Frauen und Bildung

Fazit einer Podiumsdiskussion in Freiburg: Es gibt noch keine Gleichberechtigung

Anja Bochtler

Die Gleichstellungsbeauftragten von vier Freiburger Hochschulen diskutieren an der PH – und kommen zu einem ernüchternden Ergebnis: Es gibt noch viel zu tun in Sachen Gleichberechtigung.

Frauen und Bildung: Da gab es mal sehr viel aufzuholen. Doch wie ist die Lage inzwischen, in Zeiten, in denen mehr Mädchen als Jungs Abitur machen? Frauen sind immer noch längst nicht gleichberechtigt, war ein Fazit der Podiumsdiskussion mit den Gleichstellungsbeauftragten von vier Freiburger Hochschulen, Regina Gensler von der "Kontaktstelle Frau und Beruf" und Ulrich Druwe, dem Rektor der Pädagogischen Hochschule, am Dienstagabend an der PH. Damit startete die Reihe "Frauen* bilden Freiburg" zum Stadtjubiläum.


Vier Hochschulen, vier unterschiedliche Einschätzungen: An der Uni hat Gisela Riescher einerseits schon einiges geschafft. Seit 2014 ist sie Gleichstellungsbeauftragte, bereits 2000 kam sie als Professorin an die Uni, damals lag der Professorinnenanteil bei mageren 3,7 Prozent. Inzwischen sind es 26 Prozent. Doch ihr Ziel, zumindest 30 Prozent zu erreichen, liegt immer noch in der Ferne. Zwar seien seit 2019 von den neuen Professorinnenstellen 40 Prozent mit Frauen besetzt worden, doch gleichzeitig seien viele Frauen in den Ruhestand gegangen und fielen weg, sagt sie.

An der Musikhochschule liegt der Professorinnenanteil noch niedriger: Dort seien es nur 20 Prozent, sagt Claudia Spahn, die Prorektorin der Musikhochschule. In den akademischen Stufen darunter, im Mittelbau, sehe es geschlechtermäßig dagegen ähnlich ausgewogen aus wie bei den Studierenden: je 50 Prozent Frauen und Männer.

Und an der PH und der Katholischen Hochschule gibt es zwar jeweils etwa gleich viele Professoren und Professorinnen, doch die Zahlen sind aufgrund des hohen Anteils weiblicher Studierender trotzdem in einem Missverhältnis: An der PH liege der Frauenanteil bei den Studierenden bei 76 Prozent, sagt die PH-Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Sobiech. Beim Grundschullehramt erreiche er fast 90 Prozent, ergänzt PH-Rektor Ulrich Druwe. Da gebe es, genau wie bei Kindheitspädagogik, das umgekehrte Problem: Wie können mehr Männer zum Studium dieser Fächer gewonnen werden?

Obwohl 70 Prozent derjenigen, die an der PH promovieren, Frauen seien, sinkt ihr Anteil danach auf nur noch die Hälfte bei den Professorinnen und Professoren. Genau wie bei der Katholischen Hochschule (KH), wo 80 Prozent der Studierenden Frauen seien, es aber immerhin auch eine Rektorin gebe, bilanziert Ursula Immenschuh, die Gleichstellungsbeauftragte der KH.

Es arbeiten zwar mehr Frauen als früher, aber viele in Teilzeit

Und wie sieht es generell auf dem Arbeitsmarkt aus? Problematisch, findet Regina Gensler, Leiterin der "Kontaktstelle Frau und Beruf": Zwar liege die Frauenerwerbsquote in Baden-Württemberg mittlerweile bei 78 Prozent, doch das Arbeitsvolumen von Frauen an der Erwerbsarbeit sei im Vergleich zu früheren Jahrzehnten kaum gestiegen. 50 Prozent der Frauen seien nur in Teilzeitjobs, die unbezahlte Sorge-Arbeit für Kinder und pflegebedürftige Angehörige leisten immer noch überwiegend Frauen. Bei Stellen in leitenden Positionen gehe es nur im Schneckentempo voran.

Was tun? Könnte es helfen, Bezeichnungen zu ändern? Ulrich Druwe erzählt, dass die Hochschule Furtwangen "Elektrotechnik" in "Medizintechnik" umbenannt habe, dadurch kämen mehr Studentinnen. Ein Grundschullehramt-Student im Publikum fordert, dass im Lehramtsstudium Geschlechtergerechtigkeit ein Pflichtthema werden müsste: "Wir lassen Leute als Lehrerinnen und Lehrer auf Kinder los, die keine Ahnung von diesen Themen haben."
Frauen bilden Freiburg

» Donnerstag, 15. Oktober, 18 Uhr, Mensa der Pädagogischen Hochschule (PH), Kunzenweg 21: "Aufbruch, Mut und Durchhaltekraft – das Eindringen jüdischer Studentinnen in die Männerbastion Wissenschaft", Vortrag
Sonntag, 18., und Freitag, 23. Oktober, 19.30 Uhr, Kommunales Kino, Urachstraße 40: "Komponistinnen – eine filmische und musikalische Spurensuche"
» Montag, 19. Oktober, 10 Uhr im PH-Radio (88,4 Mhz): "Wissenschaftlerinnen wirken in Freiburg", Teil 2, Radiobeitrag
Mittwoch, 21. Oktober, 19 Uhr, Aula der PH: "It’s a men’s world?! Politische Teilhabe von Frauen in der Kommunalpolitik", Podiumsdiskussion
» Mittwoch, 21. Oktober, 20 Uhr, und Donnerstag, 22. Oktober, 13 Uhr, im Radio Dreyeckland (auf 102,3 Megahertz) sowie Montag, 26. Oktober, 10 Uhr, im PH-Radio: "Wissenschaftlerinnen* wirken in Freiburg", Teil 3, Radiobeitrag
Donnerstag, 22. Oktober, 20 Uhr, Friedenskirche, Hirzbergstraße 1: "Nachgeben aber werd’ ich nicht… Lebenswege von Komponistinnen", Gesprächskonzert