Club der Freunde

Nach der Echo-Verleihung

Hannes Loh: "Kollegahs Rhetorik ist nicht weit entfernt von Björn Höcke"

Nach dem Skandal um die Echo-Vergabe stellt sich die Frage: Liegt das Problem bei Kollegah und Farid Bang oder im HipHop selbst? Ex-Rapper und Autor Hannes Loh im Interview über Battlerap und Antisemitismus.

BZ: Der Skandal um Kollegah und Farid Bang hat sich an Sätzen wie: "Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm’ an mit dem Molotow" entzündet. Ist der Satz antisemitisch oder normaler HipHop-Sprech?
Loh: In der Diskussion darum geht einiges durcheinander. Es geht ja immerhin um zwei verschiedene Rapper. Kollegah ist in der HipHop-Szene das, was Helene Fischer in der Schlagerszene ist: sehr erfolgreich, geschäftstüchtig und aalglatt. Die Zeilen, die Sie ansprechen, stammen aber von seinem Sparring-Partner Farid Bang. Sie sind ohne Zweifel zynisch und menschenverachtend. Aber meiner Ansicht nach nicht antisemitisch. Farid Bang hat sich im Nachhinein auch bei der Auschwitzüberlebenden Esther Bejarano dafür entschuldigt. Ich glaube daher nicht, dass Farid Bang antisemitisch ist. Kollegah dagegen arbeitet schon seit Jahren mit antisemitischen Versatzstücken. Er schwadroniert über die Weltverschwörung der Illuminati, zählt reiche Familien und Banker auf, die angeblich hinter allem stecken. Kollegah ist ein moderner Populist, der auch die sozialen Medien ganz gezielt einsetzt. Wenn man genau hinhört, ist Kollegahs Rhetorik nicht weit entfernt von einem Björn Höcke.
Eines der Verschwörungsvideos von Kollegah
BZ: Hat der deutsche HipHop ein Antisemitismusproblem?
Loh: Das ist bei ein paar Rappern ...

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