fudder-Serie

Gründen in der Krise: Freiburgerin Eva Helmeth hat einen Pflegestick entwickelt

Gina Kutkat

Ihr Reise- und Abenteuerfieber brachten die Freiburgerin Eva Helmeth auf die Idee, ein praktisches Hautpflegeprodukt zu erfinden, das in jede Tasche passt. Der "Mon courage"-Stick ist ein fester Balsam in Form eines Pflegesticks.

Gründen in der Krise

Es ist ein Geistesblitz, der Eva Helmeth darauf bringt, einen Balsam für alles zu entwickeln. Einen Stick aus Sheabutter, Kokosöl und Kakaobutter, der Gesicht, Hände und weitere Körperpartien pflegt. Die 41-jährige gebürtige Denzlingerin ist zu dem Zeitpunkt schon lange am Tüfteln und Ausprobieren. Oder am "Rühren", wie sie dazu sagt. "Es war ein richtiger Aha-Moment", sagt Eva Helmeth. "Der Stick verbindet all meine Leidenschaften." Denn sie liebt es, unterwegs zu sein und sie liebt die Kraft der Naturkosmetik.

In einem Zimmer ihrer Wiehre-Wohnung hat sie sich eine Hexenküche eingerichtet, mit Blick auf den Annaplatz. Hier hat sie sich mit ihrer Familie niedergelassen. "Dabei hätte ich nie gedacht, dass ich mal in Freiburg lande", sagt Eva Helmeth. Mit dem Rad durch Spanien oder mit dem Bulli durchs australische Outback: "Schon mein ganzes Leben lang reise ich gerne und bin immer mit Rucksack unterwegs", sagt Eva Helmeth. Die Krux: Die vielen Cremes und Tiegelchen, die das Gepäck noch schwerer machen.

Die Idee

Anfang 2020 will sie sich selbstständig machen und überlegt, was das Richtige wäre. Da hat sie schon den VHS-Kurs "Naturkosmetik selber machen" und eine Ausbildung bei der Freiburger Heilpflanzenschule hinter sich. Eva Helmeth ist begeistert von den Pflanzen, die vor ihrer Haustür wachsen und ihrer Wirkung. "Es hat mich wirklich fasziniert, noch mehr über ihre Heilkraft zu lernen", sagt Helmeth. Ein Vertiefungskurs in Naturkosmetik bei der Koryphäe Heike Käser erweckt dann ihr Interesse für Cremes und ihre Inhaltsstoffe. "Ich war früher ein typisches Nivea-Kind", so Helmeth. "Zum ersten Mal habe ich mich gefragt, was in Cremes steckt und was die Haut braucht." Sie rührt in ihrer Hexenküche und stellt ihre ersten Cremes her.

Ein Gespräch mit einer Bekannten bringt sie dann auf die Idee, ein Hautpflegeprodukt zu entwickeln, das so ist wie das Schweizer Taschenmesser. Einfach, praktisch, klein und für vieles einsetzbar. Die Bekannte packte zu der Zeit gerade ihren Rucksack für den Jakobsweg und beschwerte sich, dass sie so viel mitnehmen musste. Tagescreme, Nachtcreme, Bodylotion, Handcreme, Lippenpflege, Fußbalsam. Es folgte der Geistesblitz: "Wie wäre es, wenn wir ganz einfach nur noch eine Hautpflege für Alles hätten?", fragte sich Helmeth. Im ersten Lockdown probiert sie verschiedene Rezepturen aus. Den ersten Prototypen füllt sie in eine leere Pralinenform und geht damit Wandern. Mehr als ein Jahr lang arbeitet sie an Rezeptur, Konsistenz und Verpackung, bis sie Ende November die ersten 5500 Sticks für ihr Start-Up "Mon Courage" produziert.



Die Gründerin

Als Kind verbrachte sie ein paar Jahre an der Elfenbeinküste, nach dem Abitur reiste sie nach Indien, dann studierte sie in Australien Anthropologie und Aboriginal Studies. Der Master "Global Studies" der Uni Freiburg war dann wie für sie gemacht: "Ein Eva-Studiengang." Auf verschiedenen Kontinenten studieren und globale Zusammenhänge verstehen. Beruflich konzentrierte sich Helmeth später auf Car- und Bikesharing: Viele Jahre pendelte sie in die Schweiz, um als Projektleiterin die nachhaltige Mobilität voranzubringen.

Als sie wegen einer verschleppten Erkältung ins Krankenhaus muss, fragt sie sich, warum sie sich nicht selbst helfen konnte. Nach einiger Recherche beschließt sie, die Ausbildung in Pflanzenheilkunde zu machen, die schließlich zu ihrer Hexenküche und der Gründung von "Mon Courage" führt. "Der Name steht dafür, dass man Abenteuer leben und seinem Herzen folgen soll", sagt Helmeth.
fudder-Serie "Gründen in der Krise"

fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

Überblick: Alle Teile der Serie "Gründen in der Krise"

Ein Stick für alles

Was braucht die Haut im Gesicht, was benötigen die Lippen und was pflegt auch den Körper? Diese Fragen beschäftigen Eva Helmeth bei der Herstellung ihres Sticks, der 23,95 Euro kostet. Am Ende kommt sie auf 27 Rohstoffe. "Jede Pflanze verfügt von Natur aus über ein breites Spektrum von Einsatzmöglichkeiten", so Helmeth. Sheabutter stärkt empfindliche Haut und baut verhornte ab, Kokosöl fördert Wundheilung und hemmt Entzündungen. Für den Stick verbindet Eva Helmeth altbewährte Hautpflanzen wie Calendula und Sanddornfruchtfleischöl mit modernen Naturkosmetikwirkstoffen wie Q10 und Lecithin.

Ihr Produkt lässt sie in Köln abfüllen, abgeholt hat sie ihre Sticks vor einer Woche selbst. "Das war so ein tolles Gefühl!" In Zukunft möchte sie noch mehr über die Herkunft ihrer Rohstoffe erfahren und mit den Direkterzeugern zusammenarbeiten. Die ätherischen Öle bezieht sie bereits direkt von einer befreundeten Bio-Destille aus der Provence.
Mehr zum Thema: