Man kennt sich in der Baugruppe wie in einer großen Gemeinschaft, veranstaltet zusammen Baugruppenfeste und leiht sich mal ein Ei beim Nachbarn, wenn man gerade keine Zeit hat einkaufen zu gehen. Die Atmosphäre im Vauban ist gut, und auch Jugendliche untereinander gehen hier sehr respektvoll und offen miteinander um.

Lange gab es im Vauban nur wenige Angebote für Jugendliche. Inzwischen hat sich da einiges getan! Jugendliche ab zwölf Jahren können sich in den Jugendräumen im Haus 37 am Marktplatz treffen, wo ihnen ein großer Gruppenraum zur Verfügung steht - mit Billardtisch, Kicker und Tischtennisplatte sowie Internetcafé. Es gibt regelmäßige Angebote wie verschiedene Kurse und Workshops, Filmabende, Partys oder gemeinsame Ausflüge. Wer schnell rüber nach St. Georgen fährt, der hat außerdem die Möglichkeit, ins Schwimmbad zu gehen oder zur KJG.

Allzu heil ist die Welt im Vauban übrigens nicht. Laut einer Umfrage der Badischen Zeitung (Stadtteil-Check) gab es für 57 Prozent der Befragten einen Ort im Vauban, den sie aus verschiedenen Gründen als unangenehm oder bedrohlich empfinden. Mit Abstand am häufigsten nannten sie den Paula-Modersohn-Platz, der inzwischen ein beliebter Treffpunkt von Jugendlichen geworden ist – auch von außerhalb!

Mein Fazit: Insgesamt lebt es sich wirklich gut im Vauban, auch als Jugendliche. Man hat seine Ruhe, aber kann trotzdem jederzeit in die Stadt fahren. Das einzige, was mich stört, sind die blöden Kommentare. Jeder hat zwar seine eigene Meinung, aber wenn man keine Ahnung hat, sollte man lieber mal nichts sagen!

Zur Person



Hannah Oschwald
kommt aus Freiburg, ist 15 Jahre alt und besucht die zehnte Klasse des St. Ursula Gymnasiums. In ihrer Freizeit schreibt sie am liebsten verrückte Geschichten, die ihr gerade in den Sinn kommen und spielt Theater und Klavier. Wenn dann noch Zeit übrig bleibt, tanzt sie Zumba und bekocht ihre Familie.

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