Foto-Galerie & Nightlife-Guru: Root Down Special mit Ian Pooley im ZMF-Spiegelzelt

Nightlife-Guru & Florian Forsbach

"Plötzlich ergreift jemand meine Hand. Es ist eine feenartige Frau, die mich zu sich auf die Tanzfläche zieht." Und: "Drei Frauen, drei Männer, heute geht niemand leer aus." Was hat der Nightlife-Guru bei Ian Pooley im Spiegelzelt erlebt?



Die Jungs an der Tür

"Stell dich hinten an und zahl' Eintritt", schreit mich der Türsteher an. Dass ich ein Einlassbändchen am Handgelenk trage und es ihm ins Gesicht halte, übersieht er. "Da ist die Schlange für die Kasse", schreit er eine Frau an und schiebt sie in Richtung Abendkasse. Auch sie trägt ein Einlassbändchen am Handgelenk.

Wir gehen zurück und stellen uns an. An der Abendkasse klärt sich alles. Auch Freunde erzählen später Ähnliches. Die Tür wirkt an diesem Abend also nicht nur auf mich gehetzt und gestresst.

Inneneinrichtung und Deko

Das neue Spiegelzelt ist luftiger, lässt mehr Raum zum Atmen und hat eine bessere Akustik. Spiegelglas- und Buntglasfenster, Samtbezüge, Säulenelemente, alles ist très chic. Fehlen nur noch Stehgeiger, ein Salonpianist auf der Bühne, Swingboys und Revuetänzerinnen sowie üppige Liliensträuße in rot und weiß, und die Belle Epoque-, Roaring Twenties- oder Swinging Thirties-Atmosphäre ist perfekt.



Wer war da?

"Da drübe isch de Simon." Ein Mann Anfang fünfzig steht mit seiner Frau und einem befreundeten Paar an der Bar. Sie bestellen Bier und Caipirinha. Der Mann zeigt auf einen Kerl, der mit seinen Freunden am anderen Ende der Bar steht. Simon ist etwa zwanzig Jahre alt und entweder der Sohn oder das Nachbarskind des Mannes. "Komm wir hauen ab. Dem ist das doch peinlich, wenn er uns hier sieht", sagt die Frau.

Diese Szene steht stellvertretend für das Publikum des Abends: Auf der einen Seite die Eltern- oder Ältergeneration, die die ersten Schritte von Rainer Trüby an den Decks der Freiburger Clubs noch mitbegleitet haben; auf der anderen Seite viele Jungs und Mädels, die gerade ihr Abitur gemacht, ihr erstes Studienjahr oder ein FSJ abgeschlossen haben und Clubatmosphäre auf dem ZMF schnuppern wollen.

Dazwischen haben ganz viele andere Menschen Platz. Schüchterne Musiknerds, Trüby-Fans, die oft von weit her anreisen, Ausdruckstänzer sowie Neugierige, die die Party im Spiegelzelt im Vorbeilaufen mitnehmen wollen.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Das Fazit vorne weg: Rainer Trüby und Ian Pooley waren an diesem Abend 'on fire'. Gut möglich, dass ihnen eine gute Fee nach dem Essen einen Zaubertrank aus dem Val-de-Travers serviert hatte. Gut möglich, dass es auch nur die besondere ZMF-Atmosphäre war, die gerade an sommerwarmen Abenden greifbar ist?

Am Anfang sah es noch aus, als ob die beiden Disc Jockeys für das Häuflein Getreuer spielen sollten, das sich nach Türöffnung eingefunden hatte. Zu dieser Zeit trafen Basslines von Nile Rodgers - nein, 'Get Lucky' landete leider nicht auf dem Plattenteller - auf zeitgemäßen House aus dem Compost-Umfeld, "On A String" von Show-B zum Beispiel.



Kurz vor Mitternacht ist die Tanzfläche voll. Die raumgreifenden Ausdruckstänzer sind in der Menge untergegangen. Plötzlich ergreift jemand meine Hand. Es ist eine feenartige Frau, die mich zu sich auf die Tanzfläche zieht. Sie komme ursprünglich aus Boston, heiße Elinor und habe über den Umweg Dublin, Amsterdam und Graz nach Freiburg gefunden. Erzählt sie. Sie spricht erstaunlich gut Deutsch. Die amerikanisch-österreichische Einfärbung hat einen hohen Sex Appeal. Was sie hier macht, wie lange sie hier lebt, ob es ihr erstes Zelt-Musik-Festival ist: Meine Fragen und ihre Antworten gehen im treibenden House-Sound unter. Inzwischen hat Ian Pooley übernommen. Er zieht das Tempo an, unter anderem mit "E79" von Kink.

Elinor dreht sich um. Mit ihren Händen gibt sie mir zu verstehen, dass sie an die Bar möchte. Sie lässt mich los und verschwindet in der Menge. Sie ist weg. Ich suche sie vergebens. Vielleicht wartet sie draußen? Auch dort ist sie nicht. Ich gehe zurück ins Zelt, an die Bar, bestelle mir ein Bier und denke über diese Szene nach. Was war das gerade? Wahrscheinlich heißt Elinor gar nicht Elinor. Wahrscheinlich kommt Elinor auch gar nicht aus Boston. Gut möglich, dass ihr Dialekt bei Tag und Ruhe auch nicht verführerisch klingt. Schöne Sinnestäuschung das. Ich bestelle noch ein Bier und stelle mich an den Rand der Tanzfläche. Ungläubig starre ich auf die Tanzenden.

Catering und Getränke

Schneller Service und kaltes Bier - was will man mehr?

Um halb zwei auf dem Klo?

Was soll auf dem Klo beim ZMF schon passieren? Elinor ist weg, hat es womöglich nie gegeben, und außerdem ist der Toilettenwagen kein allzu schöner Ort für Intimitäten.

Aufheiterle

Später, schon auf dem Nachhauseweg, gesellen sich zu mir zwei Jungs und drei Mädels. Wir radeln gemeinsam in Richtung Innenstadt und ergänzen uns gegenseitig mit Vorder- und Rücklicht. Wir sind alle ein wenig angeschickert und erzählen uns die schönsten, schlimmsten, heftigsten Partymomente. Auf Höhe Lehener Straße / Eschholzstraße trennen sich unsere Wege. Beim Verabschieden sagt ein Mädel: "Drei Frauen, drei Männer, heute geht niemand leer aus."  



Aufregerle

Klar, nervige Menschen gibt es immer und überall. Je nach Blickwinkel gehöre auch ich dazu. Und die Szene an der Tür? Ich bin alles andere als nachtragend.

Fazit

Die Root Down Spezial im Spiegelzelt zeigt: Dance Music kennt kein Alter. Leider gibt es solche Veranstaltungen viel zu selten in Freiburg, dieser Stadt, in der man sich auf Partys schon steinalt fühlt, wenn man 23 ist.

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Fotogalerie: Florian Forsbach

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