Kriminalität

Freiburg liegt bei häuslicher Gewalt landesweit an der Spitze

Jens Kitzler

Was Gewalttaten im Haushalt gegen den Partner oder die Partnerin angeht, gehört Freiburg im Land zu den Städten mit der höchsten Zahl von Fällen. Wie erklärt die Polizei das?

Die unrühmliche Platzierung verkündete am Dienstag Armin Bohnert aus dem Führungsstab des Polizeipräsidiums den Mitgliedern des gemeinderätlichen Hauptausschusses. In der Stadt wurden im vergangenen Jahr demnach 396 Fälle von Partnergewalt festgestellt, im Jahr zuvor waren es mit 426 nochmal deutlich mehr gewesen. Ein Vergleich: Karlsruhe – fast 100.000 Einwohner größer – verzeichnete vergangenes Jahr 445 festgestellte Fälle.

"Das ist ja mehr als eine Straftat pro Tag"Stadtrat Michael Moos
"Das heißt aber nicht automatisch, dass solche Taten in Freiburg weiter verbreitet sind", konstatierte Bohnert. Wahrscheinlicher sei, dass die "Aufhellung" des Deliktfeldes hier besser gelinge, also mehr Taten ans Licht und somit in die Statistik gelängen. "Wir haben hier ein gutes Netzwerk." Zu jenem Netz gehörten Schwerpunktsachbearbeiter, die es bei der Polizei im Stadtgebiet schon länger gebe, soziale Initiativen und freie Träger, aufmerksame Ämter und Einrichtungen wie die Freiburger Fachstelle Intervention gegen Häusliche Gewalt (FRIG).

Was Täter und Opfer angeht, spricht die Verteilung nach Geschlecht eine recht eindeutige Sprache. 239 Tatverdächtige waren vergangenes Jahr männlich und nur 91 weiblich. Männliche Opfer wurden 101 gezählt, weibliche 295. Noch deutlich häufiger als die Ehepartner (im vergangenen Jahr 119 Fälle) sind es die ehemaligen Partner (173 Fälle), die gewalttätig werden.

239 Täter waren Männer, nur 91 Frauen

Im Anschluss an den Vortrag stellte Esfa-Stadtrat Michael Moos fest, die Zahl der Taten sei schlimm, gute Aufklärungsquote hin oder her. "Das ist ja mehr als eine Straftat pro Tag". In der Fragerunde wollten die Gemeinderäte wissen, ob aufgeschlüsselt sei, welche Formen von Gewalt hinter den Zahlen steckten und ob die Statistik auch Gewalt gegen Kinder in Familien berücksichtige. Nein, da habe die Statistik Schwächen, erläuterte Armin Bohnert. Gewalt gegen Kinder innerhalb der Partnerschaft werde hier nicht erfasst. Und was genau in den betroffenen Haushalten vor sich gegangen sei, das könne die Polizei nicht rückwirkend aufarbeiten – da bedürfe es einer Korrektur der Erfassungsmethoden. "Das Thema beschäftigt das Land sehr stark", so Bohnert. Und so erhielten die Polizeipräsidien in naher Zukunft Koordinierungsstellen für das Thema häusliche Gewalt. "Ich glaube, dass wir dann nochmal einen anderen Blick auf das Thema bekommen." Zusätzliches Personal gibt es für die Freiburger Polizei im Zuge der Einrichtung dieser Stelle allerdings nicht.
Rat und Hilfe bei häuslicher Gewalt:
  • Bundesweites Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen Telefon 0800/116016

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