Helge Schneider: Wullewupp Humor?

David Weigend & Markus Berger

Ausverkauftes Zirkuszelt, hohe Erwartungshaltung: Am Mittwoch ist Helge Schneider beim Zeltmusikfestival aufgetreten. Schneider ist ein Meister der Improvisation und die ist oft abhängig von der Tagesform. Wurde sie dem Humoranspruch des Publikums gerecht?



Der erste Eindruck: Schneider ist nicht allein gekommen. Zum 35. Bühnenjubiläum hat er standesgemäß seine Band mitgebracht, mit Schlagzeuger, Bassisten, Gitarristen, Pianisten, Stimmungstänzer und Teebutler. Die „Opas“, wie Schneider sie nennt, spielen Bluesrock und Jazziges. Schneider täuscht drei Mal an, dass er auf die Bühne kommt, aber er kehrt immer wieder um. Beim vierten Mal kommt er wirklich. Diese Humortechnik wird Schneider heute noch oft anwenden: Er baut Erwartungen auf, die er nicht erfüllt. Genau darüber lacht man dann. Zwei Stunden und 20 Minuten lang.

Die Musik: Schneider bringt die Klassiker, also: „Telefonmann“, „Die Trompeten von Mexico“, „Buttersong“, „Meisenmann“ und „Katzeklo“. Textlich hat Schneider einmal mehr Varianten der Originale parat, die an Albernheit kaum zu übertreffen sind. Aber die Unberechenbarkeit von Schneiders Pointen machen sie so witzig. Auf das musikalische Können Schneiders hat das Publikum noch nie das Augenmerk gelegt. Dennoch darf man nicht unterschätzen, dass er an diesem Abend sieben Instrumente spielt und die nicht eben schlecht: Spinett, Vibraphon, Gitarre, Mundharmonika, Blockflöte, Saxophon und Trompete. Letztere hat er angeblich „im Fernsehgarten auf der Toilette gefunden.“ Schneider, der Allroundjazzer.

Der Humor: Zwischen den Songs baut Schneider seine teils improvisierten Wortbeiträge ein. Immer wieder spielt dabei Butler Pablo eine Rolle, der Schneider heißen Hagebuttentee bringen muss. Pablo ist Schneiders Zögling, der sich in der hohen Schule des Servierens unterweisen lässt. Was bei anderen Humoristen für einen müden Sketch ausreichen würde, schaut man sich bei Schneider gern länger an. Denn alles, was der Mülheimer sagt und spielt, ist von höchster Absurdität: Die verkniffenen Gesten (das minutenlange, umständliche Stimmen der Gitarre); die widersprüchlichen Behauptungen, das Vernuschelte, die Wiederholungen; das Andeuten einer Handlung und das Scheitern derselben.

Der Haken: Schneiders Humor ist in Schriftform nicht lustig. Das Geheimnis des Witzes liegt darin, wie Schneider ihn vorträgt – wie er Pointen vorwegnimmt, verschludert und in Stücke schneidet. Beispiel dafür: Das Imitieren des völlig unnatürlich sprechenden Promi-Simultandolmetschers bei „Wetten, dass…?“

Outfit: Schneider trägt keinen Schnurrbart, dafür einen grauen Zweireiher, dazu quietschbunte Krawatte und eine Schirmmütze, wie sie Grundschüler zum Detektivspielen aufziehen. Sie fällt ihm bisweilen vom Kopf, da ihn Schneider beim Spinettspiel heftig schüttelt.

Publikum: Das Auditorium liegt Schneider zu Füßen und wartet gespannt auf spontane Einfälle des Unterhaltungskünstlers. Als man etwa von draußen das Motorgeräusch eines Flugzeugs hört, sagt Schneider: „Hören Sie das? Das ist mein Chauffeur. Er kreist bereits.“ Solche Sprüche kommen gut an bei den Zuschauern. Ebenso der große Nonsense, auch die Parodie eine Chansons und einer TV-Expeditionssendung á la Heinz Sielmann. Viel Zwischenapplaus, einige spontane Zurufe des altersmäßig gut durchmischten Publikums.

Was wir noch gern gewusst hätten: Warum heißt das Programm Wullewupp Kartoffelsupp? Jene Suppe kommt kein einziges Mal vor.

Geschmackssache: Der kauzige Zeremonienmeister lässt seinen Percussionisten Fuzzy (Sergej Gleithman, der laut Schneider aus dem Duisburger Zoo kommt) immer wieder befremdliche Nummern machen: die Katze im „Katzeklo“, eine mexikanische Tunte oder den Falschtröter in der Zugabe „My Way“. Auf einige Zuschauer wirkt die Rolle des dummen August etwas zu despektierlich.

Was in Erinnerung bleibt: Das Schlagzeugsolo von Pete York. Trotz „Ischiasspritzen, Tabletten und Schlaflabor“ hat York vielen jüngeren Kollegen gezeigt, wie man das macht. Auch Zuschauer Heiko Butscher applaudierte da kräftig.

Spruch des Abends: „Ich fand’s toll, hier gewesen sein zu müssen.“

Bewertung: Zwei plus, für Helgefans vielleicht auch mehr. Für diejenigen, die ihn erstmals live gesehen haben, ein feiner Appetitanreger. Wer hingegen mit Schneiders Humor wenig anfangen kann, dürfte auch an diesem Abend kaum überzeugt worden sein.

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