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"Eine Jugend forscht-Teilnahme ist immer ein Gewinn"

fudder

Benita Eberhardt-Lange, Leiterin des Regionalwettbewerbs, und Renate Spanke, Fachbereichsleiterin im Schülerforschungszentrum Phaenovum, sprechen über die Herausforderungen eines digitalen Jugend forscht-Wettbewerbs.

Frau Eberhardt-Lange, Sie sind Lehrerin für Chemie, Biologie und Deutsch am Friedrich-Gymnasium Freiburg und seit 2004 Regionalwettbewerbsleiterin Jugend forscht und Schüler experimentieren in Südbaden. Was fasziniert Sie an dieser Aufgabe?


Eberhardt-Lange: Normalerweise hat man 30 Kinder in einer Klasse und echte, kreative Forschung ist nicht umsetzbar, da man an den Lehrplan gebunden ist. Die gemeinsame Arbeit an Jugend forscht-Projekten bietet ein wunderbares Lernumfeld. Es gibt sehr engagierte Kolleginnen und Kollegen, die freiwillig nachmittags und am Wochenende mit den Kindern in der Schule arbeiten. Und dann gibt es noch die Schülerforschungszentren, wie etwa das Phaenovum in Lörrach. Junge Forscherinnen und Forscher von allen Schulen finden dort das nötige Equipment und werden von Betreuern unterstützt. Die gemeinsame Begeisterung für wissenschaftliches Arbeiten, das Präsentieren der Ergebnisse und die Begegnung mit anderen Forscherinnen und Forschern, das alles macht die Arbeit für mich zu einer schönen Aufgabe.

Was macht den besonderen Reiz des Wettbewerbs für Lehrerinnen und Lehrer aus?

Eberhardt-Lange: Dank Jugend forscht lerne ich die Jugendlichen von einer anderen Seite kennen. Sie geben hier die Richtung vor. Man sucht gemeinsam mit ihnen nach Antworten. Man muss nicht prüfen und kontrollieren, sondern ist Unterstützer. Und wir arbeiten ja gerne an Fragestellungen zu unseren Fachgebieten, die uns am Herzen liegen, und forschen mit den Kindern und Jugendlichen mit der Zeit und Muße, die sonst im Schulalltag fehlt.

Hat die Wettbewerbsteilnahme positive Auswirkungen auf die Schülerinnen und Schüler im Unterricht?

Eberhardt-Lange: Das problemlösende Denken der Kinder und Jugendlichen wird geschärft und sie bekommen einen anderen Zugang zu naturwissenschaftlichen Themen und Fragen. Sie fordern uns mit Fragestellungen heraus. Und was definitiv positiv auffällt, ist das gesteigerte Selbstbewusstsein. Ein Vortrag vor Publikum fällt allen, die auf der Jugend forscht-Messe präsentiert haben, viel leichter. Interessant ist, dass es nicht immer die Einserkandidaten in der Schule sind, die sich bei Jugend forscht in ein Projekt vertiefen und es auf der Messe präsentieren.

Frau Spanke, Sie sind Diplombiologin und leiten den Fachbereich "explore" im Schülerforschungszentrum Phaenovum. Seit 2005 haben Sie mehr als 60 Projekte mit Schülerinnen und Schülern aller Schulformen von der 4. Klasse bis zum Abitur begleitet. Warum setzen Sie sich als Betreuerin für Jugend forscht ein?

Spanke: Es macht mir sehr große Freude zu erleben, wie die Jugendlichen ihre eigenen Ideen bearbeiten und an ihrem Jugend forscht-Projekt wachsen. Sie gewinnen dabei Selbstbewusstsein und Fähigkeiten, die sie in diesem Maße in der Schule nicht erlangen können.
Ich bin Jugend forscht dankbar, dass es den Jugendlichen eine außerschulische Plattform bietet, auf der das eigenständige Tun und nicht die Noten im Zentrum stehen. Eine Teilnehme ist immer ein Gewinn.

War die Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Teilnehmern anders als in den vergangenen Jahren?

Spanke: Die Jungforscherinnen und -forscher sind extrem motiviert. Die meisten hatten im Frühling 2020 konkrete Ideen, die wir so geplant haben, dass sie im Falle eines Lockdown ihr Projekt von zu Hause aus bearbeiten können.
Ab Mitte Oktober haben wir die wöchentlichen Treffen auf Online-Meetings umgestellt. Die Betreuung fand nur noch per Telefon, Mail, Online oder in persönlichen Einzelbesuchen statt. Auch in den Weihnachtsferien habe ich täglich ein Online-Treffen angeboten. Neben den fachlichen Fragen wurden viele persönliche und lustige Dinge besprochen – und mancher Abend endete bei den Jugendlichen in einer ausgelassenen Spielerunde "Among us". Unser Jugend forscht-Team hat die Corona-Einschränkungen gut gemeistert. Doch können alle Anstrengungen die persönliche direkte Betreuung nicht ersetzen.

War es dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie und dem Fernunterricht schwieriger, Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme zu motivieren?

Spanke: Das "Corona-Home-Schooling" hat viele Jugendliche umso kreativer werden lassen, neue Fragestellungen zu untersuchen. Eine zusätzliche Motivation zu Beginn eines Jugend forscht-Projekts war nicht nötig. Erst beim Auftreten von Problemen sind "Motivationslöcher" entstanden. In diesem Moment war neben unserer fachlichen Unterstützung der soziale Austausch unter den Jungforschern sehr wichtig. Ich möchte mich auch bei den Eltern bedanken, die ihre Kinder während der schwierigen End-Projektphase unterstützt und von ihren Alltagsaufgaben befreit haben. Auch die praktischen Tipps und der positive Zuspruch ehemaliger Jugend forscht-Alumni waren für die Teilnehmer dieses Jahr eine große Stütze.

Eberhardt-Lange: Ein kleiner Vorteil des Corona bedingten Lockdown war die viele Freizeit. Alle, die sich für Forschung interessierten, hatten mehr Zeit sich zuhause in ein Projekt zu vertiefen.
Wir von Jugend forscht sind begeistert, dass es deutschlandweit nur 23 Prozent weniger Teilnehmerprojekte sind. Wir hatten einen Rückgang um 50 Prozent erwartet. In Südbaden ist der Schwund sogar noch geringer. Hier zeigt sich die starke Jugend forscht-Familie bei uns in Südbaden. Es gibt viele Jungforscherinnen und -forscher, die wieder mitmachen, Betreuerinnen und Betreuer sowie Schulen mit viel Erfahrung und ein gutes Netzwerk an Forschungszentren.
Mehr zum 56. Jugend forscht-Wettbewerb unter dem Motto "Lass Zukunft da" und dem Regionalwettbewerb Südbaden findest du hier.