Basketball in Freiburg

Haben die USC Eisvögel gegen Corona-Vorgaben verstoßen?

Joachim Röderer

"Keine Genehmigungen am Telefon": Wegen des Bundesligaspiels vor 100 Zuschauern droht dem Freiburger Verein ein Bußgeld. Der USC wehrt sich und verweist auf Gespräche mit dem Ordnungsamt.

Viel zu jubeln hat es für die 100 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Sepp-Glaser-Halle am Sonntag nicht gegeben. Mit 57 zu 84 verloren die USC Eisvögel ihr Bundesligaspiel gegen den TSV 1880 Wasserburg. Doch weit über das Ergebnis hinaus gibt es um die Partie nun Diskussionen. Das Amt für öffentliche Ordnung geht davon aus, dass die Eisvögel vorsätzlich gegen die Corona-Verordnung des Landes verstoßen haben. Denn in Städten mit hohem Infektionsgeschehen muss der Profi- und Spitzensport vor leeren Rängen stattfinden.


Der USC verteidigt sich: Man habe vom Ordnungsamt auf telefonisches Nachfassen die angebliche Zusage gehabt, dass die Eisvögel dem Amateurbereich zugeordnet werden könnten. Denn die Corona-Verordnung unterscheidet sich zwischen dem Profi- und Spitzenbereich und der "normalen" Ebene. Amateure dürfen nach der Corona-Verordnung Sport vom 23. Oktober aktuell vor bis zu 500 Zuschauern spielen. "Wir haben dann von uns die Begrenzung auf 100 angeboten", sagt USC-Vize Uwe Stasch.

Es habe natürlich auch ein Hygienekonzept gegeben. Stasch hält es für gerechtfertigt, die Eisvögel in die Amateur-Schublade einzusortieren: "Im Profi- und Spitzensport geht es um bezahlte Kräfte, das ist bei uns zu 80 Prozent nicht der Fall." Der Vereinsvertreter sagt, der USC sei sich keiner Schuld bewusst. Warum hätten sich die Eisvögel über eine Vorgabe hinwegsetzen sollen, wo doch klar sei, dass es bei solch einer öffentlichen Veranstaltung herauskommen werde? "Wir sind nicht bescheuert", sagt Stasch. Die Eisvögel, fügt er hinzu, hätten ohne zu murren auch in der leeren Halle gespielt.

Alle anderen Freiburger Bundesligateams hatten an diesem Wochenende oder an dem davor genau keine Zuschauer: nicht die SC-Profis oder die EHC-Wölfe, auch nicht Ringer, Handballerinnen, oder Volleyballer. René Funk, der Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung, hält die Verordnung auch nicht für schwer verständlich. Unter die Rubrik Profi- und Spitzensport fielen Erst- und Zweitligateams. Und in der Verordnung ist auch erklärt, wer zur oberen Gruppe zählt; die deutsche Fußball-Liga und Mitglieder der Interessengemeinschaft Teamsport. Dazu zählt: der Deutsche-Basketballbund.

Kein Spielraum für die Behörde

In der Landesverordnung hat der Spitzenbereich einen eigenen Paragrafen. Dort steht "Sofern der Schwellenwert von 35 neu gemeldeten Sars-CoV-2(Coronavirus)-Fällen pro 100.000 Einwohner in dem jeweiligen Stadt- oder Landkreis des Austragungsorts in den vorangehenden sieben Tagen (…) vor dem Tag des (...) Sportwettbewerbs überschritten wurde und das Infektionsgeschehen nicht klar eingrenzbar ist, dürfen keine Zuschauerinnen und Zuschauer bei dem (…) Sportwettbewerb anwesend sein." Die Sieben-Tage-Inzidenz lag in Freiburg am Spieltag bei 68,8 – also um fast das Doppelte über dem 35er-Grenzwert.

Es gebe da keinen Spielraum, so Amtsleiter Funk. Das Amt habe lediglich die unterschiedlichen Regelungen aufgezeigt, selbst aber keine Einsortierung getroffen. Das könne das Ordnungsamt gar nicht. "Und wir geben auch keine Genehmigungen am Telefon", so Funk. Den Eisvögeln drohe nun ein Bußgeld.