Ehrung

Freiburg benennt Straße nach dem jüdischem Widerstandskämpfer Fred Mayer

Joachim Röderer

Er war der Mann, der Innsbruck 1945 vor der Zerstörung rettete: Nach dem jüdischen Widerstandskämpfer Fred Mayer soll jetzt eine Straße in seiner Geburtsstadt Freiburg benannt werden.

Überfällige Ehrung: Oberbürgermeister Martin Horn hat am Sonntag beim grünen Neujahrsempfang angekündigt, dass nach dem jüdischen Widerstandskämpfer Fred Mayer in Freiburg eine Straße oder ein Platz benannt werden soll. Horn machte seine Ankündigung in Gegenwart von Georg Willi, dem Bürgermeister der Partnerstadt Innsbruck. Aus gutem Grund: Der gebürtige Freiburger Fred Mayer gilt als der Retter von Innsbruck, weil er Anfang Mai 1945 als Kriegsgefangener die Zerstörung der Stadt verhinderte.


Mayer hatte den Tiroler Gauleiter Hofer zur Kapitulation überreden können, indem dieser Innsbruck zur offenen und unverteidigten Stadt erklärte. Während des Krieges stand Mayer in Diensten des US-amerikanischen Geheimdienstes OSS und wurde bei der Operation Greenup eingesetzt. Er war knapp zwei Wochen vor seiner Heldentat aufgeflogen, wurde verhaftet und von der Gestapo gefoltert. Die Operation Greenup war Vorlage für den 2012 entstandenen Hollywoodfilm "Inglorious Basterds".
Mehr Infos: Im Dokumentarfilm "Inglorious Basterds – die wahre Geschichte" von ZDF-History, der im Internet verfügbar ist, berichten Fred Mayer und seine damaligen Mitstreiter über den lebensgefährlichen Spionageeinsatz kurz vor Kriegsende in Tirol.

Fred Mayer kam 1921 in Freiburg zur Welt und ist in einer jüdischen Familie aufgewachsen. Die Eltern betrieben eine Eisenwarenhandlung in der Herrenstraße, der Sohn war Schüler des Rotteck-Gymnasiums. Die Familie flüchtete 1938 vor den Nazis in die Vereinigten Staaten – sozusagen in letzter Minute. Mayer blieb auch nach dem Weltkrieg in den USA, arbeitete für den US-Auslandssender "Voice of America". Im April 2016 starb er im Alter von 94 Jahren in Charleston, West-Virginia.

Welche Straße oder welcher Platz für Fred Mayer ausgewählt wird, ist noch nicht entschieden. Ein konkreter Suchlauf laufe aber bereits, sagte OB-Sprecherin Petra Zinthäfner am Montag auf Nachfrage. Das gilt auch für die Straße, die nach der israelischen Partnerstadt Tel Aviv benannt werden soll.
BZ-Nachruf auf Fred Mayer von 2016: Der Inglorious Basterd, der aus Freiburg kam