Eishockey

Fanliebe in der DEL2: Die lange Freiburg-Reise der Eislöwen-Fans

Joshua Kocher

Keine Fahrt ist für die Dresdner Eislöwen weiter als die zum EHC Freiburg. Trotzdem waren 20 Fans mit dabei in der Echte-Helden-Arena. Wir haben uns zu ihnen in den Gästeblock gestellt.

Irgendein TV-Kommentator soll den Igor mal den Mann mit den stählernen Oberarmen genannt haben. Wenn der Igor vor einem steht, fragt man sich: warum? Dann packt er seine ausklappbare, vier Meter lange Fahnenstange aus, hängt die Fahne daran, groß wie ein Bettlaken, und schwenkt sie. Links, rechts, wie ein Segel. Als er sie erst nach zweieinhalb Stunden wieder richtig ablegt, weiß man: darum. Ein Spiel des EHC Freiburg gegen die Dresdner Eislöwen im Gästeblock.


Igor ist der letzte Alles-Fahrer der Eislöwen

"Der Igor ist eisern", sagt Dieter, ein Rentner mit Eislöwen-Mütze auf dem Kopf. Er steht am Freitagabend mit seiner Frau Heidi im Gästeblock der Echte-Helden-Arena. Nachnamen gibt es hier keine. Dieters Mannschaft, die Dresdner Eislöwen, spielen gegen den EHC Freiburg. Dieter sagt, seine Frau und er würden nur 80 Prozent der Auswärtsspiele schaffen. Meistens würden sie es mit einem Städtetrip verbinden. "Ob wir jetzt daheim sitzen oder hier im Stadion, das ist doch egal", sagt er.

Der Igor aber, das sei der letzte verbliebene Alles-Fahrer der Dresdner Eislöwen. In einer Zeit, in der es für manche Menschen in ihrem Freizeitstress unmöglich ist, einen Termin für den Besuch bei den Großeltern zu finden, fährt Ingo zu jedem Auswärtsspiel seiner Mannschaft in der zweiten Eishockeyliga – nach Bayreuth und Bad Tölz, nach Ravensburg und Kassel. Die Fahrt nach Freiburg ist die weiteste, die er in dieser Saison auf sich nehmen muss. Für die fast 700 Kilometer braucht man laut ADAC-Routenplaner sieben Stunden. Wie geht das an einem Freitag? Und was treibt Fans wie ihn an?

Jan fährt nie zum Erzrivalen, liebevoll "Abwasser" genannt

Igor ist mit seinem Auto am Freitagmorgen um halb 11 in Dresden losgefahren. Mit dabei: Jan, Ronny, Olaf und eine Freundin. Sie kennen sich vom Eishockey und sind nicht ganz so oft dabei wie Igor.

Jan hat in dieser Saison vier Auswärtsspiele verpasst. Zwei davon aber aus Prinzip: Zum Erzrivalen nach Weißwasser, liebevoll "Abwasser" genannt, fährt er nicht. Sein Dienstplan werde um das Eishockey herum gebaut, sagt Jan. "Das war Grundvoraussetzung für die Einstellung." Igor arbeitet an einer Tankstelle. Man müsse halt mit dem Chef reden, sagt er.

Gegen 18 Uhr kommen die fünf Dresdner in Freiburg an und essen noch eine Currywurst. Um kurz vor 19 Uhr, 40 Minuten vor Anpfiff, kommen sie durch die dicke Stahltür in den Gästeblock, als erste, denn der Block ist noch leer. Nur ein Ordner wartet.

"Hurra, hurra, die Dresdner die sind da!" Ihre Rufe verhallen im Lärm der Hallenlautsprecher, aus denen vor dem Anpfiff Popmusik dröhnt. Im Gästeblock ist Platz für 600 Leute. Gegen Landshut kamen fast 700 Gästefans, sagt der Ordner Andreas Winterhalter. Er sei lieber hier, wenn weniger Fans kommen.

Dresden hat keine Chance, aber eiserne Fans

Im Online-Ticketshop des EHC wurden für die jetzige Begegnung zwölf Gästekarten verkauft, heißt es in der Geschäftsstelle. Kurz vor Anpfiff stehen etwas mehr als 20 Dresden-Fans da. Dabei hat ihre Mannschaft kaum Aussicht auf Erfolg. Der EHC ist in Top-Form und hat alle vergangenen zehn Heimspiele gewonnen.

Fragt man Igor, warum er trotzdem da ist, sagt er: "Eishockey." Er verstehe die Frage nicht. Jan sagt: "Spieler kommen, Spieler gehen, wir Fans bleiben stehen." Dieter, der Rentner, sagt: "Das ist unsere Mannschaft, schon seit Jahren. Wir kennen hier alle. Den Busfahrer, die Betreuer, die Fans."

Die Eislöwen verlieren das Spiel 3:6, wie erwartet. Die Spieler winken nach dem Abpfiff vom Eis kurz in den Gästeblock und verschwinden in die Kabinen. Das war’s schon wieder. Igor packt seine Fahne ein. Dann fährt er heim. Nächste Woche fährt er nach Crimmitschau, dann nach Bad Nauheim, die Woche drauf nach Bayreuth.
Spielsystem in der DEL2

Die 14 Vereine in der zweithöchsten deutschen Eishockeyliga, der DEL2, spielen pro Saison vier Mal gegeneinander, es gibt also 52 Spieltage. In den Playoffs spielen nach Ende der Hauptrunde acht Teams um den Meistertitel. Qualifiziert dafür sind die sechs bestplatzierten Teams sowie zwei Mannschaften der Ränge sieben bis zehn, die zuvor in den sogenannten Pre-Playoffs gegeneinander angetreten sind. Im Viertel- und im Halbfinale sowie dem Endspiel geht es dann darum, einen Meister zu küren. Aufsteigen in die erste Eishockey-Liga DEL kann dieser aber nicht.