Hannes Mercker: Leidenschaft für Krakeleien

Christoph Ries

Hannes Mercker (26) hat in Freiburg Lehramt studiert, kam sich als Lehrer aber doof vor und hat sich deswegen im vergangenen Jahr als Cartoonist selbstständig gemacht, verdient damit seinen Unterhalt. Kritiker loben seinen abstrusen Humor. Wir haben uns mit ihm getroffen und zeigen euch eine Auswahl seiner Cartoons.



Vielleicht war es die endlose Weite der Nordseeinsel Pellworm, vielleicht der trockene Humor ihrer Bewohner, die in Hannes Mercker einen Cartoonisten wachsen ließ. 2002 verbrachte er als Zividienstleistender ein ganzes Jahr auf der Insel. Im Sommer gab es viel zu tun: Hannes führte Urlauber durchs Watt und organisierte Vogelzählungen.

Im Winter aber waren die Insel leer und die Abende lang. Hannes begann zu zeichnen. „Krakeleien“, wie er selbst sagt. Dann kam der Sommer wieder und Hannes zog nach Freiburg, um ein Lehramtsstudium zu beginnen. Deutsch, Geographie und Geschichte auf Grund- und Hauptschule. Die freie Zeit wurde knapper, die Krakeleien verschwanden in der Schublade. Die Leidenschaft aber blieb.

Mit dem, was als Krakelei im dunklen Winter auf Pellworm begann, verdient der 26-Jährige heute seinen Unterhalt. Hannes Mercker hat sich als Cartoonist selbstständig gemacht. Im vergangenen Jahr war der gebürtige Oldenburger mit seinen Zeichnungen für den deutschen Cartoonpreis nominiert. Anfang Mai erscheint http://www.hannes-mercker.de/aktuell.php" titel="">sein erstes Comicbuch. Kritiker loben seinen abstrusen Humor und seine überzeichneten Alltagsbeobachtungen. Nebenbei arbeitet Hannes Mercker als Illustrator für Kinderbücher.



Dabei hätte alles ganz anders werden sollen. Staatsdienst, Verbeamtung, festes Monatsgehalt – das war die Zukunft des Grundschullehrers Herr Mercker. Das erste Staatsexamen hatte er schon hinter sich, nach vier Monaten im Referendariat kamen die Zweifel. „Mein genialer Plan war, das Studium durchzuziehen und auf eine halbe Stelle als Lehrer zu spekulieren“, sagt Hannes. „Aber ihm Referendariat merkte ich, dass ich mir als Lehrperson doof vorkam.“ Als der Frust immer größer und die Cartoons immer besser wurden, stieg Hannes aus. Vorerst. Er hat sich die Möglichkeit offen gelassen, noch einmal ins Referendariat zurückzukehren. Aber eigentlich möchte er nicht zurück. Referendariat? Nichts für einen Cartoonisten! „Da braucht man zu viel Geduld und gute Laune.“



Was geblieben ist, ist die Disziplin, die Hannes aufbringen muss. Im Extremfall erwarten Kunden 365 Tage im Jahr witzige Zeichnungen. „Das Schlimmste wäre, Mittelmaß abzuliefern“, sagt Hannes. „Um zwölf aufstehen und mal ein Bildchen malen, geht nicht.“ Cartoonisten müssen sich in Stimmung setzen, zur Kreativität zwingen. Hannes tut das mit Spaziergängen. „Manchmal reicht es, durch die Stadt zu laufen und sich zu fragen: was wäre, wenn...“. Anschließend wandert die Idee ins Skizzenbuch, aufs Blatt und schließlich zum Nachkolorieren in den Computer. Ein bis drei Stunden dauert es von der Idee bis zum fertigen Cartoon.

Kurz vorm Einschlafen, wenn der Kopf leer ist, kommen ihm die besten Ideen. „Ich habe immer Zettel und Stift neben dem Bett liegen“, sagt Hannes. Bereitschaftsdienst, falls sich seine Figuren den Weg in sein Bewusstsein bahnen. Dann sieht Hannes den Arzt fiese Witze über den Körperbau seiner Patienten reißen und Rentner beim Geographieunterricht Antworten an die Tafel schreien. Seine Freundin, die er auf Pellworm kennen gelernt hat, hat sich längst daran gewöhnt, dass kurz vor Mitternacht nochmal das Licht angeht. Es ist die Zeit, in der sich der Geist und der Winter auf Pellworm am nächsten sind.

Mehr dazu:

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