Festtage

Freiburger Experten geben Tipps für fröhliche und friedliche Weihnachten

BZ-Redaktion

Welches Spiel fesselt sogar Spielemuffel? Wie verhalte ich mich, wenn ein Verwandter Verschwörungstheoretiker ist? Wir haben Tipps von Freiburger Expertinnen und Experten gesammelt.

Lasst uns froh und munter sein

Besinnlich ist die Weihnachtszeit nicht immer. Wenn sich die Verwandtschaft trifft, kann es mitunter zu Spannungen kommen – vor allem derzeit, da das Thema Pandemie alle Gemüter erhitzt. Was tun, wenn ein naher Verwandter regelmäßiger Querdenker-Demonstrant ist und zu Weihnachten alle aufklären will? Sarah Pohl ist Leiterin der Zentralen Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen Baden-Württemberg (Zebra BW), an die sich Menschen wenden können, die mit gefährlichen Weltanschauungen in Berührung kommen. Die Fallzahlen haben sich dort innerhalb eines Jahres verdoppelt. Pohl zeigt verschiedene Strategien auf, wie man aufgeheizte Diskussionen über verschiedene Weltanschauungen entschärft. "Über Fakten zu diskutieren, führt oft in eine Sackgasse", sagt sie. Besser sei es, Fragen zu stellen und auf der Gefühlsebene zu diskutieren. "Wieso fühlst du dich gerade so?" Diese Frage trage mehr zur Deeskalation bei, als sich eine Faktenschlacht zu liefern. "Verstehen statt zu beurteilen und Gemeinsamkeiten suchen, beispielsweise Sorgen in der Pandemieentwicklung", sagt Pohl. Denn: Auch die eigenen Ängste hätten ihre Berechtigung. Anders sieht es jedoch aus, wenn die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten werden. "Dann wird Schweigen oft als Zustimmung gewertet und es macht Sinn, Menschenfeindlichkeit klar, aber freundlich zu benennen", sagt Pohl. Hilfreich ist auch, sich neutrale und unverfängliche Gesprächsthemen im Vorfeld zu überlegen – oder eine Exit-Strategie, falls ein schwieriges Thema, wie die Pandemie, alles überlagert. "Es ist auch in Ordnung, Grenzen aufzuzeigen und zu sagen, dass man ein bestimmtes Thema mit einer bestimmten Person nicht diskutieren möchte", sagt Pohl.
Sarah Pohl, Leiterin der Zentralen Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen Baden-Württemberg (Zebra BW)

Spielende Nacht

Wer Ideen rund um analoge Spiele braucht, geht ins Freispiel im Stühlinger. Seit mehr als vier Jahren kann man bei Florian Högner und Thomas Krohn analoge Spiele aller Art kaufen und vor Ort sogar spielen. Fragt man sie nach dem perfekten Gesellschaftsspiel für Weihnachten, müssen die beiden nicht lange nachdenken. "Die Abenteuer des Robin Hood" war 2021 als Spiel des Jahres nominiert. "Es erzählt eine schöne Geschichte, angelehnt an die klassische Sage um Robin Hood, und wird kooperativ gespielt", erklärt Florian Högner. Das heißt, dass die Spielerinnen und Spieler gemeinsam gegen das Spiel antreten. "Das ist tatsächlich ein Spiel für jedermann, weil es einfach ist und dennoch komplex angelegt", sagt Thomas Krohn. Das Spiel des deutschen Autors Michael Menzel ist für zwei bis vier Menschen konzipiert, kann aber durch Rollenteilung auch von mehreren Mitspielern gespielt werden. Der Vorteil: Man kann sofort anfangen zu spielen, denn die Anleitung ist kurz. Ein Erzähler liest den Spielenden quasi das weitere Vorgehen aus einem Begleitbuch vor – und die Spielerinnen und Spieler können wählen, welchen Weg sie gehen. "Man spielt sozusagen und lernt die Regeln nach und nach während des Spiels dazu", sagt Krohn. Zu viel von der Geschichte wollen die beiden nicht verraten. Nur soviel: Ein Kapitel dauert knapp eine Stunde. Insgesamt bietet "Robin Hood" vom deutschen Kosmos-Verlag sieben Kapitel. Im Freispiel in der Lehener Straße kostet das Spiel 49,95 Euro.
Florian Högner und Thomas Krohn, Spiele-Experten

Oh, Du Schwitzende

Wer kennt das nicht: Nach dem Festtagsbraten sinkt man aufs Sofa. Dort warten schon die Plätzchen, und im neuen Jahr verzweifelt man dann beim Versuch, die überschüssigen Pfunde wieder purzeln zu lassen. Damit es so weit gar nicht erst kommt, haben Kim Erat und René Haberstroh sich Übungen einfallen lassen, die man vor dem Weihnachtsbaum ausführen kann, um dem Schlemmen etwas entgegenzusetzen:

Plank: Unterarme aufgestützt, Bauch angespannt, Hüfte in einer Linie. So stärken wir die durch Baumschmücken und Geschenkeschleppen strapazierte Körpermitte. Zwei bis fünf Minuten halten.
Burpees: Aus der Kniebeuge in die Liegestütz springen, dann wieder hoch, in die Höhe springen und wieder von vorne beginnen. Das Ganze acht mal 20 Sekunden lang. Dazwischen je zehn Sekunden Pause. Die Übung killt Plätzchen und bringt Schokoladennikoläuse zum Schmelzen.

Der friedliche Krieger: Da Weihnachten das Fest der Liebe ist, schließen wir mit einer Yoga-Übung ab und bewahren trotz allen Trubels die innere Balance – die Übung machen Kim und René auf dem Foto vor.
Kim Erat und René Haberstroh, Fitness-Coaches

In der Weihnachtsbäckerei

An oder nach Weihnachten ist die richtige Zeit für dieses Schokodessert. Damit kann man nämlich alle angebrochenen, übriggebliebenen und vergessenen Schokoladen-Weihnachtsmänner auf elegante Weise verwerten. Es ist kinderleicht zu machen. Und was Besonderes ist es vor allem, weil Hobbykoch und BZ-Kolumnist Hans-Albert Stechl es sich extra für alle BZ-Leserinnen und -Leser ausgedacht hat. Und so geht’s:

200 Gramm Schokolade im Wasserbad schmelzen. Wichtig ist, dass kein Wasser in den Wasserbad-Topf schwappt, sonst könnte es bröckelig werden. 400 Gramm Seidentofu mit dem Pürierstab ein paar Minuten pürieren. Dann die flüssige Schokolade dazu und wieder durchrühren. Je nachdem, wie süß die Schokolade ist, kann man noch Zucker, am besten Puderzucker, beigeben. Wer mag, gibt noch Gewürze wie ein bisschen Salz, Zimt oder ganz, ganz wenig Hochprozentiges dazu. Dann für ein paar Stunden kühl stellen. Rechtzeitig vor dem Servieren, also etwa eine halbe Stunde vorher, aus dem Kühlschrank nehmen, wieder durchpürieren. Und dann, als Krönung der Dessertkreation, Eierlikör drauf.
"Eines meiner Lieblingsdesserts", sagt Hans-Albert Stechl, "weil ich da nämlich Eierlikör drauf gießen kann." Es gebe nur ein Problem, sagt er: "Die Schoko-Nikoläuse ess’ ich immer schon vorher weg."

Wer an Weihnachten unter Seidentofumangel leidet, nimmt statt dessen zwei Becher Sahne und Gelatine oder einen Becher Sahne, zwei Eiweiß und Gelatine.
Hans-Albert Stechl, Jurist, Hobbykoch und BZ-Kolumnist

Nun singet und seid froh

Wer unterm Weihnachtsbaum nicht selbst die Stimmbänder zum Klingen bringen will, kann auch singen lassen – mit der Playlist, die Tom Lissy, Holger Dehno und Markus Muffler vom Plattenladen an der Schiffstraße für die Badische Zeitung zusammengestellt haben. Sieben Stunden und zehn Minuten lang ist der Soundtrack, der alle Eventualitäten und Stimmungslagen abdeckt – von der Bescherung inklusive Essen bis zum gemütlichen Umtrunk, der direkt in eine Party mündet. In die passende Reihenfolge kann sie jeder selbst bringen oder gleich auf Zufallsmodus stellen. Bei der Auswahl haben sich die drei von Lust und Laune leiten lassen. Einige der 97 Lieder aber waren Pflicht. Bei Holger Dehno ist das "No Surprises" von Radiohead. Das ließ er schon im Vorgängerladen immer am Heiligen Abend, pünktlich zum Geschäftsschluss um 14 Uhr laufen. Tom Lissy hat Stromaes "Santé" ausgewählt – eine Hommage an alle, die an Weihnachten arbeiten müssen. Danger Dans "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" ist Markus Muffler als Statement wichtig. Und Eartha Kitts "Santa Baby" ist als eines der schönstes Weihnachtslieder aller Zeiten sowieso gesetzt. Was noch dabei ist?
Nachzuhören auf mehr.bz/playlist21

Markus Muffler, Holger Dehno und Tom Lissy, Der Plattenladen