Ran ans Buch!

fudders Sommer-Lesetipps: 10 Bücher, die Du lesen musst

fudder-Redaktion

Corona macht es diesen Sommer schwer, richtig zu verreisen. Zum Glück gibt es Bücher, die die Flucht in andere Welten und Gegenden erlauben. Das Team von fudder empfiehlt den besten Lesestoff für die Sommerferien.

Anika Maldacker empfiehlt "Kleines Land" von Gaël Faye

Dieser Roman ist so klar, wie seine Sprache und so verwirrend, wie der Konflikt, den er beschreibt. Der kleine Gabriel wächst Anfang der Neunziger Jahre in Burundis Hauptstadt Bujumbura auf. Sein Vater ist Franzose, seine Mutter Tutsi und vor Jahren aus dem benachbarten Burundi geflohen. Die Handlung spielt sich kurz vor dem grauenhaften Völkermord in Ruanda ab, als 1994 in wenigen Wochen knapp eine Million Menschen ermordet wurden. Gaby wächst in einer Sackgasse auf, zusammen mit anderen Kindern binationaler Paare. Sie sind Teil einer privilegierten Oberschicht, die die Augen vor dem sich anbahnenden Hass im Nachbarland, der auch nach Burundi überschwappt, verdrängt. Gaël Faye, 1982 geboren, erzählt seine eigene Geschichte – oder zumindest Teile davon. Seit 1995 lebt er in Frankreich, wohin ihn sein Vater damals mit seiner Schwester geschickt hat. Dort bezeichnet er sich als integriert, wirkt jedoch wie ein Getriebener. Sein Heimatland, das er im Chaos hinterlassen hat, geht ihm nicht aus dem Kopf. Ein Roman, der wie eine Nebenerzählung daherkommt, und einen trotzdem mitreißt.
Gaël Faye: Kleines Land. Aus dem Französischen von Andrea Alvermann, Brigitte Große, Piper, München, 2017. 224 Seiten. 11 Euro (Taschenbuch), 10,99 Euro (E-Book)

Gina Kutkat empfiehlt "Alles, was ist" von James Salter

Alles, was ist. Kann man das Leben, die Liebe, die Leidenschaft, die Freundschaft, aber auch die Trauer und Traurigkeit – einfach alles, das uns und unser Leben ausmacht, besser unter einem Titel zusammenfassen? James Salter ist ein wunderbarer Erzähler und er hat eines dieser Bücher geschrieben, das man seinen Freunden immer wieder empfiehlt, damit es auch ja jeder gelesen hat. "Alles, was ist" spielt in New York kurz nach Ende des Pazifischen Kriegs und begleitet den Lektor Philip Bowman, dem die Welt zu Füßen liegt: Er heuert bei einem Theaterverlag an, verbringt seine Abende in Bars, verliebt sich in Vivian Amussen, das schöne Mädchen aus dem Süden. Er heiratet, trennt sich wieder, verliebt sich neu, wird wieder enttäuscht und stolpert weiter durch sein Leben, wie wir es irgendwie alle tun. In wenigen Sätzen erzählt Salter ganze Lebensgeschichten und man ist so nah an der Hauptperson, so nah am Leben. Und das ist alles, was ist.
James Salter: Alles, was ist. Aus dem Englischen von Beatrice Howeg, Berlin Verlag, Piper Verlag, Berlin 2013. 368 Seiten. 11 Euro (Taschenbuch), 10,99 Euro (E-Book).

Angelina Klee empfiehlt "Sonne und Beton" von Felix Lobrecht

Ein leichtes Buch, das perfekt für den Strand oder den heimischen Balkon ist. In "Sonne und Beton" erzählt der Comedian und Autor Felix Lobrecht im Berliner Slang die Geschichte von Lukas und seinen Freunden. Die Jungs leben und versuchen zu überleben in der Gropiusstadt in Neukölln. Dort planen sie einen Einbruch in der eigenen Schule, doch am Ende geht der Plan natürlich nicht so auf wie gewollt. Der Autor Felix Lobrecht ist selbst in dem Berliner Problembezirk Neukölln aufgewachsen, weshalb auch die Geschichte so authentisch ist. Eine leichte Lektüre mit viel Witz, die leicht zu lesen ist. Man sollte aber nicht zu schnell lesen, um auch über die Witze lachen zu können. Das Buch lässt einen auch über das eigene Leben nachdenken, denn wer will schon zwischen Junkies und Dealern erwachsen werden müssen?
Felix Lobrecht: Sonne und Beton, Ullstein Buchverlage, 2018, 221 Seiten. 11 Euro (Taschenbuch), 9,99 (E-Book)

Sarah Rondot empfiehlt "Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens

Debütautorin Delia Owens entführt uns an die Küste North Carolinas, ins tiefe Marschland. Genau hier wird Kya als kleines Mädchen in einer Blockhütte zurückgelassen. Jeden Tag erweitert sie ihr Wissen über die Marsch, sie streift allein umher, bis die Marsch ihre Mutter und die Möwen ihre Familie werden. Als Leser fiebert man mit, wenn plötzlich ein Junge in Kyas Leben auftaucht und sie versucht Vertrauen zu fassen. Die Geschichte der Heranwachsenden ist verknüpft mit einem verzwickten Mordfall in einer spießigen Gesellschaft, die "das Marschmädchen" ausschließt. Zwischen den Seiten fühlt man Kyas unglaubliche Naturverbundenheit, ihren Freiheitsdrang aber auch ihre Einsamkeit. Man möchte sich die poetischen Beschreibungen des Marschlands herausschreiben und kommt plötzlich auf die Idee, ein Naturkunde-Buch über den Schwarzwald zu kaufen.
Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel, Klaus Timmermann. Hanserblau, Berlin, 2019. 464 Seiten. 22 Euro (Buch), 16,99 Euro (E-Book).

Eyüp Ertan empfiehlt "Der Garten Eden" von Ernest Hemingway

Corona vermiest ein wenig die Reisemöglichkeiten in diesem Sommer – eine gute Gelegenheit, mit Ernest Hemingway und seinem Roman "Der Garten Eden" an die Côte d’Azur und nach Spanien zu fliehen. Im Mittelpunkt stehen David und Catherine, sie verbringen ihre Flitterwochen in Frankreich, eine sorgenfreie, fast schon zu idyllische Zeit. Der Alltag des frisch verheirateten Paares besteht aus dem, wie man sich Urlaub am Meer vorstellt: Viel Zeit in der Sonne, viel Zeit am Meer, gutes Essen, gute Stimmung. Eine Mischung aus unterschiedlichen Gefühlslagen, die Frage nach der Bedeutung der Beziehung und den damit verbundenen Beziehungsstrukturen führt jedoch dazu, dass die Idylle als solche nicht aufrechtzuerhalten ist – der Anfang der Abwärtsspirale.
Ernest Hemingway: Der Garten Eden. Roman. Aus dem Englischen von Werner Schmitz. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 9. Auflage, 2017. 318 Seiten, 10 Euro (Taschenbuch).

Martha Martin-Humpert empfiehlt "Diese Dinge geschehen nicht einfach so" von Taiye Selasi

Eine Familie, getrennt durch Geheimnisse und Schweigen und doch verknüpft durch Gegenwart und Vergangenheit. Die sechs – sehr unglücklichen – Protagonisten leben verstreut auf drei Kontinenten und kommen in Afrika zusammen, um den Tod des Vaters zu betrauern, der die Familie vor Jahren wortlos verlassen hatte. In Accra lernen sie sich selbst und ihre Geschichte neu kennen und beginnen zu verstehen, dass nichts ohne Grund geschieht. Mit feiner Beobachtungsgabe für Emotionen und der Hingabe an das Menschliche erzählt die britische Autorin mit ghanaisch-nigerianischen Wurzeln in klarer und gleichzeitig poetischer Sprache von den dramatischen Wendungen, die das Schicksal nehmen kann, wenn plötzlich alles aus den Fugen gerät und wir uns unserer Wurzeln auf schmerzhafte und gleichzeitig befreiende Weise bewusst werden. Ein ungewöhnlicher und einfühlsamer Roman, der einen lange nicht loslässt.
Taiye Selasi: Diese Dinge geschehen nicht einfach so. Aus dem Englischen von Adelheid Zöfel. Fischer, Frankfurt am Main, 2014. 560 Seiten. 12 Euro (Taschenbuch), 9,99 Euro (E-Book).

Carolin Buchheim empfiehlt "Baby's in black" von Arne Bellstorf

Hamburg, 1960. Die Kunststudentin Astrid Kirchherr geht mit ihrem Freund Klaus in den Kaiserkeller auf Hamburg-St.Pauli. Dort steht eine Newcomer-Band auf der Bühne, die es Klaus angetan hat: The Beatles. Auch Astrid ist sofort begeistert vom Rock’n’Roll und den fünf seltsamen Typen, die in einem Hinterzimmer hausen. Sie nimmt die Band unter ihre Fittiche, fotografiert sie für ihre ersten Promofotos – und verliebt sich in den Bassisten Stuart Sutcliffe. Diese wahre, große und tragische Liebesgeschichte hat Arne Bellstorf ganz wunderbar zweisprachig aufgeschrieben und in effizienten Zeichnungen verewigt. Eine ganz wunderbare Graphic Novel, die einen an die Liebe glauben lässt – und an die Musik.
Arne Bellstorf: Baby's in black. The story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe. Graphic Novel. Berlin, 2010. Reprodukt Verlag. 24 Euro.

Stefan Mertlik empfiehlt "Americanah" von Chimamanda Ngozi Adichie

Ifemelu zieht es für das Studium in die USA, Obinze kommt als illegaler Einwanderer nach England. Doch die Ferne hält nicht, was sie verspricht. Beide kehren nach Nigeria zurück und finden wieder zusammen. Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie hat mit "Americanah" eine Liebesgeschichte geschrieben, die viel mehr ist. Nachvollziehbar und einfühlsam beschäftigt sich der Roman mit Themen wie Heimat, Identität und Diskriminierung. Adichie lässt sich Zeit, um Situationen detailliert zu beschreiben. Dann springt sie wieder um Jahre in der Handlung. Hängen bleiben Momentaufnahmen. Erst gewöhnt sich Ifemelu den nigerianischen Akzent ab, dann empfiehlt die Berufsberaterin eine Haarglättung. Erst später erkennt Ifemelu den Rassismus dahinter. Mit verständlichen Worten erzählt Adichie aus einer Perspektive, die viel zu selten im Mittelpunkt steht.
Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah. Roman. Aus dem Englischen von Anette Grube, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015, 13 Euro (Taschenbuch), 9,99 Euro (E-Book)

Maya Schulz empfiehlt "Die beste Depression der Welt" von Helene Bockhorst

Obwohl Titel und Thematik es nicht vermuten lassen, ist dieses Buch alles andere als ein Stimmungskiller. Vera, durch einen Blog bekannt geworden, soll ein Selbsthilfebuch zum Umgang mit Depressionen schreiben. Die sie hinter sich hat. Oder? Vera wünscht sich, lieber eine Krankheit zu haben, die sichtbar ist, um besser verstanden zu werden. Mit ihrem Debütroman gelingt es Helene Bockhorst, ein Thema, das ungern besprochen wird, gleichzeitig auf so ernste und doch humorvolle Weise zu behandeln, dass man an vielen Stellen laut lachen muss. Spätestens wenn es um den leisen Neid auf die weichgezeichneten Instagram-Babys der anderen oder die jeweiligen Aktivitäten der Prä- und Post-dusch-Phase geht, ist das Eis und damit auch das Schweigen gebrochen. Augenöffnend und ein Impuls zur Selbstreflektion über das eigene Verhalten im Umgang mit Depressionen.
Helene Bockhorst: Die beste Depression der Welt. Roman. Ullstein Verlag, Berlin, 2020. 320 Seiten, 20 Euro (Hardcover).

Jennifer Fuchs empfiehlt "Komm, ich erzähl dir eine Geschichte" von Jorge Bucay

In dem Buch begleiten wir den jungen Studenten Demian in seinen Sitzungen mit dem humorvollen Psychoanalytiker Jorge. Jede Sitzung entspricht ein Kapitel. Demian hat viele Fragen an sein junges Leben, auf die er alleine keine Antwort findet. Jorge hilft ihm anhand von Geschichten seine Probleme besser zu verstehen. Von Zen-Weisheiten, über Sagen aus der Antike bis zu Märchen aus aller Welt – Jorge hat immer eine weise Antwort parat. Dabei sind die Dialoge von Demian und Jorge immer herrlich humorvoll, aber gleichzeitig auch sehr lehrreich und das nicht nur für Demian sondern auch für die Leserin oder den Leser. Das besondere an dem Buch sind die vielen, kurzen in sich geschlossenen Kapitel, die man schnell auch mal zwischendurch am See lesen kann.
Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte. Aus dem Spanischen von Stephanie von Harrach. Roman. Fischer, Frankfurt am Main, 2008. 352 Seiten. 11 Euro (Taschenbuch), 9,99 Euro (E-Book).

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