Sturmtief "Sabine"

Feuerwehr Freiburg zählt 51 Einsätze seit der vergangenen Nacht

Joachim Röderer, Valentin Heneka & Simone Höhl

Umgestürzte Bäume, herabfallende Ziegel und ein Steinsturz am Schauinsland: Orkan "Sabine" beschäftigt auch die Freiburger Einsatzkräfte. Eine Schule hat indessen sturmfrei.

Windböen von mehr als 170 Stundenkilometern auf auf dem Feldberg, Ausnahmezustand im Schwarzwald – und auch im "Tal" wirkt sich "Sabine" aus. Am Morgen war die Linie 1 der Freiburger Verkehrs-AG zwischen der Haltestelle Paduallee und der Endhaltestelle am Moosweiher unterbrochen. Ein Baum ist am frühen Morgen nahe der Haltestelle "Moosgrund" zwischen Lehen und Landwasser in die Oberleitung gestürzt und musste laut VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt zunächst entfernt werden. Der Betrieb der Schauinslandbahn wurde eingestellt, der Dreisam-Radweg ist gesperrt.


Gegen Mittag hat sich die Lage wieder beruhigt, erklärt Frank Eichin, Direktionsdienst der Freiburger Feuerwehr. Die meisten Freiwilligen Feuerwehrleute, die die Berufswehr unterstützen, mussten ab etwa 10.30 Uhr nicht mehr in den Einsatz. Nur die Abteilung Rieselfeld mit ihrer Drehleiter hatte noch zu tun.

Zahlreiche Sturmschäden in Freiburg – aber keine verletzten Personen

Von Montagmorgen 5 Uhr bis Nachmittag zählte die Freiburger Wehr 51 Unwettereinsätze, sagte Philipp Golecki vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Menschen sind nach derzeitiger Kenntnis nicht zu Schaden gekommen. Der Grund für die Einsätze waren in den meisten Fällen Bäume: Sie stürzten auf Autos, Straßen und Fahrradwege. Zwei größere Exemplare im Kappeler Kleintal waren auch darunter.

"Es war eigentlich soweit alles überschaubar", sagte Golecki. Die Freiburger Feuerwehr hat ihr Unwetterkonzept umgesetzt. 77 Einsatzkräfte hatten – teils in Schichten – gut zu tun. "Aber wir hätten noch Reserve gehabt", so der Vize-Amtsleiter. Am Nachmittag gab es noch eine Lagebesprechung für die kommende Nacht: Die Prognosen gehen von Windspitzen zwischen 0 und 3 Uhr aus, die aber nicht mehr so stark werden sollen.

Fallende Ziegel, Steinsturz und Stromausfall

Auf dem Gelände der Freiburger Uniklinik brach am Montagmorgen eine Baumkrone ab. Wegen des Sturmtiefs mussten im Klinikum keine Operationen verschoben werden, auch zu anderen größeren Einschränkungen ist es der nicht gekommen, hieß es auf Anfrage der BZ.

Geröll fiel auf die L124 in Richtung Schauinsland, meldet Rathaussprecherin Martina Schickle: "Glücklicherweise wurden keine Menschen verletzt." Die Polizei hat die Straße zeitweise abgesperrt. Zunächst hatte es geheißen, dass ein Felsbrocken abgestürzt war, doch es handelte sich um Steine, die sich aus einem Felsen gelöst hatten, so das Rathaus. In der Innenstadt lief bei einem umgestürzten Roller Sprit aus. Und ein Stromausfall im Osten von Freiburg hat laut Energieversorger Badenova auch Teile von Freiburg-Kappel betroffen.

Vereinzelt fielen auch Ziegel von den Dächern, so auch in der Kaiser-Joseph-Straße vor der Geschäftsstelle der Badischen Zeitung. Die Freiwillige Feuerwehr Freiburg, Abteilung Oberstadt, sicherte die Stelle. Die Ziegel waren nur zwei Meter hinter einem Passanten aufs Pflaster gekracht.

Die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) musste die Innenstadtreinigung abbrechen. Die Müllabfuhr dagegen konnte alle Touren fahren. Am Montag war der Freiburger Osten dran, wo nur der Stromausfall in Kappel etwas Probleme machte, sagte Geschäftsführer Michael Broglin. Doch Sabine sorgte trotzdem für Schaden: Das Sturmtief fetzte gelbe Säcke auf und wirbelte Mülltonnen durch die Gegend. "Wir werden viele Behälter reparieren müssen", sagte der ASF-Chef. Betroffene Haushalte sollen sich melden.

Sabine fegt Baugerüst um

Auf dem Güterbahnhofgelände war die Feuerwehr wegen eines umgekippten Gerüsts auf der Baustelle des Neubauprojektes Quadriga im Einsatz. Davon berichteten auch Leser der BZ in sozialen Netzwerken.

"Es sah schlimmer aus, als es ist", sagte der Projektleiter des Bauunternehmens Züblin gegen 11 Uhr. Da ist das Seitenteil, das Sabine umgerissen hat, weggeschafft und die Straße wieder frei. Das Teil ist Schrott, so der Projektleiter. "Aber keiner ist verletzt, dann ist alles ok." Der Wiederaufbau des Gerüsts werde etwa drei Stunden dauern, aber erstmal geht gar nichts: Gearbeitet wird bei diesem Wetter nur im Inneren des Neubaus, nicht an der Fassade. "Das wär’ ja verrückt."

Schulleiter nutzt "sturmfreie Bude"

Im Rennweg wurde ein Bauzaun gesichert, der umzustürzen drohte. In der Bismarckallee riss der Sturm eine Blechtafel von einem Dach. Die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe hat wegen des Sturms den Münstermarkt auf dem Münsterplatz abgesagt.

In den meisten Freiburger Schulen läuft der Unterricht. Allerdings fehlten viele Schüler, hieß es am Morgen zum Beispiel am Theodor-Heuss-Gymnasium. Das Deutsch-Französische-Gymnasium hat allen frei gegeben, erklärte Johannes Remmer. Der Schulleiter sitzt im Direktorat – warum eigentlich? "Ja, sturmfreie Bude!" Die nutzt er, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten.

Vorabitur und Verhandlungen verschoben

Das DFG ist Freiburgs Schule mit den meisten Schülern von aufwärts, allein 170 kommen täglich mit Bussen aus Mulhouse. "Sabine kommt auch aus Frankreich", meinte Remmer. Auch die Leiterin des DFG-Internats in Günterstal habe die Verantwortung für den Schulweg nicht übernehmen wollen. Am Sonntag um 19 Uhr fiel die Entscheidung, alle Eltern wurden per Mail informiert. Die hatten vier Lehrer und acht Schüler nicht gesehen und kamen trotzdem in die Schule. Am Montag wäre eigentlich eine Prüfung für "Bac Blanc", das Vorabitur, gewesen. Sie wurde auf Donnerstag verschoben.

Im Freiburger Amtsgericht lief es im Wesentlichen normal, teilte Richter Lars Petersen mit. Allenfalls wenige Verhandlungen seien ausgefallen – eine davon seine mit einer Schöffin aus dem Hochschwarzwald – und einige hätten mit Verspätung begonnen.
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