fudder-Serie

Gedankenspiel: Schüler blicken aus der Zukunft auf die Corona-Zeit zurück

fudder-Redaktion

Es wurde viel über Schule und Corona gesprochen– jetzt kommen die Schülerinnen und Schüler zu Wort. Bei einem Projekt des Kreisgymnasiums Hochschwarzwald haben Schüler ihre Gedanken aufgeschrieben. fudder veröffentlicht ihre Geschichten.

Was denken Schülerinnen und Schüler über das Coronavirus und dessen Auswirkungen? Für ein Projekt des Kreisgymnasiums Hochschwarzwald haben 100 Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf, acht, neun und zehn ihre Gedanken und Gefühle zur Pandemie aufgeschrieben. Entstanden sind 163 Geschichten und Gedichte. Dirk Philippi ist Lehrer für Deutsch und Sport am Kreisgymnasium und hat den Anstoß zum Projekt gegeben. Er hat die Geschichten in einem E-Book zusammengefasst. fudder veröffentlicht einige der so entstandenen Geschichten.

Thema 5: Synapsenreise

Innerer Monolog: Es ist 2021 und ihr seid an Eurem Lieblingsort. Dort denkt ihr an das Jahr 2020 zurück.

Endlich

Ich habe dich so vermisst! So lange konnte ich jetzt nicht mehr hier sein und deine wunderschöne Vielfalt genießen. Das letzte Jahr war sehr anstrengend und traurig. Erst kam die Auseinandersetzung zwischen dem Iran und den USA. Dann kamen die Waldbrände in Australien und dann noch Sturm Sabine.

Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, kam dann auch noch dieses blöde Virus, das das Leben von Millionen Menschen auf den Kopf gestellt hat. Wochenlang saßen wir Zuhause und durften nur raus, wenn es dringend war. Wochenlang hatten wir keine Schule oder nur sehr stark eingeschränkt und konnten unsere Freunde nicht sehen. Das war schon eine sehr schreckliche Zeit.

Leider mussten uns in dieser Zeit viele Menschen verlassen, die eigentlich noch viele Träume und Ziele hatten. Zum Glück kenne ich keinen, der gestorben ist. Dafür bin ich sehr dankbar. Es war aber nicht alles schlecht. Ich möchte nicht nur an die negativen Dinge denken. Zum Beispiel konnte ich lernen, wann und wo ich wollte. Es war sehr entspannt, einfach hinzuliegen um eine Pause zu machen.

Ich hatte außerdem viel Zeit für Dinge, für die ich normalerweise keine Zeit habe. Ich finde es schrecklich, wie sich von einen auf den anderen Tag alles ändern kann. Da merkt man erst, wie gut es einem geht. Ich war und bin echt froh, dass ich in so einem gut ausgestatteten Land wohnen darf. In vielen anderen Ländern war es ja noch viel schlimmer. Wir hatten zum Glück die ganze Zeit genug zu essen, genug Geld und ein funktionierendes Gesundheitssystem. Manchmal habe ich mich gefragt und frage ich mich immer noch, was ich den ganzen Tag in der Quarantäne so gemacht habe.

Und um ganz ehrlich zu sein, weiß ich es immer noch nicht. Irgendwann sind die Tage einfach nur noch so an mir vorbeigezogen. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, wann diese Zeit vorbei geht. Irgendwann habe ich aber dann festgestellt, dass es keinen Sinn macht, weil man es nicht ändern kann. Ich habe oft an die Leute gedacht, denen es gerade nicht so gut geht wie mir und habe mir gewünscht, dass alles wieder gut wird.

Ich habe mir allgemein viele Gedanken darüber gemacht, warum es Leid, Hass, Diskriminierung und viele weitere schlechte Dinge auf dieser Welt gibt. Warum können die Menschen nicht einfach friedlich miteinander leben? Es war ein sehr aufregendes, turbulentes, trauriges, aber auch schönes Jahr, in dem ich viel dazugelernt habe. Jetzt sitze ich hier und bin überglücklich und dankbar, dass ich hier sein kann.

Endlich kann ich wieder am See sitzen und den Tag genießen. Endlich kann ich wieder hier sein und die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen. Endlich kann ich wieder dorthin gehen, wohin ich will. Endlich ist dies Zeit des Wartens vorbei und niemand wird mehr unter dieser schrecklichen Krankheit leiden.

Lena, 9a

Zurück zur Kreativität

Ich bin im Jahr 2021, hier im Garten meiner Eltern. Die Zeit des Coronavirus ist vorbei. Wann sie genau laut Regierung aufgehoben wurde, weiß ich nicht, ist schon zu lange her. Ich kann mich nicht mehr an das Datum erinnern und doch weiß ich noch alles andere.

Ich weiß noch, wie es war, zu den Zeiten als das Virus uns allen zu schaffen gemacht hat. Ich hatte definitiv großes Glück. Warum? Ganz einfach, weil meine Familie ein Haus mit Garten hat und nah am Wald wohnt. Ich war immer glücklich, dass ich irgendwas zu tun hatte und wenn es nur Spazieren gehen war mit unserem Hund. Ich wüsste nicht, was aus mir geworden wäre, ohne die sportliche Betätigung, die ich regelmäßig mehrmals die Woche gemacht habe. Oder ohne den Einfallsreichtum, den ich wiederentdeckt habe, in der Zeit als ich keine Lust mehr auf Handy oder Filme hatte.

Diese Kreativität hatte ich nicht mehr, seit ich mein erstes Handy bekommen habe, das war vor sieben Jahren. Krass, wie schnell die Zeit doch vergeht. Ich kann von Glück sagen, dass ich noch alte Spiele von früher hatte, die ich dann mal wieder mit Genuss spielen konnte. Ich hatte mir in der Vergangenheit oft vorgenommen, solche ganz simplen Spiele oder Beschäftigungen, wie z.B. Puzzeln oder Karten spielen, wieder einmal zu spielen oder auszuprobieren, und ich kann sagen, es hat mir gut getan.

Ich habe mich auch noch mehr als sonst in Bücher eingelesen, sowohl Sachbücher als auch Fantasy-Abenteuerbücher. Damals hatte ich nie Zeit dafür, aber dann kam Corona und hat alles auf den Kopf gestellt. Heute ist alles wieder normal, doch manchmal vermisse ich die Tage, als ich nicht den ganzen Tag unterwegs war. Es hat sich in diesem Jahr so viel verändert und alles zum Besseren. Leider hat das alles immer so einen Beigeschmack, wenn ich daran denke, welchen Preis wir für diese neue Welt bezahlt haben. Damals war mein Bruder in der Abiturphase und heute bin ich es. So schnell vergeht die Zeit.

Leon, 10a


Mehr zum Thema: