Freiburg ohne Papst: Gelassener Last-Minute-Protest auf dem Rathausplatz

Carolin Born

Infos, Kondome, Luftballons, Fähnchen und Ratzefummel gibt es am Infostand von 'Freiburg ohne Papst' auf dem Münsterplatz. Gegenüber wird Papstwein verkauft. Wozu noch Protest, wenn der Papst gleich in die Stadt einfährt? Caro hat nachgefragt.



Rathausplatz, 12 Uhr.
„Was soll das, wenn der nur einmal im Jahr kommt?“, fragt eine alte Frau wütend. –„Und wenn Gaddafi einmal im Jahr kommt?“, entgegnet Matthias Falk, er trägt ein FOB-Shirt. „Das sind doch nur die Studierten, die hier stehen“, faucht sie und zieht davon. Viele bleiben nicht stehen und diskutieren. „Aber wir bekommen auch Zuspruch und Leute unterhalten sich mit uns, kritische Katholiken zum Beispiel“, sagt Matthias.

„I love Relativismus“, steht auf dem Umhängeschild von Friederike Storch, 26. „Ich habe mit Absicht Relativismus geschrieben, nicht Diktatur, das würden sonst viele nicht verstehen“, erklärt sie. Einige haben sie schon darauf angesprochen, dass sie auf die Regensburger Rede des Papstes anspielt. Warum ist Friederike bei Freiburg ohne Papst? „Ich will niemand in seiner Andacht und Freude stören. Es geht mir nicht um Religion, sondern um Politik. Staat und Kirche sind laut Paragraph 137 getrennt, aber das wird nicht umgesetzt.“

Sie winkt einer Jugendgruppe zurück, die vorbeizieht und „Ohne Kirche wär' hier gar nichts los“ skandiert. „Die sollen nicht denken, dass wir ihre Religion scheiße finden. Ich bin selbst mit katholischen Glaubensinhalten groß geworden. Uns geht es um die Trennung von Staat und Kirche.“ Viele Pilger seien sehr aufgeschlossen: „Ein älterer Herr sagte mir, er sei bis auf die Knochen katholisch, aber er hat sich Infomaterial mitgenommen, das er zuhause in Ruhe lesen will.“



Den Ratzefummel gibt’s gegen Spende, die Kondome sind kostenlos. 'Schön zum ficken' oder 'Benutz mich' steht darauf. Kichernd reicht ein Pilgermädchen das Kondom an ihre Freundin weiter und macht Fotos davon. Friederike erklärt ihnen, dass der Papst es für eine Todsünde hält, Kondome zu benutzen. „Aber das ist ja kein Gesetz und bei den Evangelischen ist das nicht so“, entgegnen sie. Von den Argumenten von FOP wollen sie sich nicht überzeugen lassen. Dafür bekommen sie bemalte Backoblaten.

Eine Frau fragt nach, ob es heute noch Anti-Papst-Veranstaltungen gibt. Die Kondome sind leer, werden aber wieder nachgefüllt. Viele wollen nur mal schauen, was es an dem Stand so gibt. Vereinzelte Diskussionen enden oft in einem genervten „Sie hören mir ja gar nicht zu“ oder „Lassen Sie mich doch mal ausreden!“ enden. Die Aktivisten von Freiburg ohne Papst vertreten ihre Meinung auf dem Rathausplatz. Der Papst ist derweil in Anfahrt. Das Flugzeug der Bundesweh, dass den Papst nach Südbaden bringt, ist schon in Lahr gelandet.

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