Ausflugsziele

Erste Etappe des Badischen Weinradwegs führt über die geschlossene Schweizer Grenze

Michael Saurer

Die Corona-Pandemie stellt auch die Radwanderer auf dem Badischen Weinradweg vor logistische Probleme. Die BZ stellt Teile des Radwegs vor. Heute: Der erste Abschnitt – von Grenzach nach Schallstadt.

Gutedel und Müller-Thurgau, Riesling und immer wieder Burgunder – Baden ist ein Weinland erster Klasse. Auch die Landschaften, in denen der Wein erzeugt wird, sind vielfältig und zauberhaft. Der Badische Weinradweg, der im April – coronabedingt ohne Öffentlichkeit – eröffnet wurde, soll die Schönheiten der Region und ihre Verbindung zum Wein zeigen. Wir stellen die ersten vier Abschnitte vor. Heute: Der erste Abschnitt, von Grenzach nach Schallstadt.

Ein neuer Radweg soll die Schönheiten Badens vermitteln und gleichzeitig Werbung für den hiesigen Wein machen. Die durchgehende Strecke reicht von der hessischen bis zur Schweizer Grenze.

Verwirrung am Bahnhof von Grenzach. Wo beginnt nun der Badische Weinradweg? Erst bei genauerem Hinschauen sehen wir auf der gegenüberliegenden Seite das kleine rote Schild, das den Weg markiert. Eigentlich hätten nun die Alarmglocken schrillen müssen: Denn "Basel, 6,5 Kilometer" steht dort auch. Aber gedankenlos folgen wir der Beschilderung – und stehen plötzlich vor der Schweizer Grenze. Ein Schweizer Zöllner schaut uns an. "Ich gehe mal davon aus, dass Sie die Einreisevoraussetzungen nicht erfüllen", sagt er und macht klar, dass hier Endstation ist – rund einen Kilometer nach dem Startpunkt des Wegs. Doch in Corona-Zeiten sind die Grenzübergänge geschlossen – und selbst wenn der Weinradweg nur rund zwei Kilometer über Schweizer Territorium verläuft, wird hier keine Ausnahme gemacht.

Insgesamt 40 Weingüter säumen die Strecke

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Wir fahren um die Grenze herum, über den Rührberg und den Tüllinger – ein Umweg von mehr als 20 Kilometern. Oder wir steigen in den Zug und fahren nach Weil. Wir entscheiden uns für den Umweg. Zwei Stunden dauert er zusätzlich. Bis zur Öffnung der Grenze wäre es deshalb das Beste, den Weinradweg erst in Weil zu beginnen.

Nach den beiden Steigungen biegen wir in Weil wieder auf den Radweg und schon bald zeigt sich das Weingut Schneider, das erste von mehr als 40 Weingütern entlang der Strecke. Weiter führt der Weg am Vitra Design Museum entlang, das einen Abstecher lohnt. Direkt an der Strecke liegt das Landwirtschaftsmuseum in Weil, das in einem Hinterhof gelegen ist, und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet hat.
Erster Abschnitt

Länge: Bei Öffnung der Grenze zur Schweiz 78 km.
Verlauf: Von Grenzach über Weil am Rhein, Efringen-Kirchen, Auggen, Müllheim, Heitersheim, Schallstadt.
Höhendifferenz: Aufstieg: 697 Höhenmeter, Abstieg: 724 Höhenmeter.
Höhepunkte: Vitra-Design-Museum, Dörfer zwischen Weil und Efringen-Kirchen, Blick auf den Isteiner Klotz.

Doch auch ohne Museumsbesuche begeistert der Weg. Uralte Winzerhöfe, schmucke Fachwerkhäuser, meist liebevoll hergerichtet, säumen diesen Abschnitt durch Orte wie Ötlingen, Binzen und Eimeldingen. Und immer wieder Rebberge. Die Strecke ist gut ausgebaut und meist asphaltiert – nur der genaue Verlauf des Weinradwegs ist nicht immer klar. Mehrfach verfahren wir uns und finden nur durch die Handy-App wieder auf den Weg zurück. Auf die Beschilderung sollte man sich derzeit also eher nicht verlassen und auf alle Fälle auf www.badische-weinstrasse.de die Karte online im Blick behalten oder sie in die App Outdooractive importieren, von wo aus man sich dann auch navigieren lassen kann.

Zwischendurch mal in einem Weingut anhalten, ein Gläschen Grauburgunder trinken und dabei den Akku des E-Bikes aufladen, funktioniert auch nicht. Sonntags sind alle Weingüter geschlossen.

Den ersten steileren Anstieg hat man hinter Efringen-Kirchen, auf Höhe des Isteiner Klotzes, den man aus der Ferne gut sehen kann. Der Blick schweift kilometerweit über den Rheingraben, dahinter ragen die Vogesen empor. Nach einigen rasanten Abfahrten – gefolgt von moderaten Anstiegen – führt der Weg über Schliengen und Müllheim nach Heitersheim und von dort nach Staufen, wo man links an der Burgruine vorbeifährt. Nun sind es nur wenige Kilometer bis nach Schallstadt, die landschaftlich nicht zu den Höhepunkten zählen. Reizvoller wäre ein Abschluss über den Batzenberg. Aber nach rund 100 Kilometern sind wir froh, dass uns das erspart wurde.
Der kommende Teil führt von Schallstadt nach Riegel.