Bildung

Freiburger Studierende machen bei der "Corona School" mit

Stephanie Streif

Nur einen Tag nach den Schulschließungen im März ging die Corona School online. Auf der Nachhilfe-Plattform wird 12.500 Schüler durch 9500 Studierende geholfen – auch Freiburger sind dabei.

Eine Woche nach dem Start fanden die ersten Nachhilfestunden über Videochat statt, in denen Studierende registrierten Schülern den Satz des Thales erklärten oder zusammen mit ihnen Cäsars "Bellum Gallicum" übersetzten. Derzeit kommen auf der digitalen Plattform 12.500 Schüler und 9500 Studierende zusammen. Auch in Südbaden wird das Angebot genutzt.


In Mathe habe sie schon Lücken gehabt, bevor ihre Schule – das Droste-Hülshoff-Gymnasium in Freiburg – im März wegen Corona geschlossen wurde, sagt Fatima Morad. In der letzten Schulwoche sei sie nicht in der Schule gewesen, darum habe sie in Mathe den Satz des Thales verpasst. "Mein Lehrer hat zwar versucht, mir im Fernunterricht das Thema zu erklären, gab mir aber auch den Tipp, mich in der Corona School anzumelden." Dort traf sie auf Johanna, die mit ihr über die Videofunktion eines gebräuchlichen Messengers drei Mal die Woche paukt. "Für mich ist das Lernen mit Johanna sehr hilfreich", sagt Fatima. Sie sei super nett und könne die Dinge gut erklären. Johanna wohne derzeit in Brasilien.

In Freiburg haben sich 200 Studierende der Universität, der Pädagogischen Hochschule sowie der Katholischen und der Evangelischen Fachhochschule für die Gratis-Nachhilfe im Netz gemeldet. Eine von ihnen ist Caterina Schoner. Im März hat sie ihren Bachelor-Abschluss in Altertumswissenschaften gemacht. Im Wintersemester beginnt sie ihr Masterstudium. Als sie im März über die Studienstiftung von der Corona School erfahren hat, habe für sie sofort festgestanden, dass auch sie helfen will. Über die Plattform war sie schnell registriert. Es folgte ein digitales Screening-Gespräch mit einer Studierenden des Orga-Teams. Das diene vor allem der Sicherheit der Schüler, so Schoner. Schließlich wolle man nicht, dass sich auf der Plattform Menschen umtun, die es nicht ernst meinen.

Studierende hoffen darauf, dass die Arbeit im Netz als Praktikum zählen kann

In der Corona-Zeit hat Schoner zwei Schüler betreut, einen Neuntklässler in Latein, eine Elftklässlerin in Altgriechisch. Zusammengebracht werden die Lern-Teams über einen Algorithmus, den das Gründerteam, bestehend aus drei Mathematik- und einem Informatik-Studenten aus Bonn, entwickelt hat.

Schoner ist auch Ansprechpartnerin für die Studierenden vor Ort. Zusammen mit den Initiatoren verhandelt sie mit der Uni und der Pädagogischen Hochschule, ob Lehramtsstudierende ihre in der Corona School gesammelten Erfahrungen als Praktikum anerkennen lassen können. Schulpraktika sind in der Lehrerausbildung ein Muss. Nur – Corona hat sie zuletzt verhindert. Fest steht, dass Studierende ab dem Wintersemester ihr Engagement in studiumsrelevante Leistungspunkte im Bereich Berufsfeldorientierte Kompetenzen umwandeln können. Das gilt auch für die AGs der Corona School – ob Karate, Astronomie oder Basteln.

Nächstes Schuljahr wolle man das Angebot ausbauen, so Mitgründer Tobias Bork. Man wolle mehr bildungsbenachteiligte Kinder ansprechen. Bisher nutzen die Plattform vor allem Gymnasiasten (57 Prozent), Grund- (20) und Realschüler (11). Die Organisatoren versuchen, über die Ministerien die Schulen als Kooperationspartner zu gewinnen. "Die Lehrer dort wissen, welche Schüler Unterstützung brauchen, um ihre Lücken zu schließen", so Bork. Die Ministerien in NRW und Rheinland-Pfalz hätten zugesagt. Aus Stuttgart habe man nichts gehört.